Solarhybrid: Heiße Aktie aus lauwarmer Branche
Wenn das Unternehmen Solarhybrid die Prognosen nur ansatzweise erfüllt, hat der Kurs noch viel Luft nach oben. Spekulative Anleger könnten auf ihre Kosten kommen.
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von Jens Castner, Euro am Sonntag
Wenn man eines meiden sollte, so riet einst der legendäre Fondsmanager Peter Lynch, sei dies die heißeste Aktie aus der heißesten Branche. Nun hat sich die Stimmung in der Solarindustrie durch die beschlossenen Kürzungen der Einspeisevergütungen in Deutschland zwar merklich abgekühlt, weshalb die Branche derzeit eher als lauwarm bezeichnet werden darf. Das Attribut der heißesten Aktie jedoch trifft auf Solarhybrid nach wie vor zu. Trotzdem könnten spekulative Anleger auf ihre Kosten kommen.
Nach einer Beinahepleite Ende 2008 lag das Papier fast das gesamte vergangene Jahr über wie Blei im Markt. Im Dezember wurde es plötzlich wachgeküsst. Der Kurs explodierte von zwei auf über fünf Euro, bevor eine längere Konsolidierungsphase einsetzte. Die endete Anfang März, als Vorstandschef Tom Schröder anlässlich der Kitzbüheler Kapitalmarktkonferenz eine Verzehnfachung des Umsatzes auf 160 Millionen Euro in Aussicht stellte. Als Ziel für den Gewinn vor Steuern und Zinsen nannte er elf Millionen Euro, nachdem im Vorjahr noch 4,5 Millionen Miese angefallen waren.
Der Kurs erklomm daraufhin umgehend die Acht-Euro-Marke. Die Rally konnte erst durch die Griechenland-Baisse gestoppt werden. Sofern das Unternehmen die Prognosen erfüllt, lässt die aktuelle Börsenbewertung von etwas mehr als 30 Millionen Euro noch einigen Spielraum nach oben. Schröder selbst hegt keinen Zweifel daran, dass er die versprochenen Zahlen liefern wird. Der jüngste Großauftrag für einen Solarpark in Laudenbach bei Würzburg soll bis Ende Juni 26,7 Millionen Euro Umsatz einspielen. Weitere 58 Millionen kommen durch ein Solarkraftwerk im brandenburgischen Eberswalde hinzu, das bereits kurz vor der Fertigstellung steht. Zusammen mit den Umsätzen im Distributionsgeschäft – hier werden Fotovoltaikmodule namhafter Hersteller weiterverkauft – könnten im ersten Halbjahr bereits rund 100 Millionen durch die Bücher gehen.
Da sich Solarhybrid im Projektgeschäft auf Konversionsflächen (verseuchte Areale wie ehemalige Truppenübungsplätze) spezialisiert hat, ist dem Unternehmen auch vor dem zweiten Halbjahr nicht bange. Denn hier wird die Förderung im Unterschied zu anderen Freiflächen nur um elf statt um 16 Prozent zurückgefahren. Konversionsflächen werden also – relativ gesehen – attraktiver, weshalb die Auftragspipeline gut gefüllt ist. 2011 soll daher noch mal um Längen besser werden als 2010, zumal dann auch das Solarthermiegeschäft, das bisher überhaupt nicht lief, durch die Entwicklung eines neuartigen Kollektors (Strom- und Wärmeerzeugung in einem Modul) Gewinne abwerfen könnte.
Fazit: Durch Verlustvorträge sollten die avisierten elf Millionen Euro Vorsteuerergebnis fast dem Nettogewinn entsprechen – KGV drei.