30.04.2013 21:54
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Aktienpakete: Wo lukrative Verkäufe zu erwarten sind

Auf der Suche nach der ­perfekten Passform
Versteckte Werte
Viele Konzerne sitzen auf großen Aktienpaketen fremder Unternehmen. Besser wär’s, wenn sie die Beteiligungen verkauften. Wo Anleger auf Sondereffekte spekulieren können.
€uro am Sonntag

von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Geld, politische Intrigen, ein erbitterter Familienstreit. Das Leben der Liliane Bettencourt würde problemlos einen Abenteuerroman füllen. Inzwischen ist es aber ruhig geworden um die französische Multimilliardärin. Das Vermögen der 90 Jahre alten Dame wird von der Tochter und den beiden Enkeln verwaltet. Für die Zukunft des Kosmetikkonzerns L’Oréal bleibt Madame Bettencourt dennoch eine Schlüsselfigur.

Neben den Bettencourts hat L’Oréal einen zweiten Großaktionär: den Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé. Die Verbindung reicht zurück in die 70er-Jahre. Bei L’Oréal, so wird erzählt, habe man seinerzeit einen Wahlsieg der Sozialisten und eine Verstaatlichung des Unternehmens befürchtet. Nestlé als neuer Großaktionär war eine Art Lebensversicherung. Für die Schweizer hat sich die Rettungsaktion gelohnt: Der Kurs der L’Oréal-Aktie ist allein seit 1990 um 1.500 Prozent gestiegen. Zusätzlich zahlen die Franzosen zuverlässig Dividende.

Nach diversen Kapitalmaßnahmen hält Nestlé heute knapp 30 Prozent der L’Oréal-Aktien, die Investmentholding der Bettencourt-Familie knapp 31 Prozent. Eine solche Pattsituation ist in der modernen Wirtschaftswelt ungewöhnlich. In den meisten Unternehmen gibt es einen dominierenden Aktionär oder eine breite Verteilung der Macht unter vielen kleinen Teilhabern.

Immer wieder kursiert das Gerücht, Nestlé wolle L’Oréal komplett übernehmen. Dem steht der Widerstand Liliane Bettencourts entgegen. In einem Stillhalteabkommen wurde festgeschrieben, dass die beiden Großaktionäre ihre Beteiligung frühestens sechs Monate nach dem Tod des Familienoberhaupts aufstocken dürfen. Doch will Nestlé die Franzosen überhaupt übernehmen?

Showdown 2014
In der Schweiz hält man sich allein schon aus Pietätsgründen bedeckt bei diesem Thema. Erst auf der Hauptversammlung im April kommenden Jahres werde man sich zu langfristigen Plänen äußern. Der ­April ist noch aus einem anderen Grund ein wichtiger Termin: Dann läuft ein Stillhalteabkommen zwischen Nestlé und Bettencourt ab, das beiden Seiten den Verkauf von L’Oréal-Aktien bislang erschwert.

Da an der Börse die Zukunft gehandelt wird, rechnen Investmentbanker schon jetzt mögliche Szenarien durch. Eine Komplettübernahme von L’Oréal wäre nach Einschätzung der Bank JP Morgan das schlechteste Szenario für Nestlé-Aktionäre. L’Oréal passe als Hersteller von Kosmetikartikeln nicht ins Portfolio eines vor allem auf Nahrungsmittel ausgerichteten Konzerns. Sowohl beim Einkauf von Rohstoffen als auch beim Vertrieb gebe es kaum Überschneidungen und damit wenig Potenzial für Einsparungen.

Sinnvoller sei es für Nestlé, das Investment in L’Oréal aufzulösen. Die Einnahmen aus dem Verkauf könnten in neue Investitionen gesteckt oder an die Nestlé-Aktionäre ausgeschüttet werden.

Kurse aufpolieren
Vorbild wäre der Verkauf von Alcon. Den Spezialisten für Augenheilkunde hatte Nestlé in den Jahren 2008 und 2010 in zwei Schritten an den Pharmakonzern Novartis weitergereicht. Im Zuge des Verkaufs der zweiten Tranche kündigte Nestlé das Vorhaben an, eigene Aktien im Wert von zehn Milliarden Schweizer Franken über die Börse einzusammeln. Solche Rückkäufe stützen kurzfristig den Kurs, weil sie die Nachfrage künstlich erhöhen.

Werden die zurückgekauften Aktien eingestampft, poliert das zusätzlich wichtige Bewertungskennziffern wie den Gewinn je Aktie auf. Dieser Effekt wirkt langfristig — auch auf den Aktienkurs. Die Investmentbank Jefferies hat hochgerechnet, dass Nestlé seinen Jahresgewinn je Aktie um mehr als fünf Prozent aufpeppt, wenn der Erlös des L’Oréal-Pakets komplett in Rückkäufe investiert werden würde.

Der Sinn von Beteiligungen an fremden Unternehmen ist umstritten. Sie können Geschäftsverbindungen stärken, etwa bei den Autokonzernen Fiat und Chrysler. Da ein Unternehmen aber nur begrenzt Einfluss auf das operative Geschäft einer Minderheitsbeteiligung nehmen kann, belegen Analysten solche Aktienpakete in ihren Kursziel­berechnungen oft mit einem Bewertungsabschlag.

Manche sehen sogar eine Art Bevormundung: Wenn beispielsweise Nestlé sein L’Oréal-Paket verkaufen und den Erlös an die Aktionäre ausschütten würde, könnten diese selbst entscheiden, ob sie L’Oréal für ein sinnvolles Investment halten.
In Deutschland waren Überkreuzbeteiligungen bis in die 90er-Jahre weit verbreitet. Diese Strukturen sind inzwischen fast komplett aufgelöst. Anderswo gibt es noch immer historisch gewachsene Vernetzungen, die für Aktionäre verstecktes Kurspotenzial bieten können.

In der Schweiz sind die beiden Pharmakonzerne Novartis und Roche eng verbunden. Novartis kontrolliert ein Drittel des Branchenrivalen. In den Jahren 2001 und 2003 hatte der damalige Novartis-Chef Daniel Vasella die Position aufgebaut, um die Konzerne zu fusionieren. Der Versuch scheiterte.

Während Analysten im Fall Nestlé/L’Oréal eher damit rechnen, dass die Beteiligungsverhältnisse in den kommenden zwei bis drei Jahren unverändert bleiben werden, könnte es bei den Schweizer Pharmakonzernen spannend werden, nachdem Vasella das Unternehmen verlassen hat. Die Analysten von Jefferies sehen in einer im Januar präsentierten Studie sogar eine Wahrscheinlichkeit von 70 bis 80 Prozent, dass Novartis bald Kasse macht.

Novartis könnte das Geld gut gebrauchen, etwa um die Produktpipeline für neue Medikamente durch Zukäufe zu stärken. Ein Teil der Einnahmen könnte auch genutzt werden, um Schulden zu reduzieren und damit die Basis für künftige Dividenden zu stärken.

Die größte Dramatik bietet derzeit Vodafone. Der britische Mobilfunk­anbieter kämpft im operativen Geschäft mit Problemen: Italien und Spanien, zwei von der europäischen Schuldenkrise besonders stark betroffene Länder, gehören zu den umsatzstärksten Auslandsmärkten Vodafones. Die Briten haben sich bereits von etlichen Minderheitsbeteiligungen wie China Mobile getrennt.

Das wertvollste Paket ist eine Beteiligung von 45 Prozent am US-Mobilfunkanbieter Verizon Wireless. Die restlichen Aktien gehören dem Telekomkonzern Verizon Communications. Dort hat man bereits klargemacht, dass man das Gemeinschaftsunternehmen gern komplett übernehmen würde.

Poker um Mobilfunkstar
Vodafone könnte mit den Einnahmen aus dem Verkauf seine Stellung im Kerngeschäft stärken. Durch die Übernahme eines Kabelnetzbetreibers in Europa würde Vodafone beispielsweise seine Produktpalette ausweiten. Nach Informationen des Finanzdiensts Bloomberg hat Voda­fone intern eine Übernahme von Kabel Deutschland erörtert, die Pläne dann aber verworfen.

Noch ist alles möglich: Die Nachrichtenagentur Reuters meldete in dieser Woche, Verizon Communications bereite ein Gebot im Wert von 100 Milliarden Dollar für die rest­lichen Anteile seiner Mobilfunktochter vor. Der Betrag entspricht rund 60 Prozent des aktuellen Börsenwerts von Vodafone. Andere Quellen halten sogar bis zu 135 Millionen ­Dollar für realistisch. Den Preis­poker dürften auch die Aktionäre von Kabel Deutschland mit Spannung verfolgen.

Investor-Info

Nestlé
Leichter Wackler

Nestlé ist als zuverlässiger Dividendenzahler Liebling vieler Value-Investoren. Die jüngsten Umsatzzahlen lagen allerdings unter Analystenerwartung. Noch ist es zu früh, von einem strukturellen Problem zu sprechen. Anleger, die auf deutliche Kursgewinne setzen, müssen sich bei Nestlé aber wohl gedulden. Das gilt auch für Spekulationen auf eine Entscheidung, was aus dem L’Oréal-Paket wird. 

Novartis
Vor dem Wendepunkt

Börsianer spekulieren, dass Novartis unter seiner neuen Führungsspitze das Portfolio auf den ­Prüfstand stellt, so auch die Beteiligung an Roche. Operativ hat Novartis wie viele andere Pharma­konzerne mit Umsatzeinbußen durch auslaufenden Patentschutz auf wichtige Medikamente zu kämpfen. Im kommenden Jahr aber dürfte diese Schwächephase dank neuer Produkte überwunden sein. 

Vodafone
Risiko steigt

Margendruck und Eurokrise machen dem britischen Mobilfunkanbieter im operativen Geschäft zu schaffen. Der Aktienkurs wird derzeit vor allem durch Spekulationen über die Minderheitsbeteiligung an Verizon Wireless getrieben. Ein Verkauf dürfte sich kurzfristig positiv auswirken, das Risikoprofil der Aktie aber hebeln. Vodafone bleibt auch aufgrund der überzeugenden Dividendenhistorie kaufenswert.

Kabel Deutschland
Für alle Fälle

Die Übernahmegerüchte um den Kabelnetzbetreiber sind abgeflaut, dürften aber neue Nahrung erhalten, falls die Briten bei Verizon Wireless tatsächlich Kasse machen sollten. Die Münchner wären allerdings auch für andere Unternehmen der Telekombranche ein lohnendes Ziel. Falls die Spekulationen verpuffen, bleibt die ansprechende Dividendenrendite. 

Bildquellen: somchaij / Shutterstock.com
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