20.06.2016 22:17
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The Day after Brexit - Diese Folgen hätte der Austritt der Briten aus der EU

Worst-Case-Szenario "Brexit": The Day after Brexit - Diese Folgen hätte der Austritt der Briten aus der EU | Nachricht | finanzen.net
Worst-Case-Szenario "Brexit"

Die Zukunft nach einem Brexit sieht düster aus. Zumindest, wenn man den zahlreichen Experten glaubt, die am Kapitalmarkt mit Blick auf das EU-Referendum der Briten kräftig schwarzmalen. Ein Worst-Case-Szenario.

Wenn die Briten am 23. Juni 2016 über ihren Verbleib in der EU abstimmen, steht weitaus mehr auf dem Spiel als "ja oder nein". Ein Verlassen der Eurozone wäre vielmehr der Ausgangspunkt einer ganzen Flut von Ereignissen - und das nicht nur an den Kapitalmärkten. Doch vor allem dort rechnen viele Experten mit veritablen Kurseinbrüchen sofern sich die Briten aus der Europäischen Union wählen. Geschätzt werden Kursstürze von bis zu 40 Prozent.

Am Devisenmärkt bebt es kräftig

Sollte der 24. Juni tatsächlich der erste Tag nach dem Brexit sein, so dürfte dies zunächst vor allem den Devisenmarkt hart treffen. Das Pfund dürfte sich an "Tag 1" im freien Fall befinden - und möglicherweise sogar auf den tiefsten Stand seit 30 Jahren fallen, wie Experten vermuten. Dann wäre das Pfund nur noch knapp 1,35 Dollar wert. Der Kurs der britischen Währung zeigt sich bereits im Vorfeld der Abstimmung nervös und gerät immer wieder unter Druck. Eine endgültige Entscheidung für einen Brexit würde die britische Währung höchstwahrscheinlich erst einmal ins Bodenlose absacken lassen.
Auch der Euro müsste im Vergleich zum Dollar ordentlich Federn lassen und dürfte merklich abwerten. Euro-Pfund-Notierungen um die Parität wären in diesem Fall zu erwarten, vor allem dann, wenn auch die Regierung Cameron nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU tatsächlich beendet wäre. Spekulationen, die von einem solchen Fall ausgehen, mehren sich bereits.

Die Aktienmärkte brechen ein - und rappeln sich schnell wieder auf

Im Falle eines Brexit würde an der Londoner Börse aller Wahrscheinlichkeit nach ein "schwarzer Freitag" anbrechen. Der Chef-Analyst der Landesbank Baden Württemberg, Markus Herrmann, spricht hierbei von einem Kursrutsch von 30 bis 40 Prozent. Diese rapiden Kurseinbrüche wären jedoch höchstwahrscheinlich nur dem ersten Schock geschuldet. Da selbst beim Votum für einen Brexit eine zweijährige Übergangsfrist eingehalten werden muss, bevor Großbritannien endgültig aus der EU ausgetreten ist, muss der Handel keine tatsächlichen kurzfristigen Konsequenzen befürchten und sollte sich möglichst rasch vom ersten Kurssturz erholen können. Anders könnten die Dinge jedoch am britischen Markt liegen, wo die weitreichenderen Folgen für den Finanzmarkt im Brexit-Fall zur Stunde noch Gegenstand von Spekulationen bleibt.

Heiß begehrt: Deutsche Staatsanleihen

Deutsche Staatsanleihen gelten als sicher und dürften sich daher im Brexit-Szenario großer Beliebtheit erfreuen. Bereits im Vorfeld des Referendums drückte die anhaltende Furcht vorm "Nein zur Eurozone" die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen unter die Marke von null Prozent.

Fonds sind bereit für den Brexit-Fall

Laut der monatlichen Umfrage von Bank of Amarica Merrill Lynch, haben die Investmentfonds sich bereits für einen Brexit in Stellung gebracht. Die Anteile an britischen Aktien befinden sich bereits auf dem niedrigsten Niveau seit November 2008. Die befragten Geldhäuser schätzen den Schaden für die Weltwirtschaft durch einen Brexit höher ein, als durch ein weiteres Erkalten der chinesischen Wirtschaft und der damit einhergehenden Abwertung der chinesischen Währung. Überraschende Einbrüche der Fonds-Kurse bei einem "Nein zur Eurozone" sind somit kaum zu erwartet.

Die britische Wirtschaft geht in die Knie - die Notenbank reagiert

Die Bank of England hat sich ebenfalls längst auf das "Worst Case Szenario" Brexit vorbereitet. Unlängst sickerte bereits durch, dass eine britische Taskforce unter dem Namen "Project Bookend" längst einen Notfallplan für den Fall eines Brexit ausgearbeitet hat - dieser käme nun am 24. Juni 2016 um Tragen, sollten die Briten gegen ihren Verbleib in der Eurozone abgestimmt haben. Die Bank of England und der aktuelle Notenbankchef Mark Carney erwarten, dass einem Brexit ein Wachstumseinbruch auf dem Fuße folgen würde. Die fatale Spirale würde sich unmittelbar in Gang setzen: Unternehmer halten ihre Investitionen angesichts der unübersichtlichen wirtschaftlichen Lage zurück, Verbraucher konsumieren weniger. Um bis zu sechs Prozent würde die britische Wirtschaft schrumpfen und damit würden auch zeitgleich eine Menge an Arbeitsplätzen auf dem Spiel stehen. Von 800.000 unmittelbar gefährdeten Arbeitsplätzen gehen die Notenbanker aktuell aus. Um das drohende Chaos an den Finanzmärkten abzufedern, ist davon auszugehen, dass die Notenbank erneut ihre Schleusen öffnet.

Britische Banken ziehen nach Frankfurt um

Nachdem London im Brexit-Fall nicht mehr Teil der EU wäre, könnte dies für einige britische Banken der Auslöser für einen Umzug sein - einen Umzug nach Frankfurt. Martin Hellmich ist Professor an der Frankfurt School of Finance und geht in einer Studie von 20.000 Banken aus, die nach Frankfurt umsiedeln könnten. Damit würde der Standort Frankfurt in Sachen Finanzwesen deutlich an Wichtigkeit gewinnen.

Der Brexit - das Ende der EU?

Im Brexit-Szenario haben die Briten sich für die Souveränität Großbritanniens und die Loslösung von der Europäischen Union ausgesprochen - dies könnte einige rechtspopulistische Strömungen in der EU Morgenluft wittern lassen, etwa die "Front Nationale" in Frankreich. Diese könnten den Impuls des Brexit für ihre Zwecke nutzen und ihrerseits einen "Frexit" propagieren - den Austritt Frankreichs aus der EU. Erst kürzlich sagte die Chefin der Front Nationale Marine Le Pen: "Frankreich hätte vielleicht fünf Mal so viel Grund, die Europäische Union zu verlassen wie die Engländer." Ein Brexit könnte einem möglichen, folgenden "Frexit" unter Umständen bereits den Boden bereiten. Ähnlich düster zeichnet auch der Präsident des deutschen Außenhandelsverbandes BGA, Anton Börner das Bild nach dem Brexit. "Aus meiner Sicht liefe das auf ein Ende der EU hinaus, wie wir sie kennen", sagte Börner am Montag, "Europa würde sich letztendlich marginalisieren."

Die wirtschaftliche Zukunfts Großbritanniens nach dem Brexit: Ungewiss.

Mit einer Entscheidung für den Brexit würde Großbritannien mit einiger Sicherheit ein Tor zu einer Zeit der wirtschaftlichen Unsicherheit aufstoßen. Die Austrittsverhandlungen, die sich über zwei Jahre hinziehen würden, würden gleichsam eine wirtschaftliche Hängepartie bedeuten. Der Zugang der Briten zum EU-Binnenmarkt sowie vor allem der Finanzsektor müssten neu geregelt und aufgestellt werden. Auch das Vertrauen in Großbritannien als Handelspartner dürfte durch einen Brexit zunächst erheblich leiden. Selbst wenn die Finanzmärkte den ersten Brexit-Schock voraussichtlich zeitnah verarbeiten könnten, ist die langfristige Perspektive für Investments in Großbritannien nur schwer einzuschätzen. Für viele Experten ist der Brexit gleichbedeutend mit dem "Worst Case". Absolute Klarheit wird jedoch erst das endgültige Abstimmungsergebnis bringen können.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: RRA79 / Shutterstock.com
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