09.04.2017 10:30
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Darum sollte Apple Tesla kaufen

Milliarden-Deal: Darum sollte Apple Tesla kaufen | Nachricht | finanzen.net
Milliarden-Deal
Die Apple-Aktie notiert auf Allzeithoch - eigentlich ein ungünstiger Zeitpunkt, um Anteilseigner mit einem großangelegten Aktienrückkaufprogramm zu beglücken. Dabei könnte Apple mit seinen massiven Barreserven ganz andere Vorhaben umsetzen: Einen milliardenschweren Zukauf zum Beispiel.
Kein Unternehmen hortet mehr Geld als Apple. Rund 200 Milliarden US-Dollar soll der Technologieriese an Cash-Reserven inzwischen angehäuft haben. Bislang hat der iPhone-Konzern wenig dafür getan, diesen Geldberg abzutragen. Ein paar kleinere Zukäufe, ein Aktienrückkaufprogramm, Dividende für die Aktionäre. Und dennoch wächst das Cash-Vermögen des Giganten mit jedem Quartal. Geht es nach Experten ist klar: Apple sollte seine enormen Bar-Reserven in einen großen Zukauf investieren. Während am Markt Gerüchte über eine spektakuläre Übernahme von Walt Disney die Runde machen, fallen auch immer wieder prominente Namen wie Dropbox oder GoPro als mögliche Übernahmekandidaten für Apple. Auch über eine mögliche Verbindung mit der Kreditkartenfirma American Express, die als Türöffner für Apple Pay fungieren soll, wird immer wieder spekuliert. Doch es gibt ein Unternehmen, das besser zu Apple passen würde als alle anderen: Elon Musks Tesla-Konzern.

Innovation dringend gesucht

Für eine Übernahme von Tesla durch Apple gibt es eine Reihe überzeugender Argumente, denn die Verbindung der beiden Tech-Alphatiere aus dem Silicon Valley hätte für beide Seiten enorme Vorteile.

Denn Apple hat ein riesiges Problem: Es fehlt an Innovationskraft. Die letzten Produktneuigkeiten aus dem Hause Apple waren ein rotes iPhone und ein vergünstigtes iPad. Die letzte erfolgreiche Markteinführung konnte Apple mit seinen Air Pods feiern, zuvor hatte das Unternehmen mit der Apple Watch einen für Konzernverhältnisse wenig erfolgreichen Launch hinnehmen müssen. Doch Apple ist und bleibt abhängig von seinem Erfolgsprodukt: Dem iPhone. Seit geraumer Zeit warten Fans und Analysten auf "the next big thing", das unter dem früheren Apple-Chef Steve Jobs mit schöner Regelmäßigkeit präsentiert wurde. Aktuell lebt das Unternehmen von der Hoffnung auf ein Knaller-iPhone im September. Glaubt man den Spekulationen, die bereits seit Monaten die Runde machen, muss das Jubiläumsgerät mindestens eine Sensation werden. Doch die Frage muss erlaubt sein: Wie lange kann sich Apple noch auf seinen Wachstumsgaranten, das iPhone verlassen? Mittel- bis langfristig ist durchaus denkbar, dass - angesichts des technologischen Fortschritts - Smartphones kein Muss mehr für Jedermann sind. Datenbrillen sind auf dem Vormarsch und sind zudem im Alltag besser zu handhaben, als Geräte, die manuelle Bedienung erfordern.

Noch setzt der Konzern aus Cupertino aber weiter auf seinen Verkaufsgaranten. Still ist es hingegen um Apples mögliche Autopläne geworden. Im vergangenen Jahr kochten immer wieder Gerüchte hoch, der Techriese arbeite an einem eigenen Fahrzeug. Doch dafür fehlt Apple ein Partner mit ausgewiesener Expertise im Bereich Fahrzeugbau. Reihenweise hat sich der Silicon Valley-Star Absagen von etablierten Autobauern eingehandelt. VW-Chef Matthias Müller nannte "unterschiedliches Rollenverständnis" als Grund dafür, dass man in Wolfsburg die Verhandlungen mit Apple um eine Zusammenarbeit abgebrochen hat. Auch von BMW war ähnliches zu hören. Daimler-Chef Dieter Zetsche hat ebenfalls dankend abgelehnt - wohl aus ähnlichen Gründen: Keiner der großen Automobilkonzerne will sich zum reinen Hardware-Lieferanten degradieren lassen.

Warum ein Apple-Tesla-Konzern eine Win-Win-Situation für alle ist

Bei Tesla läge die Sache hingegen anders. Denn Tesla hat, was Apple fehlt: Ein zukunftsfähiges Produkt, das die Massen begeistert. 400.000 Vorbestellungen soll es für Teslas neuen Hoffnungsträger, das Model 3 geben. Und das, obwohl die Produktion des Wagens erst im September so richtig starten soll. Die Hoffnungen, die der Tesla-Chef in das Model 3 setzt, sind mehr als ambitioniert: Tesla will den Massenmarkt erobern und sich endgültig zum weltgrößten Elektroautomobilbauer krönen. Doch dafür braucht Elon Musk Geld - mehr Geld, als er hat. Erst kürzlich zapfte der umtriebige Milliardär den Kapitalmarkt an, um das neue Modell mit frischen Milliarden anzuschieben. Doch ob die jüngste Kapitalerhöhung tatsächlich ausreicht, um bereits im kommenden Jahr 500.000 Model 3 vom Band rollen zu lassen, bleibt fraglich. Zwar hat Tesla eine treue Kundenbasis und konnte erst vor wenigen Tagen eine Rekordauslieferung im ersten Quartal vermelden, doch das Geschäft ist teuer. So teuer, dass Tesla weiterhin rote Zahlen schreibt.

Geld ist nun etwas, das Apple im Überfluss hat. Würde Apple den Musk-Konzern übernehmen, hätte der Silicon Valley-Star auf einen Schlag eine etablierte Automobilplattform mit 3 Modellen am Start, in die recht schnell mögliche Apple-Technologie integriert werden könnte. Tesla hingegen hätte endlich finanzielle Stabilität und könnte mit Hochdruck an der Umsetzung der Produktionsziele arbeiten.

Am Kaufpreis sollte es nicht scheitern

Die Tesla-Aktie hat jüngst ein neues Allzeithoch markiert, das Unternehmen hat daraufhin den US-Traditionskonzern Ford nach Marktwert überholt. Dass ein Konzern, der keinen Gewinn macht, mit einer Marktkapitalisierung von 48,7 Milliarden Dollar überbewertet ist, bestreiten am Markt nur die wenigsten. Aber - selbst wenn Tesla nur mit einem kräftigen Aufschlag auf den ohnehin sehr hohen Aktienkurs zu haben wäre - Apple könnte eine solche Riesenübernahme stemmen - und wäre damit wohl einer der wenigen Konzerne weltweit, die in dieser Größenordnung überhaupt auf Einkaufstour gehen könnten. Auch wenn die Komplettübernahme von Tesla den Geldberg von Apple kräftig abtragen dürfte: Wirklich weh würde Tim Cook und seinem Unternehmen eine solche Investition wohl nicht tun. Schließlich würde sich Apple nicht nur Know How und eine Automobilplattform einkaufen, sondern ein Produkt, das am Markt bereits zahlreiche Fans gefunden und für die kommenden Jahre noch enormes Potenzial aufzuweisen hat.

Elon Musk könnte zum Problem werden

Doch trotz aller Vorteile, die eine Übernahme von Tesla durch Apple für beide Seiten bereithalten würde, so dürfte ein derartiger Milliardendeal doch an der Führungsebene beider Unternehmen scheitern. Denn Tim Cook, dem immer wieder vorgeworfen wird, ein kühler rationaler Denker statt ein innovativer, kreativer Kopf - wie sein direkter Vorgänger Steve Jobs - zu sein, würde sich mit Tesla nicht nur einen innovativen Autobauer einkaufen, sondern auch dessen umtriebigen Chef. Elon Musk dürfte sich unter dem Dach von Apple kaum mit einer gehobenen Management-Position zufrieden geben, wenn er jetzt als CEO alle Zügel in der Hand hält. Es ist schwer vorzustellen, wie die beiden unterschiedlichen Managertypen Cook und Musk eine gemeinsame Linie finden könnten - an der Spitze ist nur Platz für einen von beiden. Auch wenn am Markt immer wieder durchgespielt wird, wie Apple unter einem CEO Elon Musk aussehen könnte: Tim Cook dürfte sich dieser Konkurrenzsituation nicht freiwillig aussetzen. Und auch Elon Musk wird einer Übernahme seines Elektroautokonzerns wohl kaum zustimmen, wenn er bezüglich seiner Entscheidungsgewalt über die Entwicklung des Unternehmens in irgendeiner Art und Weise Einschränkungen hinnehmen müsste.

So dürfte eine der erfolgversprechendsten Fusionen aller Zeiten wohl an der Machtfrage scheitern. Nichtsdestotrotz muss sich Tim Cook die Frage stellen, wohin die Reise bei Apple gehen soll und mit welchen Produkten die Stellung im Consumer Product-Markt mittel- bis langfristig verteidigt werden kann. Die Abhängigkeit vom iPhone ist ein Problem, dem sich Tim Cook stellen muss - besser früher, als zu spät.

Auch Elon Musk dürfte den Druck zunehmend spüren: Gehen die von ihm persönlich ausgegebenen Ziele nicht auf, könnte ihm die bislang sehr geduldige Aktionärsgemeinde die Gefolgschaft verweigern. Denn auch Tesla-Aktionäre wollen irgendwann einmal Ergebnisse sehen: Zukunftsvisionen hin oder her.

Redaktion finanzen.net

Bildquellen: TonyV3112 / Shutterstock.com, Nadezda Murmakova / Shutterstock.com, turtix / Shutterstock.com, Frontpage / Shutterstock.com
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