Tennet-Bürgeranleihe

Riskanter Bürger-Bond

04.08.13 12:00 Uhr

Der niederländische Stromnetzbetreiber Tennet will mit Zinskupons Anwohnern den Bau einer geplanten Strom­trasse in Norddeutschland versüßen. Doch angesichts der hohen Risiken ist der gebotene Zins zu gering.

von Kerstin Kramer, Euro am Sonntag

Hochspannungsleitungen und meterhohe Stahlmasten sowie Stromleitungen in der direkten Nachbarschaft mögen die wenigsten Hausbesitzer. Doch finanzielle Anreize könnten bei Gegnern von Stromtrassen einen Sinneswandel bewirken. Darauf baut der niederländische Stromnetzbetreiber Tennet mit einer sogenannten Bürgeranleihe. Diese Art von Papieren soll nach dem Willen von Umweltminister Peter Altmaier in Zukunft deutschlandweit zur Finanzierung des Netzausbaus beitragen.

Das Unternehmen will mit der Schuldverschreibung den Bau einer neuen Stromautobahn zu 15 Prozent finanzieren — wie teuer die Leitung letztlich wird, kann Tennet derzeit nicht sagen. Im Gegenzug winken jährliche Zinszahlungen von drei Prozent während der Planungsphase und fünf Prozent ab Baubeginn. Konkret geht es um eine Leitung im Westen Schleswig-Holsteins. Wer dort wohnt oder ein Grundstück besitzt, kann die Bonds bis Ende August ab 1000 Euro zeichnen. Emittentin ist die Tennet Holding. Im Gegensatz zum Konzern bewertet S & P die Anleihe nur mit „BB+“ und damit als spekulativ. Denn die Bürgeranleihe ist ein Hybridbond.

Diese Papiere bieten einen Aufschlag zu normalen Schuldtiteln desselben Emittenten, jedoch sind die Risiken größer. Kommt es nämlich zu einer Insolvenz, werden Inhaber der Hybridanleihe erst nach anderen Gläubigern bedient.

Darüber hinaus hat die Anleihe keine feste Laufzeit. Tennet verspricht zwar, das Papier in den ersten zehn Jahren nicht zu kündigen. Wer verkaufen will, muss den Weg über die Börse wählen. Das Unternehmen selbst gibt aber zu, dass der Markt dafür wohl nicht sehr liquide sein wird. 

Fazit: Angesichts des durchwachsenen Ratings wird das Risiko nicht angemessen bezahlt.

ISIN: DE000A1HKQE8