12.02.2013 14:00
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Wunder Wandelanleihen: Warum die Zwitterpapiere jetzt sinnvoll sind

Wandelanleihen: Gut verpackt, ist halb gewonnen
Anleihe inklusive Aktie
Wandelanleihen sind für Anleger geeignet, die mit einer Fortsetzung der Börsen-Rally rechnen, aber vorsichtig agieren wollen. Für den Einstieg bieten sich Investmentfonds an.
€uro am Sonntag

von Thomas Strohm, Euro am Sonntag

An steigenden Aktienkursen teilhaben und bei fallenden Notierungen von einem Sicherheitspuffer profitieren: Dank dieses Gesamt­pakets gehören Wandelanleihen zu den Favoriten vieler Anlageexperten für 2013. Schließlich herrscht an den Aktienmärkten derzeit Optimismus, während gleichzeitig mit Turbulenzen aufgrund unvorher­gesehener politischer Ereignisse im kriselnden Euroland gerechnet werden muss.

Die Aktienrally hat auch am Markt für Convertible Bonds, so die englische Bezeichnung, für einen Aufschwung gesorgt. „Wandelanleihen haben in den ersten Wochen 2013 ­einen fulminanten Start hingelegt, das spiegelt unsere hohen Erwartungen im laufenden Jahr wider“, sagt Kurt Fisch, Gründer des Züricher Wandlerspezialisten Fisch Asset Management. Schon das vorige Jahr lief für Wandler prächtig. Papiere europäischer Emittenten legten um mehr als 18 Prozent zu, weltweit steht ein Plus von fast 14 Prozent zu Buche.

Thorsten Vetter, Manager von zwei Wandelanleihefonds des Kölner Vermögensverwalters Flossbach von Storch (FvS), nennt dafür drei wesentliche Gründe: „Steigende Aktienkurse, sinkende Zinsen sowie fallende Renditeaufschläge für Unternehmensanleihen.“

Als Mischung aus Aktie und Anleihe sind Convertibles von verschiedenen Einflüssen abhängig. Inves­toren kaufen mit einer Wandelanleihe eben nicht nur die fest, aber vergleichsweise niedrig verzinste Schuldverschreibung eines Unternehmens, sondern auch die Option, die Anleihe innerhalb einer bestimmten Frist zu einem festgelegten Verhältnis in Aktien des Emittenten zu tauschen.

Als Faustformel gilt: Mit einem Wandelanleiheportfolio profitieren Anleger ungefähr zu zwei Dritteln von steigenden Aktienmärkten, werden aber lediglich zu einem Drittel von sinkenden Notierungen getroffen. Weil sich im Preis eines Wandlers verschiedene Faktoren niederschlagen, ist es für Privatanleger aber sehr schwierig, die Papiere zu bewerten. Zudem ist die Stückelung bei Wandelanleihen meist hoch, sie liegt bei 50.000 oder sogar 100.000 Euro. Ein breit gestreutes Investment in Wandler ist deshalb für Privatleute kaum möglich. Ein Einstieg in dieses Segment bietet sich vor allem über Investmentfonds an.

Gerade weil die Kurse von Wandelanleihen in den vergangenen Monaten schon kräftig gestiegen und deren Renditen spiegelbildlich gesunken sind, werden die hohen ­Gewinne von 2012 wohl nicht wiederholt werden können. „Das tiefe Zinsniveau und die ebenfalls deutlich gesunkenen Renditeaufschläge dürften künftig nur noch geringe Impulse bringen“, sagt Vetter. „Positive Argumente könnte der Aktienmarkt liefern.“ Der Kölner Vermögensverwalter geht davon aus, dass im derzeitigen Zinsumfeld liquide Sachwerte, allen voran Aktien, gefragt bleiben. Und mit steigenden Ak­tienkursen klettern die Kurse von Wandelanleihen — ein klarer Vorteil gegenüber klassischen Unternehmensbonds.

Markt ist in Schwung gekommen
Über fehlende Auswahl an frischen Wandlern können sich die Fondsmanager aktuell nicht beklagen. Lange Zeit bereiteten ihnen mangelnde Neuemissionen Sorgen. 2012 kamen nur Convertible Bonds mit einem Volumen von weltweit 61,5 Milliarden Dollar an den Markt — ein eher mäßiges Jahr für Wandelanleihen. Dabei hat die Emissionstätigkeit im Jahresverlauf zugenommen. Allein die Hälfte des Anleihevolumens stammte 2012 aus den letzten vier Monaten des Jahres. Mit Nokia, Eni, Deutsche Post und zuletzt Kuka sind zudem neue Emittenten an den Markt gegangen.

Auch gegenwärtig hält der positive Trend an. „An den Markt kommen die üblichen Verdächtigen“, sagt Wandlerspezialist Fisch, „Unternehmen mit großem Wachstum und viele Unternehmen, die sich in einem Turnaround befinden. Beides Bereiche, die für Investoren sehr interessant sind.“

In diesem Jahr habe es bereits zahlreiche Neuemissionen gegeben, weil sich Unternehmen mit Wandelanleihen preiswert refinanzieren können, stellt Jean-Charles Mériaux, Leiter des Portfoliomanagements der französischen Fondsboutique DNCA Finance, fest. „Wir erwarten einen weiter aktiven Emissionsmarkt für 2013 — gerade auch aus den süd­lichen Peripherieländern, da sie Wandelanleihen zum Teil für die Privatisierung nutzen.“

Mériaux schätzt Europa generell als interessant ein. „Europäische Aktien sind im globalen Vergleich noch immer relativ preiswert, daher favorisieren wir auch weiter europäische Wandelanleihen“, sagt er. Nach dem Versprechen von EZB-Chef Mario Draghi, den Euro um jeden Preis retten zu wollen, hat auch die Vermögensverwaltung Flossbach von Storch begonnen, wieder Wandelanleihen aus den Peripheriestaaten zu kaufen, die zuvor mehrere Jahre lang gemieden worden waren. Grundsätzlich sei jedoch immer das indi­viduelle Chance-Risiko-Profil einer Anleihe entscheidend, betont Vetter. „Unser Fokus liegt derzeit auf Europa, wir schauen uns aber auch intensiv in Asien oder den USA um.“ Fisch zeigt sich zurückhaltender: „Unsere Publikumsfonds investieren momentan nicht in die Peripherie in Europa.“ Übergewichtet sind in den Züricher Portfolios Asien und Japan, Europa ist neutral, die USA sind untergewichtet.

In ihrer Strategie unterscheiden sich die Fonds also deutlich, und das nicht nur hinsichtlich der von ihnen favorisierten Regionen. „Die Fondsmanager setzen unterschiedliche Schwerpunkte, was die Kreditqua­lität der Unternehmen, das Währungsmanagement oder das Delta betrifft“, erklärt Natalia Wolfstetter, Analystin des Fondsratinghauses Morningstar.

Wandelanleihe selbst gebaut
Das Delta gibt an, wie stark sich Kursänderungen der zugrunde liegenden Aktie in der Notierung der Wandelanleihe niederschlagen. „Generell erhöhen Fondsmanager das Delta, wenn sie steigende Aktienmärkte erwarten. Und sie reduzieren es, wenn sie von fallenden Kursen ausgehen“, erläutert Wolfstetter.

Allerdings gibt es Fonds, die ge­nerell auf ein niedrigeres Delta setzen und damit einen stärkeren Anleihecharakter aufweisen. Andere Produkte würden offensiver gemanagt, mit den damit verbundenen Chancen und Risiken, so Wolfstetter. „In einem Umfeld steigender Aktienmärkte schneiden diese Fonds am besten ab.“
Kritisch betrachten viele Fondsmanager synthetische Wandelanleihen, also Schuldverschreibungen von Banken, die echte Wandler nachbilden. „Wir nutzen aus Liquiditätsgründen keinerlei synthetische Produkte“, sagt DNCA-Mann Mériaux. „Wir möchten nicht von den Banken, die diese Produkte strukturieren, abhängig sein.“ Flossbach von Storch setzt seit 2008 ebenfalls keine synthetischen Wandel­anleihen mehr ein.

Inzwischen hält Vetter diese zwar grundsätzlich wieder für investierbar. Bei Bedarf sei es aber günstiger, sich eine Wandelanleihe selbst zu bauen. „Wir kombinieren Optionen mit Anleihen, um ein klassisches Wandelanleiheprofil zu bekommen. Auf diesem Wege lassen sich dem Portfolio vielversprechende Basiswerte beimischen.“ Auch ein Weg, um sich ein lukratives Gesamtpaket zu schnüren.

Investor-Info

Wandelanleihen
Vorsprung durch Risikopuffer

Ein Blick auf die langjährige Wertentwicklung von Wandelanleihen im Vergleich zu der von Aktien und klassischen Unternehmensanleihen zeigt deutlich die Vorteile der Wandler. Wenn es mit den Aktienkursen aufwärts geht, sind die Wandelanleihen zu einem Großteil mit dabei. Wenn die Notierungen fallen, geben die Kurse der Wandler bei Weitem nicht so stark nach wie die der Aktien. Auf lange Sicht fahren Wandelanleihe­investoren bei geringerem Risiko deshalb wesentlich besser als Anleger, die direkt Aktien kaufen.

Lilux Convert
Bewährter Allrounder

Ein Plus von rund 9,7 Prozent per annum in den vergangenen zehn Jahren kann sich sehen lassen. 2012 erzielten die Fondsmanager von Nobis Asset Management mit ihrem Lilux Convert, der sich im ausgewogenen Fonds-Musterdepot von Euro am Sonntag befindet, gar einen Zuwachs von 25,9 Prozent — so viel wie kein vergleichbares Konkurrenzprodukt. Seit der Auflage 1996 haben die Fondsmanager ihr Geschick aber auch in verlustreichen Börsenjahren unter Beweis gestellt und die Einbußen der Anleger in diesen Zeiten in Grenzen gehalten. Denn die Fondsmanager agieren trotz hoher Gewinne durchaus vorsichtig.

FvS Wandelanleihen Global
Der Defensivkünstler

Über 18 Prozent Plus konnten sich die Anleger im ebenfalls weltweit anlegenden Wandelanleihefonds des Vermögensverwalters Flossbach von Storch im vergangenen Jahr freuen. Auch dieses Portfolio zählte damit 2012 zu den besten Produkten seiner Kategorie. Fondsmanager Thorsten Vetter schichtet nach den Rückgängen bei Zinsen und Renditeaufschlägen derzeit um. So sind Wandelanleihen mit einem ausgewogenen Profil im Portfolio nun stärker gewichtet. Dadurch ist die Aktiensensitivität — das Delta — des Fonds zuletzt gestiegen. Das ändert aber nichts an der grundsätzlich eher defensiven Strategie des Produkts. 

Bildquellen: sergign / Shutterstock.com
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