05.04.2013 08:58
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Ekotechnika: Interview mit CFO Wolfang Bläsi zur Unternehmensanleihe

Die Ekotechnika GmbH, deutsche Holding des Landtechnikhändlers EkoNiva-Technika, plant die Emission einer Unternehmensanleihe im Volumen von 60 Mio. Euro und mit einem Kupon von 9,75% an der Börse Stuttgart (Bondm). Zeichnungsstart ist für den 29. April 2013 geplant. Im Interview mit dem BOND MAGAZINE erläutert Ekotechnika-CFO Wolfang Bläsi die Strategie des Unternehmens und Details zur Anleihe.


BOND MAGAZINE: Herr Bläsi, in welchen Bereichen ist Ekotechnika tätig?

Bläsi: Ekotechnika ist die deutsche Holding der EkoNiva-Technika Gruppe, dem größten Landtechnikhändler in Russland und einem der Top 3 John Deere Händler in Europa. Seit mehr als 15 Jahren sind wir im russischen Agrarmarkt tätig und bieten Landwirten Technik - vom Traktor bis zur Melkanlage - von führenden internationalen Herstellern. Neben dem Neumaschinenverkauf decken wir mit Ersatzteilverkauf und Service auch den sehr wichtigen Aftersales-Bereich ab. Mit unseren drei Vertriebsregionen Zentralrussland, Schwarzerde und Sibirien sind wir auf einer Fläche von der Größe Deutschlands, Frankreichs und Italiens zusammen vertreten.

BOND MAGAZINE: Welche Hersteller haben Sie im Sortiment?

Bläsi: Wir haben uns auf qualitativ hochwertige internationale Technik spezialisiert. Seit 2004 sind wir Vertriebspartner des Weltmarktführers für Landmaschinen John Deere und waren 2012 für rund 25% der John Deere Verkäufe in Russland verantwortlich. Über John Deere hinaus bieten wir Landtechnik von weiteren führenden Marken wie GEA, BvL, Grimme, Lemken und Väderstad an.


BOND MAGAZINE: Wie ist die Wettbewerbssituation in Russland?

Bläsi: Weltweit zählt der Landtechnikmarkt zu den Branchen mit den höchsten Wachstumsraten. Allein 2012 stieg das globale Volumen laut VDMA um rund 8% auf 86 Mrd. Euro. Dabei ist Russland für alle Hersteller einer der wesentlichen Wachstumsmärkte. Nicht nur, weil es der größte Flächenstaat der Welt ist, sondern auch, weil die Modernisierung der Landwirtschaft hier erst vor wenigen Jahren richtig begonnen hat. Daher ist beispielsweise ein echter Gebrauchtmaschinenmarkt noch nicht existent. Wenn ein Landwirt heute in neue Technik investieren will ist die erste Frage: Nimmt er die günstige, aber in den meisten anderen Kriterien unterlegene lokale Maschine oder die zunächst teurere, aber dafür effizientere, leistungsfähigere und langlebigere internationale Technik? Entscheidet er sich für letzteres sind wir als Partner des Weltmarktführers John Deere in einer sehr guten Wettbewerbssituation.

BOND MAGAZINE: Zum 1. Januar 2013 sind in Russland Zinssubventionen für neue Landmaschinen weggefallen. Welche Auswirkungen hat das auf den Verkauf von Neumaschinen?

Bläsi: Die Gesetzesänderung ist aufgrund von Protesten aus der Agrarlobby inzwischen wieder rückgängig gemacht worden. Wir hätten auch mit der Neuregelung gut leben können. So hätten Finanzierungsalternativen wie Leasing eine größere Rolle gespielt und der Gebrauchtmaschinenmarkt wäre schneller gewachsen. Gerade im Leasing haben wir mit John Deere Finance ebenfalls einen sehr attraktiven Partner.

BOND MAGAZINE: Welchen Umsatzanteil erzielen Sie mit Service und Ersatzteilen?

Bläsi: Im Geschäftsjahr 2011/2012 haben wir mit Ersatzteilen 25,5 Mio. Euro und mit Service 3,3 Mio. Euro umgesetzt. Dies entspricht zusammen rund 18% vom Konzernumsatz in Höhe von 169,6 Mio. Euro. In diesem Jahr wollen wir mit den beiden Aftersales-Bereichen bereits 40 Mio. Euro umsetzen und bis 2016 auf 76 Mio. Euro wachsen. Beide Bereiche sind margenstark und weniger volatil als das Neumaschinengeschäft.

BOND MAGAZINE: Hedgen Sie Währungen (Euro/Rubel)?

Bläsi: Nein. Dies ist auch nicht nötig. Die Preise für Landmaschinen werden - genauso wie bei Agrarrohstoffen - in Dollar oder Euro gemacht. Das ist wie ein natürlicher Hedge.

BOND MAGAZINE: Im Jahr 2011 wurde die volatile Landtechnik vom stabilen Geschäft im Bereich Landwirtschaft getrennt. Sind Sie mit der zunehmenden Risikobereitschaft von Fixed Income-Investoren auch mutiger geworden?

Bläsi: Wir haben uns 2011 für eine klare Trennung der beiden Bereiche in Ekotechnika und Ekosem-Agrar entschieden, weil die Geschäftsmodelle sich grundlegend unterscheiden. Ekosem investiert langfristig in Ackerland, Milchviehanlagen und Kühe - also Anlagevermögen, das teilweise erst nach Jahren einen Rückfluss erzielt. Entsprechend muss die Finanzierung der Landwirtschaft sehr langfristig erfolgen. Ekotechnika hat als Handels- und Serviceunternehmen wenig Anlagevermögen, dafür aber viel Working Capital und einen hohen operativen Cashflow. Die Trennung der beiden Bereiche hat also nichts mit der Risikoneigung zu tun, sondern mit den Finanzierungserfordernissen. Im Hinblick auf das Risiko sehen wir bei Ekotechnika mit dem Anstieg des Aftersales-Anteils einen deutlichen Rückgang der Volatilität. Natürlich können Landwirte mal auf die Anschaffung eines neuen Traktors verzichten. Doch der Ersatzteil- und Servicebedarf nimmt mit der installierten Basis an Neumaschinen im Verkaufsgebiet - der Maschinenpopulation - kontinuierlich zu und ist insbesondere in Zeiten, in denen wenige Maschinen verkauft werden, ein stabiles Geschäft. Darüber hinaus erweitern wir immer mehr unser Produktsortiment, zum Beispiel um Beregnungs- sowie Getreidelagertechnik, und erschließen neue Kundengruppen wie Kommunen, Forstwirte und kleinere private Landwirte.

BOND MAGAZINE: Zu welchen Konditionen finanzieren Sie sich derzeit?

Bläsi: Derzeit finanzieren wir zu rund 11,5% bis 12,0%.

BOND MAGAZINE: Wie wollen Sie die Mittel aus der Anleiheemission verwenden?

Bläsi: Die Erhöhung der Eigenkapitalquote steht bei uns in den kommenden Jahren klar im Fokus. Daher werden wir rund 90 % des Nettoemissionserlöses zur Umfinanzierung nutzen und als Working Capital einsetzen. Mit den verbleibenden Mitteln werden wir unsere vorhandenen Standorte ausbauen und auch neue errichten.

BOND MAGAZINE: Sie sprechen das Thema Eigenkapital an. Ihr Goodwill übersteigt das Eigenkapital. Wann und wie wollen Sie Ihre Bilanz in Ordnung bringen?

Bläsi: Im Jahr 2009 haben wir - wie viele andere Unternehmen weltweit
- einen nie dagewesenen Nachfrageeinbruch erlebt, aus dem die aktuelle Bilanzsituation resultiert. Daraus haben wir gelernt: Unsere Finanzierung weiterentwickelt und diversifiziert, den Aftersales-Bereich deutlich ausgebaut und unser Produktsortiment erweitert. Mit Erfolg: Operativ werden wir im laufenden Jahr wieder annährend das Niveau des Boomjahres 2007/2008 erreichen und laut Analystenprognose allein in den kommenden drei Jahren einen Free-Cashflow von insgesamt über 27 Mio. Euro generieren. Diese Entwicklung werden wir nutzen, um unsere Eigenkapitalquote - die ja bei Handelsunternehmen in der Regel unterdurchschnittlich ist - in den kommenden Jahren Schritt für Schritt zu erhöhen. Daher haben wir uns auch zu einer Ausschüttungssperre verpflichtet.

BOND MAGAZINE: Für welchen Anleger ist die Anleihe aus Ihrer Sicht geeignet?

Bläsi: Aus unserer Sicht, bieten wir mit einem Kupon von 9,75 % ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis für institutionelle Investoren und erfahrene Privatanleger, die an den Megatrend Agrar glauben und ihr Portfolio auch regional diversifizieren wollen. Als führender Landtechnikhändler mit dem Weltmarktführer John Deere im Rücken verfügen wir im größten Flächenstaat der Welt über eine exzellente Marktposition.

Das Interview führte Christian Schiffmacher.
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Soeben erschienen: BOND YEARBOOK 2012/13 -
Das Nachschlagewerk für Anleiheinvestoren und -Emittenten
Renommierte Autoren und Interviewpartner nehmen Stellung zu den Themenfeldern High Yield-Anleihen, Mittelstandsanleihen, Covered Bonds, Investmentstrategien sowie Tax & Legal. Das jährliche Nachschlagewerk erscheint bereits im 4. Jahrgang und hat einen Umfang von 108 Seiten. Die Ausgabe kann zum Preis von 29 Euro beim Verlag bezogen werden:
http://www.fixed-income.org/fileadmin/2012-11/Flyer_Bestellformular_BondBook_12_13.pdf
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Quelle: fixed-income.org - Die Plattform für Investoren und Emittenten am Anleihenmarkt.
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