aktualisiert: 20.09.2012 12:52
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KTG Energie AG emittiert Unternehmensanleihe

Dr. Thomas Berger, CEO KTG Energie AG
Interview
Der Börsengang der KTG Energie ging im Juni 2012 erfolgreich über die Bühne. Nun möchte das Unternehmen eine Anleihe bei Anlegern platzieren. Finanzen.net führte ein Interview mit Dr. Thomas Berger, dem CEO des Unternehmens.
Finanzen.net: In der Solarbranche herrscht unter deutschen Firmen derzeit keine sonderlich gute Laune. Wie sieht es in der Biogasbranche aus?
Dr. Thomas Berger:
Hier sieht es deutlich besser aus. Die Biogasbrache ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Ende 2011 waren laut Fachverband Biogas e. V. deutschlandweit 7.521 Anlagen am Netz. Das enorme Wachstum wird sich in den kommenden Jahren leicht abschwächen, was daran liegt, dass ein Trend hin zur energieeffizienten und kostengünstigen Großanlagen eingesetzt hat. Wir haben keine Überhitzung erlebt, wie andere Märkte.
Insgesamt ist die Biogasbranche mit der Solarbranche nur schwer vergleichbar. Die Solarbranche hat die größte Wertschöpfung in der Modulherstellung gehabt. Das hat sich gewandelt. Die deutschen Solarmodulhersteller leiden unter dem Wettbewerbsdruck durch den Markteintritt zahlreicher asiatischer Anbieter. Biogas hat die größte Wertschöpfung im Anlagenbetrieb und nicht im Anlagenbau. Im Anlagenbetrieb folgt die Biogasbranche der deutschen Agrarwirtschaft und ist wie diese globaler Technologieführer. Aufgrund unserer Stärke im Anlagenbetrieb blicken wir positiv in die Zukunft: 2007 haben unsere ersten Anlagen 6,5 Megawatt (MW) Leistung gebracht – 2012 haben wir bereits mehr als 30 MW am Netz.

Die Vorteile von Biogas gegenüber fossilen Energieträgern dürften den meisten Anlegern bekannt sein, aber welche Vorteile weist Biogas gegenüber seinen Konkurrenten aus dem Bereich Solar- oder Windenergie auf?
Gegenüber der Solar- und der Windenergie hat Biogas einen ganz entscheidenden Vorteil: Dieser liegt im Unterschied der Primärproduktion. Wir produzieren als Primärprodukt Biogas. Solar und Wind erzeugen Strom. Biogas aber produziert unabhängig von Wetter und Tageszeit rund um die Uhr Energie und ist damit grundlastfähig. Hinzu kommt, dass Biogas durch seine Speicherbarkeit den Energiebedarf auch in Spitzenzeiten kurzfristig und variabel decken kann. Daneben besticht Biogas durch seine Vielseitigkeit. Es kann durch Verbrennung in Generatoren zur Stromerzeugung genutzt werden. Dabei wird Wärme frei, die von der KTG Energie AG beispielsweise zur Beheizung von Kindergärten und privaten Wohnungen verwendet wird. Gereinigt kann Biogas direkt ins Gasnetz eingespeist werden. Damit ist Biogas heute schon transportfähig und speicherbar, ohne dass es einer zusätzlichen Technologie bedarf. Diese Versorgung gelingt dank eines bereits vorhandenen Gasnetzes jederzeit deutschlandweit, ohne dass es eines Netzausbaus bedarf. Mit unseren Anlagen decken wir mittlerweile den Energiebedarf von mehr als einer viertel Million Menschen – und schonen die Umwelt.

Aufgrund deutlich gestiegener Preise für Agrarrohstoffe, werfen Bioenergie-Kritiker der Branche vor, den Hunger in der Welt zu verschlimmern. Mit welchen Argumenten können Sie diese Kritik entkräften und wie würden sich weiter steigende Preise auf Ihr Geschäft auswirken?
Im integrierten KTG Geschäftsmodell setzen wir durch den Zweitfruchtanbau auf die KTG-Energie-Lösung: nicht Tank statt Teller, sondern Tank und Teller. So kann auf der einen Seite Biogas als Strom, Wärme, Erdgasersatz genutzt werden. Auf der anderen Seite bieten sich als Einsatzstoffe vielfältigste nachwachsende Rohstoffe an. Es werden Zweitfrüchte wie beispielsweise Hirse und Sudangras eingesetzt. Diese können nicht zur Nahrungsmittelerzeugung verwendet werden. Damit eröffnen sich auch der Landwirtschaft neue Ertragspotenziale. Die Landwirte bauen zunächst Getreide für die Nahrungsmittelproduktion an, nach der Ernte im Sommer werden die Zweitfrüchte ausgesät und im Spätherbst für die Energieproduktion geerntet. Das Ergebnis: Gesunde Nahrung und saubere Energie – von einem Acker im gleichen Jahr.
Durch die Zugehörigkeit zu einem der führenden Agrarunternehmen Europas ist die KTG Energie AG unabhängig von externen Rohstofflieferanten. Die Belieferung mit Rohstoffen für die Herstellung von Biogas ist durch den Anbau auf den Ackerflächen der KTG Agrar AG gesichert. Die KTG Agrar AG bewirtschaftet mehr als 35.000 Hektar, rund 8.000 Hektar befinden sich im Unternehmenseigentum. Ackerland ist ein knappes Gut, das Schutz vor Inflation und langfristige Wertsteigerung bedeutet. Die Versorgungssicherheit für die KTG Energie AG und ihre Energiekunden ist dauerhaft gesichert.

Ihr Unternehmen existiert bereits seit über sechs Jahren. Wie entwickelten sich in diesem Zeitraum die Umsätze und damit einhergehenden Ergebnisse?
Die KTG Energie AG ist ein im Wachstum befindliches Unternehmen. Seit der Gründung 2006 haben wir mehr als 100 Millionen Euro in Biogasanlagen investiert und sowohl die Umsätze als auch die damit einhergehenden Ergebnisse gesteigert. Das Geschäftsjahr 2011 haben wir mit einem Umsatz von 21,5 Millionen Euro und einem EBIT von 3,9 Millionen Euro sowie einem Jahresüberschuss von 0,8 Millionen Euro abgeschlossen.

Für Investoren sind historische Daten zwar interessant, dennoch richtet sich deren Blick eher in die Zukunft. Welche Umsätze und Ergebnisse stellen Sie für das laufende Geschäftsjahr in Aussicht und welchen mittelfristigen Ausblick können Sie geben?
Für das laufende Geschäftsjahr planen wir eine deutliche Steigerung des Umsatzes und des EBIT. Wir erwarten bis 2015 eine Leistung der betriebenen Biogasanlagen von mehr als 50 MW.
Damit bewegen wir uns innerhalb der von den Analysten prognostizierten Unternehmenszahlen.

Im Juni hat Ihre Gesellschaft eine Million Aktien aus einer Kapitalerhöhung unters Anlegervolk gebracht und damit 13,8 Millionen Euro eingenommen. Warum zapfen Sie nun den Kapitalmarkt erneut an?
Wir sehen derzeit großes alternatives Wachstumspotenzial für die KTG Energie AG, welches wir nutzen möchten. Das organische Wachstum werden wir, wie geplant, mit den Mitteln aus dem IPO finanzieren. Um horizontale Wachstumsmöglichkeiten auszuschöpfen, benötigen wir zusätzliches Kapital, vor allem für Akquisitionen. Diese Möglichkeiten können sich kurzfristig ergeben. Dann müssen wir handlungsfähig sein, sonst macht das Geschäft ein anderer.

Anleger können seit dem 19. September Ihre Unternehmensanleihe zeichnen. Mit welchen Konditionen ist sie ausgestattet und wofür soll der geplante Emissionserlös verwendet werden?
Der KTG Energie Bond ist mit einer attraktiven Verzinsung von 7,25 Prozent ausgestattet. Der Mindestanlagebetrag sowie die Stückelung betragen 1.000 Euro. Die Laufzeit beträgt sechs Jahre. Wir beabsichtigen, den Emissionserlös zur Finanzierung von Akquisitionen zu verwenden.

Weist die Anleihe möglicherweise besondere Ausstattungsmerkmale aus, die sie von anderen Papieren dieses Marktsegments unterscheidet. Können Sie diese den Anlegern näher erläutern?
Anleger investieren mit dem KTG Energie Bond in den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen zur Energiegewinnung. Biogas ist die Antwort auf die Forderung nach einer CO2-neutralen Energieproduktion. Durch den Zweitfruchtanbau haben wir bei KTG zudem die Lösung für das ethische Thema „Nahrung und Energie“. Mit dem KTG Energie Bond investieren Anleger in eine ökologisch und ökonomisch nachhaltige Kapitalanlage.
Darüber hinaus attestiert die Creditreform Rating AG der KTG Energie AG mit BBB- einer Bonität im Bereich„Investment Grade“. Diese entspricht im Vergleich zur Gesamtwirtschaft einer überdurchschnittlichen Beurteilung.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Dr. Berger.

Zur Person:

Dr. Thomas Berger (CEO) wurde 1974 in München geboren. Er studierte von 1996 bis 2000 in München und Genf Rechtswissenschaften und promovierte 2007 an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Nach Tätigkeiten bei einer Investmentbank, im Deutschen Bundestag und internationalen Anwaltskanzleien ist er seit 2008 im Vorstand der KTG Agrar für die Energiesparte verantwortlich.

Bildquellen: KTG Energie
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