18.12.2012 12:30

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WGF: Undurchsichtige Insolvenz



WGF: Undurchsichtige Insolvenz
Immer wieder verschob die Immobilienfirma WGF die Veröffentlichung des Jahresberichts, schaltete ihre Internetseite zeitweise ab und beantwortete keine Anrufe. Jetzt stehen die ­Düsseldorfer vor dem Aus.

von Julia Groß, Euro am Sonntag

Das war’s dann wohl: Nachdem die Westfälische Grundbesitz und Finanzverwaltung, kurz WGF, ihre Anleger tagelang mit der längst überfälligen Veröffentlichung des Jahresabschlusses von 2011 hingehalten hatte, ließ sie am vergangenen Dienstagabend die Katze aus dem Sack: Das Immobilienunternehmen ist insolvent und hat beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Abwicklung des Insolvenzverfahrens in Eigenregie gestellt. Die Rückzahlung der am ­14. Dezember fälligen Anleihe mit einem Volumen von 43 Millionen Euro wird bis auf Weiteres ausgesetzt.

Eine denkbar schlechte Situation für Anleger. Die Börsen in Düsseldorf und Berlin hatten die WGF-Anleihen bereits vor einigen Tagen aus dem Handel genommen, an anderen Börsenplätzen sind ihre Kurse abgestürzt. Insgesamt hat die WGF mit sechs Immobilienanleihen und zwei Genussscheinen nominal 600 Millionen Euro eingesammelt.

Anleiheinhaber stehen in der insolvenzrechtlichen Rangfolge der Gläubiger weit hinten. Wer die Chancen auf eine Ausschüttung erhöhen will, sollte sich über einen Anwalt oder eine der Anlegerschutzvereinigungen mit anderen Betroffenen ­zusammenschließen. Als Gruppe können Anleger einen „gemeinsamen Vertreter“ bestellen, der ihre Interessen im Insolvenzverfahren vertritt. „Ich rechne noch vor Weihnachten mit einer Eröffnung des vorläufigen Insolvenzverfahrens“, sagt der auf Anlegerschutz spezialisierte Rechtsanwalt Klaus Nieding.

Für 2011 hat WGF 71,3 Millionen Euro Verlust ausgewiesen. Die Erwähnung von „strategischen Desinvestments und Abschreibungen auf das Anlagevermögen“ in der WGF-Mitteilung lassen nicht unbedingt Gutes hinsichtlich der Besicherung der Anleihen erwarten. Und seit Langem wird der Firma WGF von verschiedenen ­Seiten eine Unterdeckung ebenso wie intransparentes Geschäftsgebaren vorgeworfen.

Bildquellen: iStock

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Kommentare zu diesem Artikel

khaproperty schrieb:
18.12.2012 16:11:36

Das Verweigern rsp. Hinauszögern von Abschreibung von Anlage- oder Beteiligungsvermögen ist üblich. Sollte denn mal ein Prüfer drauf bestehenm wirds halt eng. Fast alle AG auch im DAX haben da so ihre Schwachstellen. Viele sind auch deswegen überbewertet.

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