04.12.2012 09:04
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Noch einmal: Finger weg von Mittelstandsanleihen

„Mittelstand“ suggeriert Solidität, „Anleihe“ auch. „Mittelstandsanleihen“ sind daher derzeit so begehrt, wie es um das Jahr 2000 die Aktien junger Technologieunternehmen waren.
(Dumme) Privatanleger kaufen alles, was auf den Markt kommt.

So war zum Beispiel die Anleihe der kleinen saarländischen Brauerei Karlsberg sofort überzeichnet. Viele ahnungslose Privatanleger hatten die kleine Karlsberg mit dem großen internationalen dänischen Brauereikonzern Carlsberg verwechselt.

Mittelstandsanleihen werden oft von Unternehmen mit einer Traditionsmarke begeben, die durch eine Restrukturierung gegangen sind oder sich in größeren wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden. So kann man billig für fünf oder sechs Prozent Geld einsammeln und die Bankschulden ablösen, Managementgehälter bezahlen oder sonst etwas tun.

Ein Beispiel ist der Spirituosenhersteller Berentzen, der mit 50 Millionen Euro immerhin so viel einsammelte, wie das gesamte Eigenkapital in seiner Bilanz beträgt. Auch in der Gewinn- und Verlustrechnung findet sich nur eine schwarze Null. Ein weiteres Beispiel ist Katjes International, die eine Anleihe begeben haben und weniger als 3 Prozent Eigenkapitalquote aufweisen.

Bei sechs Prozent Rendite bei vielen dieser Anleihen zum Emissionszeitpunkt bekommen Sie die „normale“ Rendite einer Anleihe in normalen Zeiten und das Risiko eines Junk Bonds. Denn Mittelstandsanleihen sind meistens Schrott- oder Ramschanleihen – und zwar besonders schlechte. Dann lieber italienische Staatsanleihen. Da liegt das Zinsniveau ähnlich, und das Risiko ist viel, viel geringer. Oder griechische. Da ist das Risiko ähnlich, dafür aber die Rendite doppelt so hoch.

Die Ratings der Anleihen durch größtenteils deutsche Agenturen, wie zum Beispiel Creditreform ist, sagen wir mal, sehr optimistisch. Bisher 16 Mal wurden die Ratings nach unten angepasst, oft dramatisch. Acht Ratings wurden zurückgezogen oder liefen aus. Auch drei Pleiten gab es, davon zwei noch bevor die Anleger ihre ersten Zinsen sahen.

„Jeden Tag steht irgendwo ein Dummer auf“, sagte mal ein Freund zu mir. Am Kapitalmarkt stehen an jedem Tag die Dummen scharenweise auf. Gehören Sie nicht dazu!

Ja, es ist verdammt ärgerlich, mit den Kursschwankungen am Aktienmarkt und dem Aktienblues leben zu müssen. Ja, es ist verdammt ärgerlich, dass die auch von uns empfohlene E.ON (WKN: ENAG99) ihre Ziele nicht erfüllt hat, noch einmal abgestürzt ist und nun wieder am Tiefpunkt notiert. Aber der Bestand der E.ON-Aktie ist zweifelsohne sicher. Mit einem KGV von acht und einer Dividendenrendite von sieben Prozent sowie langfristigen Wachstumschancen und Inflationsschutz ist sie jetzt sicher eine gute Geldanlage.

Wer bei 30 gekauft hat, muss vielleicht einige Jahre warten, bis er sein Geld wieder sieht. Aber er wird es wieder sehen! Nicht so bei den meisten Mittelstandsanleihen.

Oder Energias de Portugal. Die Aktie notiert bei ca. 2 Euro. Im November 2011 hat noch der chinesische Energieversorger Three Gorges 21 Prozent der Anteile für 3,45 Euro je Stück gekauft. KGV sieben, Dividendenrendite annähernd zehn Prozent.

Im Einkauf liegt der Gewinn. Bei Mittelstandsanleihen werden Sie meistens über den Tisch gezogen, weil die Rendite in keinem Verhältnis zum Risiko steht. Also doch lieber Aktien, bitte.

Prof. Dr. Max Otte ist Herausgeber des PRIVATINVESTOR (www.privatinvestor.de) und Geschäftsführender Gesellschafter der IFVE Institut für Vermögensentwicklung GmbH. Ziel des Instituts ist die Aktienanalyse und die Entwicklung von Aktienstrategien für Privatanleger.Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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