25.01.2013 11:55
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Wer braucht heute noch ein Rating bei Staatsanleihen?

Vermögensverwalter-Kolumne
Positive Realrendite mit Staatspapieren noch selektiv möglich.
Guido vom Schemm, Geschäftsführer der MERITO Asset Management GmbH

Lange Zeit genossen die Auguren der drei Ratingagenturen Standard & Poors, Moody ́s und Fitch bei der Bewertung von Staatsanleihen ein hohes Maß an Vertrauen. Zahlreiche Anleger setzten die vergebenen Ratings mit einem fundamentalen Ausblick gleich. Vor allem bei Staatsanleihen folgten Investoren in der Vergangenheit der Bewertung der Ratinganalysten. Die Zeiten scheinen sich aber geändert zu haben. Bei professionellen Anlegern verlieren Ratings tendenziell an Bedeutung. Es hat den Anschein, dass sich Investoren emanzipieren und ihre Investitionsentscheidungen stärker anhand eigenen Risikomodellen und -betrachtungen treffen. Auch aus Renditeüberlegungen.

Im Rahmen der Schuldenkrise hagelte es zahlreiche Herabstufungen für europäische Staaten und auch die USA verloren ihr Top-Rating. Besonders Griechenland und Irland bekamen die volle Wucht der Ratingagenturen ab, die Renditen für deren Staatsanleihen schossen anschließend in die Höhe. In einer zweiten Welle verspürten Italien und Spanien kräftigen Gegenwind bei der Platzierung ihrer Staatspapiere an den Kapitalmärkten. Zu Beginn der Schuldenkrise folgte der Markt den Ratingbewegungen der Agenturen, da diese augenscheinlich neue Fakten aufdeckten. Aber warum sind die USA nach der Herabstufung kaum unter Druck gekommen? Es hat ein Wandel bei den Investoren eingesetzt. Die Ratings sind nicht mehr das non-plus ultra für die Marktteilnehmer. Die Ratingagenturen haben lediglich die problematische US-Verschuldung ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, allerdings war dies den Investoren bereits hinlänglich bekannt. Ein ähnliches Phänomen hat sich bei der jüngsten Herabstufung Frankreichs gezeigt. Die Marktteilnehmer ignorierten die Ratingaussagen weitestgehend.

Kurzum, die Ratings werden eher als vergangenheitsorientiert wahrgenommen und büßen ihren Nimbus als zukünftige Orientierungsmarke ein.

Die Investoren können in der aktuellen Niedrigzinsphase mit Staatsanleihen höchster Bonität nach Steuern keinen realen Kapitalerhalt erzielen. Um dies gewährleisten zu können, suchen zahlreiche Investoren anhand eigener Risikomodelle nach Staatsanleihen aus der zweiten Reihe. Im Gegensatz dazu scheint das Eingehen von Durationsrisiken nicht en vogue.

In der Eurozone ergeben sich aufgrund des gespannten Rettungsschirm und des „Draghi Puts“ einige attraktive Opportunitäten bei Staatspapieren. So rentieren zehnjährige Papiere Spaniens deutlich über fünf Prozent, dicht dahinter folgen Italien und Irland mit über vier Prozent pro Jahr.

Der Trend bei Wachstumsländern ist ratingtechnisch eher positiv zu bewerten, da viele Staaten ein deutlich höheres Wirtschaftswachstum aufweisen und so ihre Schuldenquote im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt auf einem niedrigen Niveau halten können. Zusätzlich können lokale Effekte, wie in Venezuela, Staatsanleihen positiven Auftrieb geben. Aufgrund des Öl-Embargos im Iran steigt Venezuela zu einem der größten Ölexporteure auf und füllt die Staatskassen mit Petrodollars. Dabei gilt es immer die politischen Risiken in solchen Ländern zu beobachten.

Für den Anleiheinvestor lässt sich auch mit Staatsanleihen eine positive Realrendite erwirtschaften. Aber dafür benötigt man kein Rating, sondern eher einen gesunden Blick über den Tellerrand und einen strikten Risikomanagementprozess.

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Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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