10.02.2013 16:28
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Rehn fürchtet Abwertungswettlauf

Zerfall der Eurozone gebannt
EU-Währungskommissar Olli Rehn hat vor einem globalen Abwertungswettlauf wichtiger Währungen gewarnt.
Auf die Gefahr eines solchen "Währungskrieges" zulasten der Eurozone angesprochen, sagte Rehn dem österreichischen Magazin "Profil": "Ich erkenne die Gefahr einer kompetitiven Abwertung. Wir haben erst kürzlich die Regierung Japans vor entsprechenden Schritten Richtung Abwertung des Yen gewarnt." Zugleich forderte er Reformen im Weltwährungssystem, "damit es nicht zu negativen Einflüssen auf den Welthandel kommt".

   Abwertungen wichtiger Währungen an den Devisenmärkten zum Euro bedeuten im Gegenzug automatisch, dass die europäische Gemeinschaftswährung teurer wird. Dies macht zwar Importe in den fremden Währungen billiger, erschwert aber den Exporteuren in der Eurozone das Geschäft auf den Weltmärkten.

    "Eine Anhebung des Euro-Wechselkurses wäre vor allem für die südlichen Euroländer sehr schädlich", sagte Rehn. "Deutschland, Österreich, Niederlande, Finnland könnten das noch verkraften. Aber die südlichen Länder würden Probleme bei ihren Exporten in andere Teile der Welt bekommen."

    Auch in der deutschen Exportindustrie wächst die Sorge vor den Folgen der Währungspolitik Japans. "Wir sehen durchaus die Gefahr, dass japanische Unternehmen wegen der veränderten Wechselkurse deutschen Exporteuren zunehmend Marktanteile streitig machen können", sagte der Präsident des Außenhandelsverbands BGA, Anton Börner, der Wirtschaftszeitung "Euro am Sonntag". Der deutsche Handel missbillige, dass die japanische Regierung die Unabhängigkeit der Notenbank quasi aushebele und die Märkte mit Yen flute. Auch China wird seit Jahren vor allem von den USA vorgeworfen, den Wert seiner Währung künstlich niedrig zu halten, um den eigenen Export zu begünstigen.

   Derweil hat die Eurozone nach Einschätzung des finnischen EU-Kommissars in der Schuldenkrise das Schlimmste hinter sich. "Die Krise wirft einen langen Schatten, vor allem was die sozialen Folgen betrifft", sagte Rehn. "Aber das Horrorszenario, also der Zerfall der Eurozone, ist gebannt." Allerdings mahnte er, dass die Eurostaaten weiter an der Sanierung ihrer Haushalte arbeiten und strukturelle Reformen vorantreiben müssten.

    Skeptischer äußerte sich der Chef der "Wirtschaftsweisen", Wolfgang Franz, in der "Welt am Sonntag": Die Situation sei weiter fragil. "Wir haben sicher ein gutes Stück des Weges hinter uns, aber das letzte Stück ist immer das schwerste." Unsicherheitsfaktor sei vor allem, ob in Krisenländern die Reformprogramme durchgehalten würden. Ähnlich äußerte sich Franz' designierter Nachfolger an der Spitze des Mannheimer ZEW-Instituts, Clemens Fuest: Durch die Beruhigung an den Finanzmärkten bestehe die Gefahr, dass sich die Politik zurücklehne, sagte er im Südwestrundfunk: "Der Druck zu reformieren, ist weg." Je stärker aber der Reformwille abnehme, desto größer werde die Gefahr, dass die Krise irgendwann mit Macht zurückkomme.

   Rehn wies darauf hin, dass die Finanzmärkte in der vergangenen Woche sehr nervös unter anderem auf die nahenden italienischen Parlamentswahlen reagiert hatten. "Das sollte uns daran erinnern, dass wir den Kampf gegen die Krise noch nicht gewonnen haben." Mit Blick auf Italien mahnte der EU-Kommissar: "Welche Farbe die neue Regierung in Italien auch haben wird, es ist wichtig, dass sie den Reformkurs beibehält. Sie darf sich nicht zurücklehnen."

    Auch der Präsident der italienischen Zentralbank, Ignazio Visco, mahnte am Samstag bei einem Kongress in Bergamo nach Angaben der Nachrichtenagentur Ansa: "Italien darf nicht nachlassen, die Überwindung der Krise erfordert weitere Anstrengungen."

    BERLIN/ROM (dpa-AFX)

Bildquellen: SNEHIT / Shutterstock.com
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