08.04.2013 00:00
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Aktive und passive Strategien kombinieren

ETFs
Exchange Traded Funds (ETF) wurden in der Vergangenheit oft als Konkurrenz für aktiv gemanagte Fonds betrachtet. Der Realität und der Entwicklung im Asset-Management-Bereich entspricht das aber längst nicht mehr.
Von Michael Grüner, Vertriebsleiter für Deutschland, Österreich und Osteuropa bei iShares

Immer mehr Investoren kombinieren passive und aktive Elemente, um die Steuerung und die Asset Allocation ihres Gesamtportfolios zu optimieren.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Seit vielen Jahren steigt der Anteil passiver Produkte am verwalteten Vermögen. Im Jahr 2004 kamen aktiv gemanagte Anlagen noch auf einen Anteil von rund 96 % am europäischen Markt. Heute, über acht Jahre später, machen aktive Produkte lediglich rund 88 % aus. Der Anteil passiver Produkte dagegen liegt hingegen bei mehr als 11 %. Und diese Entwicklung dürfte sich auch in den kommenden Jahren fortsetzen.

Denn es spricht vieles dafür, verstärkt auf ETF zurückzugreifen. Angesichts der derzeit niedrigen Marktrenditen rücken die Kosten eines Produkts zunehmend in den Vordergrund - hier sind die vergleichsweise kostengünstigen ETF gut positioniert. Zudem lassen sich die Produkte rasch handeln. Anders als aktiv gemanagte Investmentfonds sind sie börsennotiert und können während der Handelszeiten jederzeit schnell ge- und verkauft werden. Aber auch regulatorische Änderungen in verschiedenen Ländern Europas könnten ETF in der Anlegergunst noch weiter steigen lassen. Dafür spricht ebenfalls eine inzwischen breite Produktpalette an Indexfonds, die verschiedenste Anlegerbedürfnisse erfüllt. All dies trägt dazu bei, dass ETF im Asset Management zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Doch stehen aktive und passive Produkte damit grundsätzlich in Konkurrenz zueinander? Die Beantwortung dieser Frage hängt von der Effizienz der einzelnen Märkte ab. Anders ausgedrückt: Dort, wo es möglich ist, durch aktives Management ein Alpha, also einen Mehrertrag gegenüber der Entwicklung des Marktes, zu generieren, macht aktives Management Sinn. Je effizienter ein Markt jedoch ist, desto schwieriger ist es für aktive Manager, bestehende Ineffizienzen auszunutzen und damit Mehrwert zu generieren. In hoch entwickelten Märkten, in denen das Stockpicking schwierig ist, kann es deshalb effizienter sein, einen Index mit einem ETF abzubilden. In einem breit diversifizierten Portfolio dürften daher sowohl aktive Investments als auch passive Produkte zum Einsatz kommen. Darüber hinaus betrachten Investoren ETF ebenfalls als eine Alternative zum Handel mit Einzelaktien.

Um auf die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Märkte bestmöglich reagieren zu können, setzen Investoren auf eine Kombination aktiver und passiver Ansätze. Dies belegt auch eine jüngst durchgeführte Studie von iShares unter 35 großen europäischen Finanzdienstleistern, darunter Portfoliomanager, unabhängige Berater, Fondsanalysten und Rating-Gesellschaften, die insgesamt 2,4 Bill. Euro verwalten. Insbesondere das aktuelle Marktumfeld, sich ändernde Kundenbedürfnisse sowie das steigende Kostenbewusstsein haben in den vergangenen Jahren die Veränderungen in der Branche vorangetrieben. Die Mehrzahl der Befragten erwartet, dass diese Faktoren weiter bestehen und die Entwicklung, aktiv gemanagte mit passiven Produkten zu kombinieren, beschleunigen werden. Wie Asset Manager Indexprodukte dabei in ihrem Investmentprozess nutzen, hängt stark vom jeweiligen Investmentstil und der jeweiligen Philosophie des Investors ab. So haben ETF zum Beispiel im Cashflow-Management vieler Asset Manager Einzug gehalten. Sie nutzen die gute und rasche Handelbarkeit indexbasierter Produkte, um einen liquiden Puffer im Portfolio zu haben, mit dem sie Mittelzu- und -abflüsse in einem ansonsten langfristig orientierten aktiv gemanagten Portfolio auffangen können.

Bei anderen Investoren dagegen können Indexfonds in der taktischen Allokation eine wichtige Rolle spielen. So ändern sich immer wieder die historischen Korrelationen zwischen den einzelnen Anlageklassen. Dadurch können sich kurzfristige Chancen an bestimmten Märkten oder in einzelnen Branchen ergeben, die Asset Manager im Rahmen ihrer taktischen Allokation nutzen, um Zusatzerträge zu generieren. Für solche taktischen Investments sind ETF auf Grund ihrer guten Handelbarkeit, ihrer niedrigen Kosten und ihrer breiten Diversifikation gut geeignet.

Doch der Einsatz von ETF eignet sich nicht nur für die taktische Allokation oder als Liquiditätspuffer, sondern auch für die Umsetzung von Strategien, die das gesamte Portfolio betreffen. Ein Beispiel dafür ist die sogenannte Core-Satellite-Strategie. Dabei geht es darum, in einem Portfolio breit diversifizierte Kerninvestitionen - den sogenannten Core - aufzustellen, die eine Grundrendite bietet. Dies geschieht häufig über Investments in hoch entwickelten und sehr effizienten Märkten, für deren Abbildung sich ETFs deshalb gut eignen. Dagegen gibt es Investments in einzelne, oftmals weniger effiziente Märkte, die zwar ein höheres Risiko mit sich bringen, aber eben auch höhere Renditechancen. Genau dort kann ein guter aktiver Fondsmanager einen Mehrwert erzielen. Diese Investments sind die Satellites, die quasi um den Kern des Portfolios kreisen. Durch den Einsatz von ETF im Rahmen einer solchen Strategie lässt sich die Asset Allocation in einem Gesamtportfolio effizient verbessern. Durch ausgewählte aktive Strategien können gleichzeitig Zusatzerträge in bestimmten Märkten oder Branchen erzielt werden.

Die Studie von iShares offenbart auch, dass die Kombination aktiv gemanagter und passiver Investments sukzessive verläuft. Nur selten basiert dies auf strategischen Entscheidungen der jeweiligen Asset Manager. Neben operativen Hürden, wie Unterschiede beim Handel von ETF im Vergleich zu Investmentfonds oder interne Genehmigungsverfahren für den Handel von ETF, stellen auch der Einsatz hauseigener aktiver Fonds sowie fehlende Produktkenntnisse Hindernisse bei der Kombination beider Anlagestile dar. Last, but not least ist auch die emotionale Bindung eines aktiven Managers auf sein Produkt als Bremsfaktor bei der Implementierung passiver Strategien nicht zu unterschätzen.

Die jüngsten Entwicklungen zeigen: Investoren können von der Kombination aktiver und passiver Investments profitieren. Werden beide Produktarten gezielt eingesetzt, können Chancen sowohl in effizienten als auch in weniger effizienten Märkten bestmöglich genutzt werden. ETF profitieren dabei von dem weiter anhaltenden Kostendruck. Darüber hinaus werden aktive Strategien, die in der Lage sind, Zusatzrenditen zu erzielen, weiterhin von den Investoren gesucht und honoriert werden.

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