18.07.2013 17:00
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Gefragte Sicherheit: Mit ETFs besser taktieren

Das Interesse an Staatsanleihen schuldengeplagter Länder aus Süd­europa hält an.
Trends
Immer mehr Geld steckt in Indexfonds. En vogue sind Strategie-Indizes und Staatsanleihen aus europäischen Krisenländern.
€uro am Sonntag

von Christoph Platt, Euro am Sonntag

Wachstum, Wachstum, Wachstum — die ETF-Branche ist äußerst erfolgsverwöhnt. Nahezu ohne Unterlass steigen Jahr für Jahr die Zahl der angebotenen Produkte und das verwaltete Vermögen. Für das erste Halbjahr 2013 weist der US-Vermögensverwalter BlackRock für die gesamte Branche erstmals ein Vermögen von weltweit mehr als zwei Billionen US-Dollar aus. Die Zahl der börsengehandelten Produkte, unter denen ETFs den Löwenanteil ausmachen, nähert sich der 5000er-Marke.

Während aber das verwaltete Vermögen relativ kontinuierlich zunimmt, verlangsamt sich das Wachstum der Zahl der Produkte. Nach dem aktuellen Marktüberblick des Analysehauses Lipper, der bis Ende März 2013 reicht, wurden im ersten Quartal dieses Jahres in Europa nur rund 20 neue ETFs aufgelegt. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch mehr als 70 ETFs gewesen, im ersten Quartal 2011 etwa 90 und im ersten Quartal 2010 sogar beinahe 120.

Diese Verlangsamung des Wachstums ist ein natürlicher Prozess: Die großen Anbieter, die den Markt dominieren, haben bereits so gut wie alles im Programm, was Anleger nachfragen. „Auf der ETF-Landkarte gibt es nur noch wenige weiße Flecken“, sagt Detlef Glow, Europa-Chef bei Lipper.

Wettbewerb um Anlegergunst
Hinter den Kulissen tobt allerdings ein harter Wettbewerb um das (frische) Geld der Investoren. Unangefochtene Nummer 1 bei börsengehandelten Produkten weltweit und in Europa ist iShares. Die Tochtergesellschaft von BlackRock verwaltet in Europa 113 Milliarden Euro. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen die Deutsche-Bank-Tochter db X-trackers mit rund 38 Milliarden Euro und der französische Anbieter Lyxor mit 29 Milliarden Euro. Er stand vor zwei Jahren noch vor db X-trackers.

Die Gesellschaft iShares konnte ihre Marktstellung zuletzt noch einmal verbessern, indem sie die ETF-Sparte der Credit Suisse aufkaufte. Seit 1. Juli firmieren 58 ETFs nun unter ihrem neuen Namen „iShares“.

Vor einer Woche gab db X-trackers bekannt, dass die Produktpalette überarbeitet werde. Knapp 40 ETFs und ETCs (exchange traded commodities — börsengehandelte Rohstoffprodukte) werden geschlossen, weil das Interesse der Investoren über einen längeren Zeitraum nicht groß genug gewesen ist. Gleichzeitig kündigte das Unternehmen an, sein Angebot in Segmenten ausbauen zu wollen, bei denen ein hohes Anlegerinteresse zu erwarten sei. Dazu zählen laut db X-trackers währungsgesicherte Aktienindizes, inflationsgeschützte Anleihen weltweit, Staatsanleihen weltweit und Staatsanleihen europäischer Länder wie Spanien oder Italien.

„ETFs auf Staatsanleihen europäischer Peripherieländer waren bereits 2012 ein großer Trend“, sagt Lipper-Analyst Glow. Er erwartet, dass sich diese Entwicklung fortsetzen wird. Generell sieht Glow noch einiges Potenzial bei Anleihen-ETFs, vor allem im Short-Segment. „Auch wenn es noch etwas dauern dürfte bis zur Zinswende: Wenn sie kommt, werden die Kursverluste ganz schnell die derzeit niedrigen Kupons aufzehren.“ In diesem Umfeld rechnet Glow mit einer hohen Nachfrage nach ETFs, deren Werte bei fallenden Anleihekursen steigen.

Trend zu Strategie-ETFs
Ein weiterer Trend, der bereits seit einiger Zeit zu erkennen ist, ist die Emission von ETFs auf Strategie-Indizes. Glow sieht darin gar den Haupttreiber für künftiges Wachstum der Branche. Die Strategie-Indizes folgen Regeln, die beispielsweise dabei helfen sollen, Schwankungen zu begrenzen oder die Rendite zu erhöhen. Oft geht das Erste mit dem Zweiten einher.

Am weitesten verbreitet sind Produkte, die Rückschläge auf den Aktienmärkten abmildern sollen. Das geschieht, indem die Aktien im Strategie-Index anders gewichtet werden als im Originalindex. Statt die Unternehmen nach ihrem Börsenwert (Marktkapitalisierung) zu gewichten, werden zum Beispiel Aktien bevorzugt, die in der Vergangenheit besonders wenig schwankten. Das führt zu einer niedrigeren Volatilität des Strategie-Index im Vergleich zum Originalindex. Hier streiten diverse Konzepte um die Gunst der Anleger (s. Investor-Info).

In den 27 europäischen ETFs mit einer solchen Risiko-Kontrollstrategie stecken bislang aber gerade einmal 800 Millionen Euro — hier bleibt noch Raum für Wachstum.

Investor-Info

Ossiam Europe Min. Variance
Geringstes Risiko
Die französische Gesellschaft Ossiam gilt als Pionier im Segment der risikoreduzierten ETFs. Der Ossiam ETF iStoxx Europe Minimum Variance bildet den gleichnamigen Index ab. Dieser besteht aus Titeln, die im breiten Aktienindex Stoxx Europe 600 enthalten sind. Aus den etwa 300 liquidesten Aktien des Stoxx Europe 600 wird diejenige Zusammensetzung ermittelt, die in der Vergangenheit das geringste Risiko hatte. Diese Auswahl lässt den Index und den ETF weniger schwanken.
ISIN: LU0599612842

Lyxor MSCI World Risk Weight
Niedrige Volatilität bevorzugt
Den globalen Aktienmarkt hat der Lyxor ETF MSCI World Risk Weighted im Visier. Der dem ETF zugrunde liegende risikogewichtete Strategie-Index berücksichtigt — anders als beim Minimum-Variance-Konzept — sämtliche rund 1600 Aktien aus dem MSCI World. Er gewichtet sie allerdings anders als der Mutterindex: Die Aktien mit der niedrigsten Volatilität haben hier den größten Anteil und umgekehrt. Das führte in der Simulation zurück bis 1993 zu einer höheren Rendite und geringeren Schwankungen als beim MSCI World.
ISIN: LU077663812

Bildquellen: Claudio Divizia / Shutterstock.com
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