26.11.2012 11:00

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KOLUMNE
MARKUS HILL-KOLUMNE

Real Assets, SRI und deutsche Renewable Energy-Expertise


„Zu viel Analyse führt zu Paralyse“ versus „Stricken mit der heißen Nadel“: Investoren suchen interessante Anlagemöglichkeiten.

Produktanbieter wollen Produkte oder Dienstleistungen verkaufen. Real Assets als Anlageklasse erscheinen derzeit begehrt, wobei viele Felder in den Dialog von Investoren und Anbietern rücken: Anlagesegment, Produktverpackung, Managementqualität etc. Eine scheinbar einfache, überschaubare Konstellation, die zum Beispiel die Frage aufwerfen könnte: Gibt es manchmal Investmentgelegenheiten, die nicht so leicht auf den Radar von institutionellen Investoren gelangen?

Investoren – Stolpersteine bei der Produktauswahl

Viele Investoren, wie beispielsweise Family Offices, Stiftungen und Versicherungen arbeiten derzeit verstärkt am Ausbau von Produktselektionsverfahren im Bereich Real Assets. Intern und extern wird an Prozessen gearbeitet, um zeitnah potentiell passende Investments zu identifizieren und zu bewerten. Ein Feld ist hier der Bereich Erneuerbare Energien. Beispiele: Solarenergie, Windkraft, Biotreibstoffe. Ähnlich wie im Bereich Waldinvestments ist in diesen Anlagesegmenten häufig spezielles Know-how erforderlich, dass über das einfache Beurteilen von Zahlungsströmen hinausgeht. Versicherungsfragen, Betreiberauswahl, Standortrisiken etc. – alles Fragen, die oft über das reine Finanzwissen hinausgehen und eher an Verfahren im Bereich Projektfinanzierung (Kernbereich: Risikoanalyse) erinnern. Ein zusätzliches Feld, wo Expertise gefragt ist – die Produktverpackung, Beispiele: Spezialfonds? Geschlossener Fonds? Anleihe? Direkte Beteiligung beim Investment? Gründung einer eigenen Gesellschaft?

Zusätzliche Komplexität erfährt der Bereich der Fondsauflage derzeit durch regulatorische Rahmenbedingungen (AIFM-Richtlinie etc.). Kapitalanlagegesellschaften wie Universal Investment, DWS oder Union Investment beobachten zum Beispiel den Bereich der Geschlossene Fonds-Industrie mit großem Interesse wegen des zusätzlichen Geschäftspotentials. Für Investoren (aber auch für Projektinitiatoren) stellt sich auch hier die Frage: Was sind die Kernkriterien zur Auswahl der richtigen Kapitalanlagegesellschaft für das Renewable-Projekt?

Spezielle Projektinitiatoren – der „unsichtbare“ Markt

Ein spezielles Feld stellt in diesem Zusammenhang die Suche nach Direktinvestments bei neuen Projektinitiatoren dar. Oft fakultativ in Verbindung mit der Suche nach der geeigneten Produkthülle. Zum einen bei Projektierern, die schon Projekte erfolgreich platziert haben, zum anderen Projektierer, die möglicherweise das Know-how besitzen, die aber aufgrund des Engpassfaktors „Kommunikation“ schwer auf den Radar von institutionellen Investoren geraten. Strukturen, die oft mehr in Richtung Venture Capital und Private Equity bzw. Direktinvestments (zum Beispiel bei Energieversorgern) weisen als in Richtung „klassische“ Asset Management-Industrie.

Gerade im Bereich der Erneuerbaren Energien ist in Deutschland ein vielfältige „Landschaft“ von Projektierern, Service-Dienstleistern und Beratern entstanden: Spezielle Expertise, die auch im Ausland gefragt ist. Firmen, die spezielle Messtechnik anbieten, Experten für die Projektierung in den Bereichen Solar, Wind und Biotreibstoffen, die häufig „mühsam“ Kontakt zu geeigneten Investoren suchen. Mögliche Gründe: Teilweise Regulierung bei Investoren (Beschränkung bei Direktinvestments, Risikomanagement), oft aber auch ein Mangel an Selektionsexpertise bei Investoren aufgrund der Entwicklungsdynamik des Marktes für Erneuerbare Energien.

Exkurs: Ausländische Investoren

Spricht man mit ausländischen Investoren im Bereich Erneuerbare Energien fällt auf, dass international die Vermarktungsaktivitäten der deutschen Unternehmen im Bereich Erneuerbare Energien (Bundesinitiativen, „Desertec“ etc.) mit Interesse wahrgenommen werden. Außenhandelskammern, IHKs im Inland, Botschaften – viele dieser Multiplikatoren leisten hier erste Schritte zur Vernetzung von Anbietern und Investoren. Der deutsche Mittelstand genießt einen exzellenten Ruf im Ausland, es besteht Offenheit für Investmentmöglichkeiten (Fondslösungen und Direktinvestments). Ein „Nadelöhr“ der Kommunikation hier: Wie kommt der ausländische Investor in Kontakt mit dem deutschen Anbieter? Oder: Wie erfährt beispielsweise ein indisches Family Office von der Renewable-Kompetenz eines spezialisierten deutschen Anbieters? Wie erfährt ein australischer Private Equity-Fonds von einer „Renewable-Boutique“ in Deutschland, die auf der Suche nach Seed Money ist?

Potentiale - Ausblick für deutsche Renewable-Expertise

Der deutsche Mittelstand, vergleichbar vielleicht in Teilen mit dem Segment „Fondsboutiquen“ (Eigentümerstruktur, Spezialisierung), macht es vor: Solide professionelle Kompetenz ist national und international gefragt. Im Bereich Erneuerbare Energien sind deutsche Produzenten und Dienstleister gefragte Partner. Ob als Kandidaten für direktes Investment oder als Bausteine in einem Finanzprodukt (Fonds, Anleihe etc.) werden diese Firmen von Fondsmanagern, privaten und institutionellen Investoren und häufig auch von staatlichen Investoren (Infrastruktur) mit großem Interesse betrachtet. Spezielle Unternehmen für die Unterstützung von Anbietern (z. B. „Placement Consultant“, Kapitalanlagegesellschaften) bestehen oder entwickeln sich derzeit. Auf Investorenseite (Aufbau eigener Fachabteilungen) wird Kompetenz aufgebaut, der Consultant-Markt im Bereich Produktselektion entwickelt sich. Sollte sich zusätzlich noch das Feld für den „unsichtbaren“ Markt entwickeln (Engpass Kommunikation), dann kann man weiterhin auf blühende deutsche Renewable--Landschaften hoffen!

Markus Hill ist unabhängiger Asset Management Consultant in Frankfurt. Seine Fachgebiete liegen in Marketing / Vertrieb / PR und in der Managerselektion. Hill beschäftigt sich intensiv mit Private Label Fonds, Fondsboutiquen und dem Einsatz von Publikumsfonds (Fondsselektion) bei Institutionellen.
Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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