Fondssparpläne – das Beste fürs Alter rausholen
Viele hassen es, ein paar lieben es, sehr viele tun es. Das Zusammenbauen von Möbeln des schwedischen Einrichtungshauses mit den vier Buchstaben ist in Deutschland so verbreitet, dass das blau-gelbe Unternehmen hierzulande einen Umsatz von über drei Milliarden Euro macht. Vielleicht liegt es daran, dass die Deutschen geradezu besessene Hobbyschrauber, -bohrer und -maler sind – nur in Österreich geben die Menschen pro Kopf mehr für Bretter, Dübel und Wandfarben aus. Statistisch kommt auf 16?000 Deutsche ein Baumarkt.
So eifrig der Handwerkertrieb im und um das eigene Haus ausgelebt wird, so schwach ist er in anderen Bereichen ausgeprägt. Besonders in finanziellen Dingen haben die meisten wenig Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Für die Altersvorsorge etwa finden Riester-Produkte reißenden Absatz. Dabei könnten Anleger, die ihre Altersvorsorge in die eigene Hand nehmen, wesentlich mehr für ihren Ruhestand herausholen. Denn Sparpläne mit Investmentfonds sind deutlich flexibler als die mit Steuervorteilen und Zulagen beworbenen, aber von Restriktionen beschränkten Riesterfonds. So müssen Erben – außer dem Ehepartner – alle Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen. Auch der Zugriff auf das angesparte Vermögen ist bis zum Renteneintritt nur eingeschränkt möglich und mit Stornogebühren verbunden.
Flexibilität ist Trumpf
„Im Vergleich zu geförderten Vorsorgeprodukten sind Fondssparpläne flexibler, transparenter und kostengünstiger“, meint Tom Friess, 41, Geschäftsführer des VZ VermögensZentrum in München. Der Altersvorsorgeexperte aus der Schweiz kennt die Vorzüge des Sparens mit Investmentfonds. Denn hier können Anleger mit kleinen Beträgen in viele unterschiedliche Wertpapiere gleichzeitig investieren. Hinzukommt die absolute Flexibilität der Sparraten. Wer nach einigen Jahren einen Teil des Vermögens für ein Auto, eine Fernreise oder schwedische Möbel braucht, muss keine Stornokosten befürchten. Größere Einmalzahlungen sind genauso möglich wie kleine Raten von 50 Euro im Monat.
Kostenvorteile haben Fondssparpläne an zwei entscheidenden Stellen. Erstens: Während man bei Riesterfonds nicht um die Ausgabeaufschläge von meist fünf Prozent herum kommt, können Investmentfonds günstig über Direktbanken und Fondsplattformen bespart werden. Zweitens: Riesterfonds bieten zwar die Garantie aller eingezahlten Beträge einschließlich Zulagen zum Ende der Laufzeit. Die Bestandsgarantie ist Auflage des Gesetzgebers und hört sich auch gut an. Aber für den normalen Ruhestands-Sparer macht sie wenig Sinn.
Denn „bei langen Anlagezeiträumen von 20 oder mehr Jahren ist eine Garantie der eingezahlten Beträge unnötig“, lehrt Wilfried Stubenrauch, 42. Der Fondsmanager aus Schortens an der Nordsee, im vergangenen Jahr Sieger des €uro-Wettbewerbs „Finanzberater des Jahres“, weiß, dass über sehr lange Zeiträume selbst mit einem reinen Aktienportfolio kaum Geld zu verlieren ist. Dies zeigt eine Auswertung, die €uro aus Jahresrenditen des DAX erstellt hat. Anleger, die 20 Jahre oder länger in die 30 größten deutschen Aktienunternehmen investierten, haben in der Vergangenheit positive Renditen erzielt. Zudem gilt: Je länger man investiert ist, desto berechenbarer werden die zu erwartenden Renditen und desto wahrscheinlicher betragen sie pro Jahr jene rund neun Prozent, die deutsche Standardwerte im Schnitt bei langen Haltefristen ablieferten.
Garantieverschwendung
Wenn aber die Garantie gar nicht nötig ist, dann ist sie lediglich ein Renditekiller. Denn die Fondsgesellschaften müssen Vorkehrungen treffen, diese Garantie auf jeden Fall erfüllen zu können. Das geht immer zu Lasten der Aktienquote und damit der zu erwartenden Rendite. Aber warum eigentlich sind Aktien so renditeträchtig (und damit ein so erfolgversprechender Bestandteil privater Altersvorsorge)? Hat das vergangene Jahrzehnt nicht gezeigt, dass Anleger mit Aktien auch über lange Zeiträume Geld verlieren können?
Tatsächlich waren die ersten zehn Jahre dieses Jahrhunderts eine der schlechtesten Phasen für Aktienanleger seit Menschengedenken. Das Platzen der Technologieblase mit einem DAX-Absturz von über 70 Prozent und das Platzen der Kreditblase mit einem Verlust beim DAX von über 50 Prozent haben viele Privatanleger von Aktienanlagen abgeschreckt. Einige haben gar der Aktie für immer den Rücken gekehrt.
Und dennoch kommen Anleger, die langfristig Vermögen aufbauen wollen, um Aktien gar nicht herum. Ihnen bleibt eigentlich nur die Wahl zwischen zwei Anlageklassen, die eine Verzinsung des investierten Kapitals bieten. Anleihen von Staaten und Unternehmen auf der einen Seite, Unternehmensbeteiligungen auf der anderen Seite. Während die Rendite von Anleihen durch Laufzeit und Zinskupon berechenbar ist und nur von der Bonität des Schuldners abhängt, sind Aktienrenditen weitaus unsicherer.
Lesen Sie, warum eine hohe Aktienquote langfristig attraktiv ist
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