21.06.2013 12:00
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Zinswende: Drei, zwei, eins - und los

Anleihen-Strategie
Der Countdown läuft: Es ist nur noch eine ­Frage der Zeit, bis die Zinsen steigen. Die richtige Strategie schützt einerseits vor ­Verlusten und sichert andererseits hohe Renditen
€uro

von €uro-Redakteur Matthias Fischer

Am Anfang klang es wie immer, wenn US-Notenbankchef Ben Bernanke in den vergangenen Monaten etwas zur Konjunktur gesagt hat: „Ein voreiliges Ende oder eine Straffung birgt das Risiko, die wirtschaftliche Erholung abzuwürgen“, sagte der Fed-Chef Ende Mai bei einer Anhörung vor dem US-Kongress in Washington. Deswegen bleibe die Geld­politik so lange wie nötig expansiv. Das bedeutet: Die US-Notenbank kauft weiter Anleihen und lässt den Leitzins bei historisch niedrigen 0,25 Prozent.

Dann aber, nur ein paar Stunden später, schob der 59-jährige Banker hinterher, dass „eine lange Zeit niedriger Zinsen Kosten und Risiken“ mit sich brächte. Eine zu lange Niedrigzinsperiode „könne die Finanzstabilität untergraben“. Damit läutet Bernanke — zaghaft — das Ende der Niedrigzinsphase ein. Der Countdown für höhere Zinsen läuft. Wenn die Zinsen steigen, klettern die Renditen von Anleihen — spiegelbildlich sinken deren Kurse. Und die Kursverluste können heftig ausfallen: Eine zehn ­Jahre laufende deutsche Staatsanleihe müsste bei einer um einen Prozentpunkt höheren Rendite Kursverluste von rund 8,5 Prozent hinnehmen. Und das bei ­einer aktuell jährlichen Rendite von 1,4 Prozent. Damit würden rund sechs Jahresrenditen pulverisiert …

Geld-Flut und Rendite-Ebbe

Noch aber fluten die Notenbanken die Kapitalmärkte mit Geld durch Anleihekäufe und niedrige Leitzinsen — Experten sprechen von einer „lockeren“ Geldpolitik. Diese Geldschwemme hat nicht nur die Aktienkurse steigen lassen, auch bei Anleihen ist die Nachfrage enorm und sorgt für einen Superlativ nach dem anderen: Der spanische Energiekonzern Repsol hat Mitte Mai eine siebenjährige Anleihe platziert. Zu einem Zinssatz von 2,72 Prozent — so wenig Zinsen musste ein spanisches Unternehmen noch nie zahlen. Und der brasilianische Ölriese Petrobras hat ebenfalls Mitte Mai mit einer Anleihe elf Milliarden US-Dollar eingesammelt — eine der größten Bond-Emissionen überhaupt in Lateinamerika. Die Nachfrage war so groß, dass die Brasilianer auch 50 Milliarden Dollar hätten ein­sacken können.

Nach Daten des Finanzdienstleisters Dealogic haben Unternehmen weltweit derzeit mehr als 221 Milliarden Dollar an Hochzinsanleihen am Markt platziert, so viel wie noch nie. Zwischen 2000 und 2012 waren es durchschnittlich nur 76 Milliarden Dollar, also ein knappes Drittel davon.

Die hohe Nachfrage sorgt dafür, dass die Kurse der Anleihen immer weiter steigen und die Renditen stetig fallen. In den USA etwa hat erstmals die durchschnittliche Verzinsung von Ramsch­anleihen — also Papiere, die ein Rating von „BB“ oder weniger haben — die Marke von fünf Prozent unterschritten. Dabei haben solche Papiere ein erhöhtes Risiko, weil die Emittenten nicht sonderlich finanzstark sind. Hier droht, dass Zinszahlungen ausfallen oder der Bond am Ende der Laufzeit nicht getilgt werden kann. Dann wird die prognostizierte jährliche Rendite schnell Makulatur.

Die Höhe des Risikos ist nur schwer einzuschätzen, eine Indikation geben die Ratings der großen Agenturen: je niedriger das Rating, desto höher die Ausfallwahrscheinlichkeit. Neben der Finanzkraft spielt auch die Zeit eine bedeutende Rolle für die Höhe des Risikos eines Zahlungsausfalls — auf Englisch Default. So beträgt laut Ratingagentur Moody’s die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls einer Anleihe mit einem einfachen „B“-Rating ein Jahr nach der Einstufung 2,5 Prozent. Es ist also gerade einmal jede vierzigste Anleihe betroffen. Bis zum Jahr fünf nach der Einschätzung klettert die Ausfallrate jedoch auf über 15 Prozent, dann hat es also bereits jeden siebten Bond getroffen.

In der Kürze liegt die Würze

Anleger, die attraktive Renditen suchen, setzen in der derzeitigen Situation auf spekulativere Bonds mit kurzer Restlaufzeit. So ­erzielen sie deutlich höhere Renditen als mit ganz sicheren „AAA“-Anleihen, ohne dass das Risiko übermäßig steigt, weil die Laufzeit ja kurz ist. Das schützt auch vor allzu bösen Überraschungen, wenn die Notenbanken beginnen, die Leitzinsen zu erhöhen: Schließlich steht das Geld bald wieder zur Verfügung, um von höheren Zinsen zu profitieren.

Zu dieser Strategie passen Kurzläufer der kriselnden südeuropäischen Autobauer Peugeot und Fiat. Sowohl bei den Franzosen als auch bei den Italienern ­gehen die Geschäfte schlecht, weil ein Großteil ihrer traditionellen Absatzmärkte in hoch verschuldeten Eurostaaten wie Italien und Griechenland liegt. Da diese Staaten allerdings sparen müssen, schwindet dort sowohl die öffent­liche als auch die private Nachfrage. Für beide Autokonzerne gilt aber auch, dass sie wahre Beschäftigungsmagneten sind. So ist Fiat nach wie vor der größte private Arbeitgeber in Italien. Deswegen werden die Regierungen in Rom und Paris, die etwas gegen die hohe Arbeitslosigkeit in ihren Ländern tun müssen, kaum tatenlos zusehen, sollte Fiat oder Peugeot kurz vorm Kollaps stehen. In der Tabelle in €uro Ausgabe 07-2013 (hier zu bestellen) führt €uro zwei attraktive Anleihen der Autobauer auf. Die Fiat-Anleihe notiert in Schweizer Franken und bietet damit einen Währungsschutz, wenn der Euro zu taumeln beginnen sollte.

Auch Energias de Portugal (EDP) darf im Notfall wohl auf staatliche Hilfe bauen. Der größte portugiesische Versorger ist ebenfalls ein bedeutender Arbeitgeber. Zudem hat Portugal im Zuge der geplanten Haushaltssanierung seinen Anteil an EDP kräftig reduziert, ist aber immer noch mit vier Prozent beteiligt.

Allerdings dürfte EDP erst gar nicht in die Verlegenheit kommen, den Staat um Hilfe bitten zu müssen, die Aussichten des Konzerns sind nicht schlecht, setzt er doch stark auf Wasserkraft und ist somit in Zeiten der Energiewende mit dem Schwenk von fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien gut positioniert. Zudem ist EDP nicht nur auf der iberischen Halbinsel sondern auch in dem Boom-Markt Brasilien stark vertreten. Analysten schätzen, dass der Gewinn des Konzerns von rund einer Milliarde Euro im Jahr 2012 bis zum Jahr 2016 auf etwa 1,2 Milliarden Euro ansteigen wird — und da sind die zu zahlenden Zinsen schon berücksichtigt. Kein Szenario für staatliche Alimentationen. Dexia dagegen hat bereits Staatshilfe erhalten. Im Zuge der Finanzkrise musste die belgisch-französische Bank, die hauptsächlich Projekte der öffentlichen Hand finanziert, gestützt werden. Für den größten Zweig des Instituts, Dexia Crédit Local, haben Frankreich, Belgien und Luxemburg im Januar 2013 Garan­tien ausgesprochen, sollte Dexia in Zahlungsschwierigkeiten kommen.

Auch Kataloniens Anleihen sind attraktiv. Zwar ist die spanische autonome Provinz mit rund 42 Milliarden hoch verschuldet, aber andererseits ist sie mit ihrer Metropole Barcelona neben Madrid der stärkste Wirtschaftsstandort Spaniens. Katalonien muss ähnlich wie einige Bundesländer in Deutschland Geld in ­einen Finanzausgleich zahlen, von dem vor allem die strukturschwachen Provinzen Spaniens profitieren. Glaubt man den Angaben des katalanischen Minister­präsidenten Artur Mas, beträgt das Volumen netto rund zwölf Milliarden Euro jährlich. Genug, um die ausstehenden Anleihen der Provinz zu bedienen, wenn Katalonien straucheln sollte.

Fonds als Alternative Neben einzelnen Anleihen bieten sich auch Fonds an, um in höher verzinste Anleihen mit kurzen bis mittleren Restlaufzeiten zu investieren. Der UniEuro Kapital Corporates A legt sein Fondsvermögen vor allem in kurz laufenden Unternehmensanleihen und Bankschuldverschreibungen an, die zusammen rund 90 Prozent des gesamten Fondsvermögens ausmachen.

Daneben investiert der Fonds auch zu einem kleineren Teil in Pfandbriefe und europäische Staatsanleihen. Mehr als die Hälfte entfällt auf Bonds mit einem Rating im Bereich zwischen „BBB+“ und „BBB-“, also gerade noch so in der Investment-Grade-Liga. Der Fonds ist von €uro mit der bestmöglichen FondsNote 1 ausgezeichnet.

Während der UniEuro nur auf Anleihen setzt, die auf Euro lauten, mischt der Carmignac Plus A auch andere Währungen wie US-Dollar oder japanische Yen bei. Die größten Positionen im Fondsportfolio machen portugiesische Staatsanleihen aus, gefolgt von spanischen und mexikanischen Staatsbonds. Rund ein Viertel des Vermögens hält der Fonds als Liquidität — und ist damit gut gewappnet, wenn der Countdown abgelaufen ist und die Zinsen steigen.

Bildquellen: igorstevanovic / Shutterstock.com
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