01.05.2014 03:00
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Family Offices: Millionäre unter sich

Das verschwiegene Geschäft: Family Offices: Millionäre unter sich | Nachricht | finanzen.net
Millionäre unter sich
Das verschwiegene Geschäft
Reiche Familien lassen ihre Vermögen von exklusiven Büros steuern. Das milliardenschwere Geschäft, das einst in den USA begann, breitet sich auch in Deutschland aus - bei Unternehmern und gut bezahlten Managern.
€uro am Sonntag
von Alexander Sturm, Euro am Sonntag

Junius Spencer Morgan war es leid. Die Familie des talentierten Geschäftsmanns hatte zusätzlich zu ihrem erarbeiteten Vermögen ein hübsches Sümmchen geerbt - und rang nun mit der Last des Reichtums. Jedes einzelne Mitglied der Sippe hat seine Banker, Steuerberater und Juristen um sich geschart. Doch dann kam der Vater des berühmten Bankiers J. P. Morgan 1838 auf eine Idee: Warum nicht eine Vermögensverwaltung für die gesamte Familie schaffen?

Das "House of Morgan" war geboren. Schon bald betreute es auch den Besitz anderer Unternehmerdynastien wie der Guggenheims und DuPonts. Morgans eigene Vermögensverwaltung gilt heute als weltweit erstes Family Office - ein Büro, das reiche Familien in allen erdenklichen (Geld-)Fragen betreut. In den USA boomt das milliardenschwere Geschäft mit dem Vermögen der Superreichen seit vielen Jahren (siehe Investor-Info). Allein in den vergangenen zehn Jahren hat sich dort laut Wirtschaftsdienst Bloomberg die Zahl der Family Offices verdoppelt.

Erschüttertes Vertrauen zur Bank
In Deutschland hingegen gibt es Family Offices erst seit den 80er- Jahren. Sie breiten sich aber auch hierzulande immer stärker aus. Rund 6.000 Menschen mit einem Vermögen von mehr als 30 Millionen Euro je Familie nutzen schon die Dienste eines Family Office, schätzt das Analysehaus Investors Marketing. Manch einer spricht gar von einer "Gründungswelle".

Carolin Decker, deutschlandweit einzige Juniorprofessorin für Family Offices, führt das gestiegene Interesse vor allem auf die jüngsten Bankenskandale zurück. "Das Vertrauen in die Finanzbranche hat sehr gelitten", sagt die Forscherin von der privaten Universität WHU. Viele Reiche suchten eine unabhängige Vermögensverwaltung ohne Interessenskonflikte. "Sie misstrauen Finanzberatern, die interne Renditeziele erfüllen müssen."

Hinzu kommt, dass traditionelle Banken und Vermögensverwalter das Leistungsspektrum von Family Offices kaum abdecken können. Diese bieten nicht nur eine individuelle Anlageberatung, sondern kümmern sich generationenübergreifend um komplexe Besitztümer - Aktien, Anleihen, Immobilien und Firmenbeteiligungen ebenso wie Wald, Oldtimer oder Kunstsammlungen. Sie bereiten Unternehmensverkäufe und Firmennachfolgen vor, beraten in Erbschafts-, Steuer- und Rechtsfragen, betreuen familieneigene Stiftungen. Während Vermögensverwalter oft nur Teile der liquiden Gelder anlegen, setzen Family Offices ganzheitliche Strategien um, die auch mit dem Firmenbesitz abgestimmt sind. Für ihre Dienste verlangen sie jährliche Gebühren von einem Prozent des verwalteten Vermögens oder weniger.

Immense Reichtümer
Die allermeisten ihrer Kunden sind Unternehmerfamilien, die es zu - selbst für sehr gut bezahlte Angestellte unerreichbaren - Reichtümern gebracht haben. Meist kommen sie aus Städten wie Hamburg, München und Berlin oder dem wirtschaftsstarken Rheinland und Schwaben - dort, wo alte Industrielle und der Mittelstand zu Hause sind. Die Superreichen unter ihnen gründen ein Single Family Office, das sich nur um ihr Vermögen kümmert und von ihnen kontrolliert wird: Etwa die Erben der Waschmitteldynastie Henkel, die auf diese Weise 8,5 Milliarden Euro steuern lassen. Manche Büros kümmern sich mit der Zeit um weitere Familien, wie das Multi Family Office Focam, das Andreas Jacobs ursprünglich für die Bremer Kaffeedynastie gegründet hatte und das schnell reiche Bekannte anzog.

Auch Banken mischen mit eigenen Ablegern mit - wie die Deutsche Bank mit ihrer Tochter Deutsche Oppenheim, dem größten Family Office hierzulande. "Der Wunsch nach einem Lotsen zur Steuerung des gesamten familiären Vermögens wächst", sagt Vorstand Klaus Kuder. Allerdings gebe es in Deutschland verglichen mit den USA nur wenige gewachsene Vermögen. "Die beiden Weltkriege, die Hyperinflation, die Weltwirtschaftskrise im letzten Jahrhundert und die Enteignungen nach dem Zweiten Weltkrieg haben viele Besitztümer zerstört."

Verschwiegene Branche
Wie viele Family Offices es in Deutschland gibt, weiß niemand genau. Die Schätzungen reichen von gut 100 bis über 1.200 Single Offices und 20 bis 120 Multi Family Offices. In dieser diskreten Branche lassen sich Daten nur schwer erfassen. Zudem ist der Begriff nicht geschützt. Manche Anbieter, die bei genauerem Hinsehen nur Portfolios für Kunden steuern, schmücken sich daher mit dem Siegel der exklusiven Vermögensverwaltung - "Family Office" ist zum Modewort geworden.

Galt die Branche - dank ihres Wachstums - noch vor Kurzem als starke Konkurrenz zu den Vermögensverwaltungen der Banken, haben sich diese inzwischen gut damit arrangiert. Viele bieten nicht nur ihre Dienste als Depotbank an, sondern gewähren Family Offices auch direkte Zugänge zu den Handelsabteilungen für Wertpapierkäufe.

Gewisse Grenzen sind den neuen Anbietern ohnehin durch die gewaltigen Kapitalanforderungen gesetzt: Ein Single Family Office mit mehreren Angestellten und der nötigen Technik lohnt sich Kuder zufolge erst ab liquiden Vermögen von 300 Millionen Euro - Firmenbeteiligungen nicht mitgerechnet -, fallen dabei doch leicht siebenstellige Fixkosten pro Jahr an. Manche Familie übergibt daher das Ruder an ein Multi Family Office. Das ist ab 30 Millionen Euro liquidem Vermögen sinnvoll.

Jens Spudy, Geschäftsführer des gleichnamigen Multi Family Office in Hamburg, sieht für die Branche trotzdem viel Wachstumspotenzial - auch jenseits der klassischen Kundschaft der Unternehmerfamilien. So häuften einige hoch bezahlte Manager leicht zweistellige Millionenvermögen an, die professionell gesteuert werden müssten. "Dieser Markt ist sehr groß", so Spudy.

Investor-Info

Die Depotstruktur
Wie Superreiche investieren

Family Offices im deutschen Sprachraum investieren im Schnitt offensiver als Privatanleger. Seit 2012 haben sie den Rentenanteil in ihren Portfolios auf weniger als ein Sechstel reduziert und dafür mehr Aktien gekauft. Kein Wunder: Laut der Beratungsfirma Family Office Consulting streben sie eine Vorsteuerrendite von über sechs Prozent an. Auch bei alternativen Investments wie Hedgefonds und Private Equity zeigen sich reiche Anleger risikofreudiger. Dafür bauten sie auch Immobilienanlagen zuletzt klar aus - gerade mit Käufen im Heimatmarkt.

Die Größten Family Offices
Amerikaner weit voraus

Die weltgrößten Family Offices sind Tochtergesellschaften von US-Großbanken. Sie betreuen teils Tausende Familien. So auch das Multi Family Office Bessemer Trust, das neben Rockefeller & Co. indes zu den wenigen großen bankenunabhängigen Büros gehört. Dass mit Spudy nur ein deutsches Family Office unter den 50 größten auftaucht, liegt auch daran, dass bei Weitem nicht alle Befragten am Ranking teilnahmen. Die Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Oppenheim stünde sonst mit einem verwalteten Vermögen von zehn Milliarden Euro auf Platz 16.

Framas Family Office Fonds
Offen für Privatanleger

Franz Martz & Söhne Treuhand, das Family Office der Framas Gruppe (eines Pirmasenser Schuhzulieferers) versucht mit einem neuen Fonds, Anlegern Leistungen von Family Offices zugänglich zu machen: Das Fondsmanagement beauftragt mehrere externe Vermögensverwalter und überprüft sie mit ihrem eigenen Controlling. Im Portfolio dominieren Aktien und Anleihen aus den USA und Deutschland. Die weltgrößten Family Offices (verwaltetes Vermögen*)

1. HSBC Private Wealth (Hong Kong) 137,3
2. Northern Trust (Chicago) 112,0
3. Bessemer Trust (New York) 77,9
4. BNY Mellon (New York) 76,0
5. Pictet (Genf) 57,3
6. UBS Global Fam. Office (u. a. Zürich) 47,5
7. CTC/Harris My CFO (Chicago) 35,0
8. Abbot Downing (Minneapolis) 32,2
9. U.S. Trust (New York) 31,1
10. Wilmington Trust (Wilmington) 24,6
11. Hawthorn (Philadelphia) 23,1
12. Rockefeller & Co. (New York) 23,1
24. Spudy & Co. (Hamburg) 6,6

*in Milliarden US-Dollar, Stichtag 31.12.2013

Bildquellen: Terric Delayn / Shutterstock.com

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