09.04.2013 18:25
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Bürger in Krisenländern vermögender als Deutsche

Immobilienbesitz schuld
Wie eine aktuelle EZB-Studie ergab, sind die deutschen Haushalte in der Eurozone die ärmsten - klar hinter Zypern.
Die deutschen Haushalte sind die ärmsten der Eurozone. Mit einem durchschnittlichen Netto-Vermögen von 51.400 Euro belegen sie den letzten Platz, während die krisengebeutelten Zyprer auf Rang 2 liegen. Das geht aus einer Untersuchung der Europäischen Zentralbank hervor. Analysiert wurden die Vermögensverhältnisse in 15 der 17 Euro-Länder, wobei Irland und Estland nicht mit eingeflossen sind. Die Daten stammen zu großen Teilen aus dem Jahr 2010.

Die deutschen Haushalte liegen sogar hinter dem Euro-Neuling Slowakei, wo der Durchschnittshaushalt 61.200 Euro an Vermögen besitzt. Die Zyprer kommen mit 267.000 Euro auf den zweiten Platz, könnten aber durch die Zwangsabgabe auf Bankguthaben bei der Rettung des kleinen Euro-Landes nach hinten fallen. Die Krösusse der Eurozone leben in Luxemburg. Dort verfügt der durchschnittliche Haushalt über knapp 400.000 Euro.

"Hauptgrund für das schwache Abschneiden Deutschlands ist der nur schwach ausgeprägte Immobilienbesitz", sagt Jörg Hinze, Konjunkturexperte beim Hamburgischen Weltwirtschafts-Institut (HWWI). Nur 44 Prozent der Haushalte leben in den eigenen vier Wänden. Weil in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg der soziale Wohnungsbau massiv hochgefahren wurde, gibt es mit Ausnahmen von Großstädten wie München und Frankfurt einen nach wie vor funktionierenden Mietmarkt. Als zweiten Grund sieht Hinze die geringen Vermögen Ostdeutschlands: "Betrachtet man die alten Bundesländer verkürzen sich die Abstände merklich".

Die Untersuchung der EZB zeigt auch, dass es bei den privaten Vermögen in den Euro-Krisenländern weitaus besser aussieht als in der größten Volkswirtschaft. Die Spanier haben mit 182.700 Euro mehr als drei Mal so viel, in Italiener sieht es mit 173.500 Euro ähnlich aus. Die Franzosen verfügen mit 115.800 Euro immer noch über mehr als das Doppelte der Deutschen. Weil spanischen Daten im Jahr 2008 gesammelt wurden, dürfte die tatsächliche Lage aber heute deutlich schlechter sein. Die Zahlen zu den Sorgenländern weichen etwas von den Daten der Bundesbank ab, die diese vor drei Wochen veröffentlicht hat. Im großen Trend stimmen aber EZB und Bundesbank überein.

Damit können die Menschen in den von hohen Schulden und fehlendem Wirtschaftswachstum geplagten Ländern den Sparkurs ihrer Regierungen zumindest teilweise verkraften. Besonders Italien sticht hier hervor, wo der Besitz an Wohnungen und Häusern nicht durch eine übermäßige Verschuldung erkauft ist. Noch-Ministerpräsident Mario Monti hat versucht, diese Haushalte mit einer ungeliebten Grundsteuer an der Sanierung der Staatsfinanzen zu beteiligen.

Sein Vorgänger Silvio Berlusconi hatte im Wahlkampf versprochen, die Steuer wieder zurückzunehmen. Die Länder mit den meisten Immobilienbesitzern sind die Slowakei und Spanien. Knapp 90 beziehungsweise über 82 Prozent der Familien leben in den eigenen vier Wänden. HWWI-Experte Hinze warnt aber davor, Deutschland arm zu rechnen. "Weil die Sozialsysteme besser funktionieren, müssen die Deutschen zum Beispiel bisher viel weniger Geld fürs Alter zurücklegen", sagte er.

Von Christian Grimm Kontakt zum Autor: konjunktur.de@dowjones.com DJG/DJN/chg/hab Dow Jones Newswires

Bildquellen: Aleksandar Mijatovic / Shutterstock.com
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