15.09.2011 06:00
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„Sind reiche Immobilienkäufer verrückt geworden, Herr Völkers?“

Die Menschen glauben an die Sicherheit von Immobilien
Interview
Der Chef des Luxusimmobilienmaklers Engel & Völkers, Christian Völkers, über die rasanten Preissteigerungen bei Wohnungen und Häusern im oberen Preissegment.
€uro: Herr Völkers, Ihr Unternehmen präsentiert sich vor allem als Vermittler für Luxusimmobilien. Deren Preise sind infolge der Finanz- und Schuldenkrise besonders stark gestiegen. Was haben die teuersten Objekte gekostet, die Engel & Völkers in diesem Jahr bislang vermittelt hat?
Christian Völkers: In Deutschland war es eine Ferienvilla auf Sylt für 13 Millionen Euro. Ein tolles Haus, herrlicher Blick! Das teuerste Objekt in Europa war ein Villengrundstück im Schweizer Skiort Gstaad. Dafür zahlte der Käufer mehr als 15 Millionen Euro. Fertige Häuser in Gstaad kosten übrigens inzwischen schon bis zu 25 Millionen Euro.

Das ist doch verrückt, oder?
Das sind die aktuellen Marktverhältnisse. Das Angebot an Wohnungen und Häusern in begehrten Regionen ist in den vergangenen ein, zwei Jahren extrem knapp geworden – die Nachfrage aber gestiegen. Und zwar von Interessenten aus der ganzen Welt. Das gilt insbesondere für exklusive Zweitwohnsitzmärkte, also vor allem für Ferienregionen. Mitunter reicht es schon, wenn da in einer bestimmten Lage eines der fünf schönsten Häuser auf den Markt kommt und drei, vier Leute es unbedingt haben wollen. Dann steigt der Preis rasant.

Einige Marktbeobachter sprechen inzwischen von einer Preisblase.
Vielleicht sind manche Käufer scheinbar verrückt. Aber in den vergangenen 50 Jahren haben sich selbst die teuersten Immobilien an Top-Standorten immer gelohnt, weil die Preise weiter gestiegen sind. Wir bei Engel & Völkers sehen keine -Signale für eine nachhaltige Umkehr dieses Trends.

Wo sind Wohnimmobilien in Deutschland zurzeit am teuersten?
In Kampen auf Sylt zahlen Käufer im Hobookenweg, im Heideweg, im Osterheideweg und im Wiesenweg zwischen 25000 und 35000 Euro pro Quadratmeter, im Hamburger Harvestehuder Weg und in der Großen Elbstraße bis zu 16000 Euro und in der Pienzenauerstraße im Münchner Herzogpark bis 10300 Euro pro Quadratmeter. In der Regel geht es da um exklusive Immobilien mit sehr schönem Blick. In Straßen wie der Hamburger Elbchaussee, wo man von einer Wohnung auf die Elbe und von einer anderen auf die Straße schaut, differieren die Preise um bis zu 100 Prozent. Nur wegen des Blicks!

Auch die Preise für normale Wohnimmobilien in guten Lagen deutscher Metropolen sind zuletzt reichlich geklettert. Sollten Normalverdiener trotzdem noch kaufen?
Hier ist das Angebot auch zurückgegangen und die Nachfrage gestiegen. Die Menschen glauben an die Sicherheit von Immobilien und sind aufgrund der Unsicherheiten rund um das Papiergeld – Stichwort Euro- und Dollarkrise – nun bereit, für diese Sicherheit mehr zu bezahlen. Wenn die Lage einer Immobilie stimmt, dürfte das auch weiterhin eine kluge Entscheidung sein. Unsere Vermittlungsdauer pro Wohneinheit in deutschen Ballungszentren hat sich übrigens im Schnitt von sechs auf drei Monate reduziert.

Wie viel kosten zurzeit die teuersten Wohnimmobilien in Europa außerhalb Deutschlands?
In Monte Carlo in Monaco sind dieses Jahr schon 148000 Euro pro Quadratmeter erzielt worden, in der Romazzino-Bucht auf Sardinien 100000 Euro und in London-Knightsbridge 76000 Euro pro Quadratmeter.

Wer zahlt solche verrückten Summen?
Menschen, die eine Top-Immobilie in exklusiver Lage haben wollen und für die der Kaufpreis nebensächlich ist. Dazu gehören zunehmend Inder und Chinesen. Die machen jetzt Kunden aus Russland Konkurrenz.

Wie läuft es ab, wenn sich ein reicher Chinese ein schickes Häuschen in Europa gönnen will?
Dann sind wir mitunter wie Reiseunternehmer unterwegs. Der Kunde kommt für eine Woche nach Europa, sieht sich zum Beispiel Mallorca an, fliegt dann weiter nach Sardinien, danach an die Côte d’Azur und reist – wenn noch Zeit ist – vielleicht nach Marbella und Griechenland, weil er gehört hat, dass es dort auch ganz hübsch sein soll.

Wir sprechen hier in Ihrer Finca auf Mallorca miteinander. Hat sich schon ein Chinese auf Reisen bei Ihnen gemeldet?
Kürzlich war ein chinesischer Kunde bei einem Freund von mir zu Besuch auf Mallorca. Mein Freund hat ihn zu mir geschickt, weil der Kunde unbedingt die tollste Villa auf der Insel kaufen wollte.


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Wofür brauchte er „die tollste Villa auf Mallorca“?
In China entwickelt sich gerade eine Neureichenkultur. Da wird gern beim Geschäftsessen auf dem i-Pad gezeigt, was man so besitzt auf der Welt. Und Mallorca ist eben sehr in.

Haben Sie ihm Ihre Finca angeboten?
Sie ist 400 Jahre alt und steht auch nicht zur Disposition. Da müsste schon ein richtig guter Makler kommen (grinst).

Auf der nächsten Seite erfahren Sie, wann Christian Völkers noch selbst potenzielle Immobilienkäufer betreut, seine drei wichtigsten Verkäufertricks und wo Völkers sein Geld anlegt.

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