25.05.2013 03:00
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Beratung im Qualitäts-Check: Bloß kein Risiko!

Vermögensaufbau: Beratung im Qualitäts-Check: Bloß kein Risiko! | Nachricht | finanzen.net
Beratung im Qualitäts-Check: Bloß kein Risiko
Vermögensaufbau
€uro am Sonntag hat getestet, wie gut Banken beim Vermögensaufbau beraten. Die Ergebnisse sind zum Teil erschreckend. Welchen Banken Sie vertrauen können, wo Sie besser nicht hingehen.
€uro am Sonntag
von Peter Schweitzer, Euro am Sonntag

Deutschland wandelt sich. Das Land der Dichter und Denker wird zum Land der Greise ohne Enkel. 2050 werden hierzulande nur noch 70 Millionen Menschen leben, und mehr als die Hälfte von ihnen wird älter sein als 50 Jahre. Da schon heute immer mehr Ruheständler von dem leben müssen, was immer weniger Arbeitende in die Rentenkassen einzahlen, ist die „Renten­lücke“ inzwischen fester Bestandteil in jedermanns Wortschatz. Eine Steilvorlage für Banken. Sie müssten für Berufseinsteiger und junge Familien Lösungen parat haben, damit junge Menschen ohne Sorgen in die Zukunft schauen können.

€uro am Sonntag hat deshalb gemeinsam mit dem Deutschen Kundeninstitut Testkäufer in die Filialen von zwölf Banken in elf Städten geschickt. Insgesamt gab es 170 Kundenkontakte. Neben bundesweit tätigen Großbanken waren auch je drei große Sparkassen und drei große Volksbanken im Test (siehe Tabellen). Der erste Kunde war ein Berufseinsteiger Ende zwanzig mit einem Nettoeinkommen von etwa 1.500 Euro, der zweite ein 35-jähriger Familienvater mit einem monatlichen Nettoeinkommen um die 2.500 Euro. In beiden Fällen war die Frage: Wie kann ich langfristig Vermögen aufbauen, um meinen Lebensstandard im Alter zu halten?

Datensammler statt Ratgeber
Ein zentraler Eindruck unserer Tester: Die Banken sind zu Datensammlern geworden. Das hat Gründe. Zum einen sind sämtliche Bankberater seit Jahresbeginn zentral ­registriert. Wer Fehler macht, kann bei der Finanzaufsicht Bafin angeschwärzt werden. Die Bank muss ­unter Umständen Strafe zahlen. Also lautet die Devise: nicht zu viel sagen, was sich später als Fehler herausstellen könnte. Daher bekamen unsere Tester keine Tipps zu Aktien oder anderen Wertpapieren.

Dafür gab es Beratungsprotokolle en masse. Sie wurden 2010 nach den zahllosen Prozessen um wertlos verfallene Lehman-Zertifikate bei jedem Beratungsgespräch Pflicht. Mit ihnen sollen Anleger im Streitfall der Bank schwarz auf weiß ihre Versäumnisse nachweisen können.

Abgesehen davon, dass Kritiker die Protokolle als Absolution für die Berater sehen, empfanden unsere Testkäufer sie als zeitraubende Pflicht­veranstaltung. Die Protokolle führten dazu, dass in einigen Gesprächen für die Vorsorgeberatung wichtige Fragen wie die nach den monatlichen Einnahmen und Ausgaben, bestehenden Investments oder nach Schulden etwa in Form laufender Kreditverträge weitgehend auf der Strecke blieben.

Besonders auffällig: In 40 Prozent der Gespräche wurde der Renten­bedarf nicht berechnet, obwohl die Tester ausdrücklich nach ihrer Rentenlücke fragten. Wurde die Rentenlücke berechnet, kalkulierten sechs von zehn Beratern sie, ohne die Inflation mit einzubeziehen. Letzteres geschah besonders häufig bei der HypoVereinsbank, der Postbank und der Kreissparkasse Köln.

Positiv: Immer mehr Banken — vor allem Institute aus der oberen Hälfte des Gesamtklassements — rieten, bevor es an den eigentlichen Vermögensaufbau ging, zu existenziellen Versicherungen wie einer Berufsunfähigkeits- oder einer Risikolebensversicherung. Bei den Finanzprodukten kamen meist Rentenpolicen ins Spiel — sei es in klassischer Form mit festen Garantien oder in fondsgebundenen Varianten sowie Verträge mit und ohne Riester-Förderung. Zudem wurden „Klassiker“ wie Bausparverträge empfohlen.

Kostengünstige Produkte wie Sparpläne auf Aktien, Indexfonds oder Fonds wurden in keinem Gespräch vorgeschlagen. Nicht minder günstige Banksparpläne wurden vereinzelt mit empfohlen. Aktienfonds, die  — wenn sie gut verwaltet sind — langfristig gute Erträge bieten, hatte nur die Testsiegerin, die Hamburger Sparkasse (Haspa) im Angebot.

Merten Larisch verwundert dieses Ergebnis nicht. „Banken empfehlen meist Produkte, für die sie hohe Provisionen bekommen“, sagt der Vorsorgeexperte der Verbraucherzentrale Bayern. Sein Tipp: Wer sichergehen will, dass er gute Produkte bekommt, sollte vorher einen Honorarberater aufsuchen, seine Finanzen überprüfen und sich passende Produkte empfehlen lassen. Dieser Service koste zwar mehrere Hundert Euro, helfe aber langfristig, Geld zu sparen. Die Bank ist dann nur das ausführende Organ.

Unterm Strich schnitt neben der Haspa auch die Deutsche Bank mit der Gesamtnote „sehr gut“ ab. Ihnen folgte — angeführt von der Frankfurter Volksbank — ein Block von sechs Instituten mit der Note „gut“.

Einen Ausrutscher leistete sich die HypoVereinsbank, die vor allem bei der Beratung der jungen Familie patzte: Die Vermögenssituation wurde nicht erfasst, die Berater konnten weder die Produkte erklären noch deren Kosten aufschlüsseln. „Im vergangenen Jahr waren die Münchner deutlich besser“, sagt Jörn Hüsgen, Leiter der Studie beim Deutschen Kundeninstitut. In unserem Schwestermagazin €uro wurde die HVB unlängst für ihre Angebote und Services ausgezeichnet. Das zeigt: Auch gute Anbieter können sich ständig verbessern.

Vorsorgen, aber richtig

1. Tilgen, Überprüfen, Optimieren
Bevor man über das Thema Altersvorsorge nachdenkt, sollte man Einnahmen und Ausgaben einander gegenüberstellen, rät die Verbraucherzentrale Bayern. Wer Kredite zurückzahlen muss, sollte diese erst tilgen und auf einem Tagesgeldkonto eine Rücklage von einem bis drei Monatsgehältern aufbauen. Dieser Notgroschen hilft, nicht bei jeder unvorhergesehenen Ausgabe wieder einen Kredit aufnehmen zu müssen. Bestehende Geldanlageverträge sollten überprüft werden. Was kosten sie? Und welche Rendite ist zu erwarten? Hohe laufende Kosten für Strom, Gas und Telefon lassen sich mit neuen günstigeren Verträgen drücken. Erst dann lohnt es, mit Vorsorge zu beginnen.

2. Existenzielle Risiken absichern
Eine Haftpflichtversicherung braucht jeder, eine Berufsunfähigkeitsversicherung lohnt sich für jeden, der Einkommen aus seiner Arbeitskraft erzielt. Wer Familie hat oder ein Immobiliendarlehen bedient, sollte eine Risikolebensversicherung ­abschließen. Wohneigentum sollte ebenfalls abgesichert sein.

3. Über den Kassensturz zur Sparrate
Wer im Rentenalter seinen Lebensstandard halten will, muss nicht nur wissen, welche Kosten er heute hat, sondern auch mit der Inflation rechnen. Grundlage kann eine moderate Inflationsrate von zwei Prozent sein. Je nachdem, wie weit es noch bis zur Rente ist, ist der Kaufkraftverlust höher oder niedriger. Abziehen sollte man natürlich Kosten, die man als Rentner nicht mehr hat (Prämien für die Berufsunfähigkeitspolice, Raten des Immobiliendarlehens ...) Diese Berechnungen zeigen unter Umständen eine Rentenlücke auf. Aus deren Größe ergibt sich letztlich die monatliche Sparrate. Hier gilt: Wer früh anfängt, zahlt weniger als einer, der mit Mitte vierzig vorzusorgen beginnt.

4. Die richtigen Produkte finden
Zu diesem Punkt lassen sich ganze Bücher schreiben. Doch es gibt einige Regeln, mit denen ein künftiges Vermögen auf einer festen Basis steht: Informieren geht vor abschließen. Denn nur wer sich mit den Produkten beschäftigt und kritisch nachfragt, findet heraus, ob ein Produkt zu ihm passt. Hierbei helfen unabhängige Finanzberater, die gegen Honorar arbeiten, Verbraucherzentralen oder Fachpublikationen wie €uro am Sonntag. Niedrige Kosten sind das A und O. Denn jeder Cent, der für Gebühren draufgeht, fehlt im Alter. Ein Beispiel: Investmentfonds schaffen es — auch wenn sie gut sind — immer nur eine Zeit lang, ihren Vergleichsindex zu schlagen. Und das bei Verwaltungskosten von einem Prozent der Anlagesumme und mehr. Mit Indexfonds erzielen Anleger im Vergleich zu den meisten Fonds mindestens das gleiche Ergebnis und zahlen für die Verwaltung nur 0,5 Prozent — teilweise sogar noch weniger. Geförderte Sparprodukte wie Riester gibt ebenfalls mit hohen oder niedrigen Verwaltungskosten: „Ein Riester-Banksparplan mag zwar derzeit keine Riesenzinsen bieten, ist aber kostenfrei. Fonds­gebundene Riester-Rentenpolicen sind ungleich teurer und lohnen sich bestenfalls, wenn die enthaltenen Fonds sehr gut laufen“, so Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern. Ebenso wichtig ist es, nicht alles auf eine Karte zu setzen und zu streuen. Will heißen, neben festverzinslichen Sparformen sollte man gerade in jungen Jahren verstärkt auf Aktien setzen.

Hier geht es zu den Testergebnissen (PDFs)

Die Beste Beratung - Gesamt / Berufsanfänger / Junge Familien

Vermögensaufbau und Vorsorge-Test: Gesamtergebnis

Bildquellen: Lasse Kristensen / Shutterstock.com, Frank11 / Shutterstock.com
  • Riester
  • Rente
  • LV

Rentenversicherung

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