06.12.2012 16:00
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Kongos Premierminister Ponyo: Wir haben Rohstoffe

Kongo: Das Land ist reich an Bodenschätzen
Interview
Afrika: Die Demokratische Republik Kongo gehört zu den wachstumsstärksten Ländern des Schwarzen Kontinents. Nun öffnet sich das Land für ausländische Investoren.
€uro am Sonntag

von Andrea Jeska, Euro am Sonntag

Augustin Matata Ponyo, der seit April dieses Jahres Premier­minister der Demokratischen Republik Kongo ist, kämpft derzeit an mehreren Fronten. Neben einer Lösung des Bürgerkriegs im Osten des Landes setzt er sich auch für die wirtschaftliche Entwicklung des Kongo ein. So suchte er auf einer Reise nach Deutschland vor wenigen Wochen auch Investoren. €uro am Sonntag sprach mit ihm über die Entwick­lungs­möglichkeiten des vom Krieg geschundenen Landes und über Investitionen aus Indien und China.

€uro am Sonntag: Herr Ponyo, Sie suchen weltweit nach Investoren für Ihr Land. Haben Sie bei ­Ihrem Besuch in Berlin denn Inte­ressenten gefunden?
Augustin Matata Ponyo:
Während meines Besuchs in Deutschland wurde kein Investitionsvertrag unterschrieben, das war auch nicht das Ziel meiner Reise. Es gab eine Annäherung zwischen dem Kongo und großen deutschen Firmen wie Siemens, aber der Prozess muss noch bestimmte formale Etappen durchlaufen, dem Sinn und den Vorschriften der Regierung entsprechend.


Nach 15 Jahren Krieg im Kongo schöpft die Bevölkerung wieder Hoffnung

Was sind die größten wirtschaft­lichen Herausforderungen für den Kongo in den kommenden Jahren?
Wir brauchen Wachstumsförderung, damit sich der Kongo in einer glo­balisierten Wirtschaft entwickeln kann. Wir wollen bis 2020 ein Schwellenland werden. Vorrangig wollen wir in den Bereichen Infrastruktur, Schaffung von Arbeitsplätzen und Wohnraum, Wasser- und Stromversorgung sowie Gesundheit und Bildung investieren. Wir erwarten dieses Jahr ein Wachstum von ­7,2 Prozent und 8,2 Prozent für das kommende Jahr. Das sind die Prognosen des Internationalen Währungsfonds. Der afrikanische Durchschnitt liegt bei fünf Prozent. Die Chancen im Kongo sind riesig. Die Asiaten und Inder haben bereits ­angefangen, diese zu nutzen.

Mit welchen Anreizen wollen Sie Investoren begeistern?
Wir haben Rohstoffe. Und wir sind dabei, für rechtliche Sicherheit zu sorgen, illegale Steuern abzuschaffen. Wir sind soeben der Organisation zur Harmonisierung des Wirtschaftsrechts in Afrika (OHADA) ­beigetreten. Wir haben unseren Währungsverfall, der noch in den 90er-Jahren bei 250 Prozent lag, auf zwei Prozent reduziert. Das sind nur einige Beispiele für die makroöko­nomischen und rechtlichen Maßnahmen.

China investiert bereits jetzt Mil­liarden in Infrastrukturprojekte. Wollen Sie so den Einfluss des ­Westens zurückdrängen?
Die Zielsetzung ist nicht, die Investitionen eines Kontinents gegen die ­eines anderen Kontinents auszuspielen. Wir wollen einfach wissen, wer welche Mittel schnell zur Verfügung stellen kann. Wir hatten 15 Jahre Krieg und brauchen jetzt schnell Investoren. Wir wollen unser Land möglichst rasch modernisieren. Da nehmen wir Chinesen oder andere, das ist uns egal. Allen, die investieren wollen, sind wir wohlgesonnen.


Kongos Staatsflagge

Die Gewalt im Kongo ist dort besonders groß, wo Rohstoffe abgebaut werden. Wie wollen sie die Probleme lösen, die es mit Rebellengruppen und auch mit den Menschenrechtsverletzungen Ihrer eigenen, schlecht bezahlten und marodierenden Armee gibt?
Wir haben die Vergütung von Polizei und Armee erhöht. Wir konzentrieren uns außerdem auf die Verbesserung der Sicherheitslage. Meine Reise in Europa dient auch diesem Zweck. Ich habe hier in Berlin logistische Unterstützung, Ausrüstungs- und Ausbildungshilfen vereinbart. Wir werden die Armee reformieren und professionalisieren.

Im Ostkongo soll die Rebellenbewegung M 23 von der ruandischen Regierung unterstützt werden. Haben Sie Beweise dafür?
In einem Bericht der Expertengruppe der Vereinten Nationen, der noch nicht veröffentlicht ist, werden Beweise dafür angeführt, dass drei der ranghöchsten ruandischen Generäle die kongolesische Meuterei der M 23-Bewegung unterstützen. Dieser Bericht zeigt die Beteiligung der ruandischen Regierung an der Destabilisierung des östlichen Teils unseres Landes auf.

Investor-Info

Wirtschaft
Ungenutztes Potenzial

Die DR Kongo zählt zu den rohstoffreichsten Ländern der Welt. Im Osten des Landes befinden sich Diamant-, Gold-, Kupfer-, Kobalt- und Coltan­reserven, an der Küste gibt es Erdöl und Erdgas. Aufgrund der fragilen Machtverhältnisse bleibt der Staat aber weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Das nominale Bruttoinlandsprodukt betrug 2011 rund 16 Milliarden US-Dollar, das entspricht 216 ­Dollar pro Kopf. 2012 soll die Wirtschaft um 7,2, im kommenden Jahr um 8,2 Prozent wachsen. Das größte Problem bleibt der Osten des Landes, wo Rebellenmilizen den weitgehend ohne maschinelle Hilfe stattfindenden Rohstoffabbau kontrollieren. Die Transportinfrastruktur ist höchst marode. 2011 belegte die DR Kongo im Entwicklungsindex der Vereinten Nationen den letzten Platz. 

Politik
Reformwille vorhanden

Die Regierung um Präsident Joseph Kabila bemüht sich um die Aussöhnung mit den Konfliktparteien und um die wirtschaftliche Entwicklung. Sie reformiert den Bankensektor und arbeitet daran, dass Rohstoffe zertifiziert und damit rückverfolgbar werden. Mittelfristig plant sie auch die Einrichtung einer Wertpapierbörse. All das braucht jedoch Zeit, Vorhaben werden in einem Verwaltungsapparat, wo Korruption allgegenwärtig ist, nicht immer umgesetzt. So hat der Internationale Währungsfonds ein Kreditprogramm über 528 Millionen Dollar vor einem Jahr eingefroren, weil das Land die Transparenzanforderungen aus IMF-Sicht nicht ausreichend erfüllt. Dabei geht es vor allem um die Veröffentlichung von Verträgen mit Minenkonzernen. Das autoritäre Regime hat bisher die Lage in den östlichen Provinzen nicht in den Griff bekommen, bewaffnete Konflikte flammen immer wieder auf. Die Regierung wünscht sich daher eine neue, mit mehr Befugnissen ausgestattete UN-Blauhelm-Mission. 

Investments
Afrika-Fonds und Kongo-Bond

Es gibt inzwischen zahlreiche Afrika-Fonds, die Demokratische Republik Kongo spielt jedoch in deren Portfolios bisher keine Rolle. Einen guten Riecher bewies zum Beispiel der BB African Opportunities (LU 043 384 724 0) mit einem Schwerpunkt auf Finanz- und Rohstoffwerten. Der Silk-Road Income (LU 044 577 887 0) setzt auf Staats- und Unternehmensanleihen aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten. Unerschrockene setzen auf die Kongo-Anleihe (XS 033 498 900 0), die bei einem Kupon von drei Prozent derzeit 4,8 Prozent Rendite bringt. Laufzeitende ist Juni 2029, die Währung US-Dollar.

Bildquellen: Henrique Martins/Istockphoto
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