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aktualisiert: 25.02.2011 15:37

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Aktien aus Osteuropa: Jetzt geht’s los

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Ungarn leidet noch immer an den Folgen der Finanzkrise
Die kommenden Sportereignisse in Osteuropa werfen ihre Schatten voraus. Auch deshalb bieten einige Länder den Anlegern viel Gewinnpotenzial.

von Petra Maier, €uro Magazin

Gleich dreimal wird die russische Stadt Sotschi in den kommenden Jahren der Mittelpunkt der Sportwelt sein: 2014 werden dort die Olympischen Winterspiele ausgetragen, von 2014 bis 2020 Grand-Prix-Rennen der Formel 1, und 2018 ist Sotschi einer der acht Veranstaltungsorte der Fussball-WM in Russland. Aber auch andere Länder Osteuropas richten sportliche Megaevents aus – etwa Polen und die Ukraine die Fußball-Europameisterschaft 2012. Auch deshalb bescheinigen Osteuropaexperten wie die der Bank of America Merrill Lynch einigen Ländern in der Region gute Wachstumsaussichten. Denn vor den Sportlern rücken die Bagger an: Stadien werden neu gebaut, Hotels hochgezogen, Straßen- und Bahnnetze erweitert, Flughäfen ausgebaut. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew zum Beispiel wurde gerade das neue Terminal am Flughafen Borispol eingeweiht.

Antreiber Deutschland

Neben den sportlichen Ereignissen spielt auch die deutsche Konjunktur eine wichtige Rolle. Osteuropa gilt als verlängerte Werkbank für deutsche Unternehmen. Nach einer Umfrage der Wirtschaftsauskunftei Creditreform wollen fast zwei Drittel aller exportorientierten Firmen in Deutschland ihr Geschäft in Osteuropa ausbauen. Das heißt: Auch weil die ökonomischen Aussichten für die Bundesrepublik 2011 positiv sind, steht Osteuropa eine starke Konjunktur und ein gutes Börsenjahr bevor. Allerdings entwickelt sich die dortige Wirtschaft uneinheitlich – während Polen die Finanzkrise gut weggesteckt hat, leiden andere Länder wie Rumänien, Bulgarien und Ungarn weiterhin an deren Folgen.

Neben der Fußball-EM sprechen für polnische Aktien vor allem die soliden Staatsfinanzen und die starke Konjunkturentwicklung. Die Bank Unicredit erwartet 2011 ein Wirtschaftswachstum von 4,4 Prozent. Zudem will sich die polnische Regierung der Europäischen Union weiter nähern und Staatskonzerne privatisieren. Das ist gut für den Kapitalmarkt, weil dadurch das Interesse institutioneller Investoren wächst. Zudem sind polnische Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 relativ moderat bewertet. Der Aktienindex WIG 20 notiert derzeit rund 25 Prozent unter seinem Höchststand von 2008. Mit einem Indexzertifikat auf den polnischen Aktienindex WIG 20 (siehe Tabelle) können Anleger auf die größten Unternehmen Polens setzen. Das Zertifikat ist nicht währungsgesichert und bildet neben dem Aktienmarkt auch den Wert der Währung Zloty gegen­über dem Euro ab. Das muss kein Nachteil sein. Denn mit wachsenden Investitionen ausländischer Konzerne steigt auch die Nachfrage nach dem Zloty, der in der Folge gegenüber dem Euro aufwerten dürfte.

Tschechien

„Aufgrund der engen Verbundenheit mit der deutschen Wirtschaft sollte auch Tschechien überproportional vom deutschen Aufschwung profitieren“, sagt Dominik Auricht von der HypoVereinsbank. Mit einem durchschnittlichen KGV von 12,6 ist der Tschechische Aktienindex CTX ebenfalls noch nicht zu teuer. Das Land erfüllt mit einer geringen Inflation, niedrigen Staatsschulden und moderaten Langzeitzinsen fast alle Eurokriterien. Nur das Haushaltsdefizit von knapp sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts müsste für den Beitritt zur Währungsunion noch auf unter drei Prozent fallen. Doch die Einführung des Euro könnte dauern, denn viele Tschechen lehnen ihn ab. 70 Prozent der Bevölkerung sprachen sich jüngst in einer Umfrage gegen den Euro aus.

Die Experten der Unicredit glauben, dass die Zinsen in Tschechien steigen, was die Krone gegenüber dem Euro stärken dürfte. Anleger können mit einem Zinszertifikat auf diese Entwicklung spekulieren. Zinszertifikate sammeln Geldmarktzinsen in der Fremdwährung an und bilden gleichzeitig die Entwicklung der Währung ab. Das Zinszertifikat auf die Tschechische Krone profitiert einerseits vom erwarteten höheren Zinsniveau in Tschechien und andererseits von einer stärkeren Krone.

Russland

2 2009 schrumpfte die russische Wirtschaft um fast acht Prozent. Und 2010 sorgten Ernteausfälle sowie der stark gefallene Gaspreis mit dafür, dass Russland nur schwach vom Aufschwung der Weltwirtschaft profitierte. Aber in diesem Jahr soll das Bruttoinlandsprodukt nach Prog­nosen des Internationalen Währungsfonds (IWF) um 4,3 Prozent zulegen. Die privaten Haushalte stehen bei den Banken kaum in der Kreide. Das sollte den privaten Konsum begünstigen. „Russland wird vom Wachstum der Inlandsnachfrage profitieren. Hinzu kommt ein höherer Ölpreis, internationale Übernahmeaktivitäten und natürlich die Fußball-WM“, fasst Michael Harris von der Bank of America Merrill Lynch die Meinung der meisten Experten zusammen.


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Stichwort Übernahmen: Der US-Getränkeriese PepsiCo gab im Dezember 2010 mit der Übernahme des russischen Konkurrenten Wimm-Bill-Dann für 3,8 Milliarden Dollar die bisher größte Auslandsinvestition in Russland außerhalb des Rohstoffsektors bekannt. Dies ist kein Einzelfall: Der Autobauer Renault will mit seinem russischen Partner AvtoVAZ ein neues Modell auf den Markt bringen. Der französische Konzern hält bereits 25 Prozent am größten Autobauer Russlands. Im Zuge der sportlichen Großereignisse werden zudem weitere westliche Firmen den russischen Markt entdecken. Gute Aussichten also für die mit einem durchschnittlichen KGV von 8,45 günstig bewerteten russischen Aktien. Der russische Aktienindex RDX notiert noch mehr als 600 Punkte unter seinem Hoch bei 2250 Punkten.

In dem von der Deutschen Börse berechneten Index DAXglobal Russia tummeln sich 30 russische Aktien aller Branchen. Wer eher auf Öl- und Gasfirmen setzen will, ist hingegen mit dem RDX, der von der Wiener Börse berechnet wird, besser bedient. In dem Index sind nur Aktien enthalten, die im Ausland ein Zweitlisting haben. Deshalb machen große Energiekonzerne mehr als die Hälfte des RTX aus. Ein Profiteur von mehr Infrastrukturmaßnahmen in Russland ist Kasachstan. Das Land, dessen Territorium nur zu einem kleinen Teil in Europa liegt, verfügt über immense Reserven an Rohstoffen, die für den Bau benötigt werden. Und während die Rohstoffnotierungen teilweise Rekordstände erreicht haben, notiert das Indexzertifikat der Royal Bank of Scotland, das den kasachischen Aktienmarkt abbildet, gut 21 Prozent unter dem alten Höchststand von Anfang 2007.

Länderübergreifend investieren

Anleger, die länderübergreifend investieren wollen, sollten auf sogenannte Basket-Zertifikate setzen. Diese Papiere enthalten eine Auswahl an Aktien, die nach bestimmten Kriterien zusammengestellt sind. Anleger mit Fokus auf hohe Dividenden können sich das Dividend Stars Eastern Europe Index-Zertifikat der Société Générale ins Depot legen. Dieses beinhaltet die zehn Aktien mit der höchsten Dividendenrendite aus dem CECE Composite Index, der Polen, Ungarn und Tschechien umfasst. Zurzeit sind das beispielsweise der tschechische Versorger CEZ, die Tabakfirma Philip Morris CR und der Energiewert Mol aus Ungarn.

Eine Alternative ist der Index New Europe Blue Chip, NTX, berechnet von der Wiener Börse. Der Index enthält die – gemessen am Streubesitz – 30 größten Werte aus Bulgarien, Kroatien, der Tschechischen Republik, Ungarn, Polen, Rumänien, Slowakei und Slowenien.

Und aus Österreich: Die Unternehmen des Alpenstaates spielen im Osten Europas eine wichtige Rolle. Wenn es etwa um den Straßenbau geht, ist Strabag aus Wien europaweit führend. Und dass mit Oleg Deripaska ein russischer Oligarch größter Strabag-Aktionär ist, ist sicher kein Zufall. Deripaska weiß um die lukrativen Geschäfte mit Olympia, der Fußball-WM und der Formel 1.

Bildquellen: Stuelpner/Pixelio

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