10.09.2013 09:48
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Zinstief kostet deutsche Sparer Milliarden

Die extrem niedrigen Zinsen in Europa kosten deutsche Sparer nach Berechnungen der Postbank allein in diesem Jahr real rund 14 Milliarden Euro an Wert.
Auch in den Folgejahren werde die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) immer größere Teile der Ersparnisse aufzehren. Im nächsten Jahr liegt der Vermögensverlust demnach unterm Strich sogar bei 21 Milliarden Euro. Durch den Anstieg der Inflation bei anhaltend niedrigen Zinsen wird sich die reale Vermögensentwertung beschleunigen, warnt Vermögensverwalter Mirko Albert, Vorstand der VALEXX Value Experts Vermögensverwaltungs AG, Hannover, vor den Folgen der sogenannten „kalten Enteignung“ oder „finanziellen Repression“. Ein Interview.

Gibt es in Deutschland (weltweit) tatsächlich eine finanzielle Unterdrückung, die als schleichende Enteignung wirkt?

Albert: Das, was wir in Deutschland und auch anderen Nationen erleben, wird ist tatsächlich eine „Finanzielle Repression“. Darunter versteht man die Verschiebung von Privatvermögen zu Gunsten des Staates. Bereits seit geraumer Zeit findet das tatsächlich statt: Denn die Inflation, also die Geldentwertung, ist größer als die Zinsen, die man als Kapitalanleger erhält. Zinsen werden durch Interventionen des Staates oder der Zentralbanken künstlich niedrig gehalten. Mit diesen Maßnahmen versucht sich ein Staat zu entschulden. Die schleichende Enteignung ist bereits Realität. Vielleicht haben sie es schon selbst erlebt: Wenn Sie heute Ihr Geld in 10 Jährigen Bundesanleihen anlegen, erhalten Sie gerade einmal ca. 1,7 Prozent Zinsen pro Jahr. Normalerweise müssten diese Anleihen in Deutschland bei ca. 3 bis 4 Prozent Zinsen pro Jahr liegen Faustregel: Bruttoinlandsprodukt (2014: erwartet 1,5 Prozent) + Inflation (2014: erwartet 1,9 Prozent).

Was kann man dagegen tun? Was tun Sie persönlich?

Albert: Ein Inflationsausgleich beziehungsweise realer Gelderhalt ist mit klassischen Anlagen wie Festgeld oder Sparguthaben nicht mehr zu erreichen. Es wird immer wichtiger Sachwerte und Anlagen, die eine höhere Rendite erwarten lassen, beizumischen. Hier sind Aktien von substanzstarken Unternehmen eine gute Wahl. Natürlich muss ein Anleger hierbei eine größere Schwankungsbreite in Kauf nehmen. Aber ohne diese Akzeptanz ist es nicht möglich eine reale Rendite und damit den Werterhalt seines Vermögens zu erreichen. Ich persönlich bevorzuge einen Mix aus guten Industrieanleihen, substanzstarken Aktien und etwas Gold.

Es gibt keine risikolosen Erträge mehr, sagen Finanzexperten. Im Gegenteil es gebe nur noch Risiken ohne Ertrag. Wie sehen Sie das?

Albert: Früher galten Staatsanleihen der Industrienationen als extrem sichere Geldanlagen. Das sieht heute in der Tat ganz anders aus. Vermeintlich sichere Anlagen beinhalten heute zum Teil erhebliche Risiken. Heute kommt es daher mehr denn je auf eine vernünftige und substanzielle Auswahl von Anlagen an, die man zuvor auch auf alle Risikofaktoren hin überprüft hat. Nach wie vor gibt es hervorragende Möglichkeiten Risiken zu senken und dennoch sehr gute und stabile Entwicklungen von Kapitalanlagen zu erzielen. Aber es kommt auf die richtige Auswahl und ein permanentes Risikocontrolling an.

Es wird allgemein angeraten, in Sachwerte auszuweichen. Gehören Immobilien dazu?

Albert: Auch Immobilien spielen bei der Diversifikation von Vermögen naturgemäß eine große Rolle. Je nach Vermögensstatus des Anlegers können diese im Rahmen von aktiver Kapitalanlage eingesetzt werden. Dies empfiehlt sich aufgrund des sogenannten Klumpenrisikos und mangelnder Fungibilität aber erst ab einer gewissen Vermögensgröße. Ist diese vorhanden, gibt es auch heute noch interessante Investitionsmöglichkeiten.

Wie ist der „Notgroschen“ derzeit einzuschätzen? Und wie hoch sollte er mindestens sein? Oder ist ein solches liquides Polster gar nicht mehr empfehlenswert?

Albert: Der „Notgroschen“ ist auf jeden Fall notwendig aber nicht pauschal bestimmbar. Hier hängt die Höhe der Liquiditätsreserve ganz individuell von der persönlichen Situation ab. Handelt es sich um einen Unternehmer, Freiberufler oder Gehaltsempfänger? Sind Anschaffungen in der nächsten Zeit geplant? Wie ist die Familiäre Situation? Und natürlich noch diverse weitere Faktoren, die zu berücksichtigen sind.

Sollte man in Gold anlegen, ist das sicherer als Geld auf der Bank?

Albert: Gold kann Sie vor einer weiteren Erosion des Vertrauens in das Papiergeldsystem schützen. Von daher ist Goldbesitz nicht nur eine Frage der Rendite, sondern vor allem eine Frage des langfristigen Werterhalts von Vermögen. Wir empfehlen unseren Kunden als strategische Absicherung der Vermögenswerte eine Goldbeimischung von 3 bis 8 Prozent, weil wir die Probleme der Staatsschuldenkrise insbesondere in Europa als nicht gelöst sehen.

Wenn es ganz schlimm kommt: Hat man als Kunde dann noch Zugriff auf sein Schließfach in der Bank, wo das Gold lagert?

Albert: Diese Frage kann natürlich nicht verbindlich beantwortet werden. Im Normalfall kann der Kunde zu seiner Bank gehen und den Inhalt seines Schließfaches mitnehmen. Sollte jedoch die Bank zwangsweise geschlossen werden, kommt der Kunde natürlich auch nicht mehr an seine Goldbestände heran. Auch ist es möglich, dass der Staat per Erklärung privaten Goldbesitz verbietet. In den Vereinigten Staaten von Amerika als auch in Deutschland wurde diese drastische Maßnahme im Zuge der Währungskrise den 20er und 30er Jahren eingesetzt, um die hohe Staatsverschuldung abzubauen.

Ist vielleicht ein Tresor zuhause derzeit eine gute Investition?

Albert: Nein, ganz sicher nicht. Zum einen stehen die Anschaffungskosten meistens in keinem Verhältnis zum Nutzen. Zum anderen ist die Sicherheitsfrage dadurch nicht endgültig gelöst, was viele Einbrüche immer wieder beweisen. Nicht wenige unserer Mandanten lagern daher über unser Haus Gold bei Banken ein. Bevorzugt bei namhaften Instituten in der Schweiz. Und das ganz sicher nicht aus steuerlichen Gründen.

Einziger Ausweg: Land kaufen und Selbstversorgung betreiben?

Albert: Sicher ein interessantes Hobby und vielleicht gut für die Gesundheit, aber zum Überleben nur in Untergangsszenarien notwendig. Diese sehen wir nicht. Gleichwohl gehört auch ein Investment in Land zu einem Sachwertinvestment. Entscheidend ist immer die Betrachtung des Gesamtvermögens vor der Investitionsentscheidung.

Immer mehr Privatanleger in Deutschland vertrauen bei ihrer Geldanlage auf bankenunabhängige Vermögensverwalter. Frei von Produkt- und Verkaufsinteressen können sie ihre Mandanten bestmöglich beraten. Mehr Informationen finden Sie unter www.vermoegensprofis.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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