Fed-Chef Kevin Warsh verweigert Märkten den erhofften Zinspfad für September

An seinem 100. Amtstag verweigert Fed-Chef Kevin Warsh in Jackson Hole genau das, worauf die Märkte gewartet haben: klare Signale zur Zinsentscheidung im September.
- Warsh distanziert sich in Jackson Hole von der Forward Guidance der Fed
- PCE-Inflation liegt bei 3,7 Prozent, über der Zielmarke von 2 Prozent
- Beim Arbeitsmarkt sieht Warsh bei 4,1 Prozent Vollbeschäftigung erreicht
Fed-Chef Kevin Warsh nutzt seine Keynote beim Symposium der Federal Reserve Bank of Kansas City in Jackson Hole heute, seinem 100. Amtstag, um sich von der bisherigen Kommunikationspraxis der Notenbank abzuwenden: Statt weiterer Signale zur Zinsentscheidung im September verweigert er laut seinem Redetext genau das, worauf Anleger und Ökonomen gehofft hatten, eine klare Vorfestlegung auf den nächsten Zinsschritt.
Warsh kündigt das Ende der Forward Guidance an
Warsh wendet sich gegen die Praxis, künftige Zinsschritte regelmäßig vorab zu kommunizieren. Regelmäßige Prognosen der Notenbank führten zu, wie er es nennt, Ambiguität im Namen der Klarheit. Wörtlich warnte er, ein Überteilen geldpolitischer Beratungen und eine Überverpflichtung auf künftige Entscheidungen könnten Märkte, Unternehmen und Haushalte in die Irre führen. Beobachte der Markt die Fed und blicke die Fed zugleich auf die Marktpreise, entstehe ein Verzerrungseffekt, den Warsh mit einem Spiegelkabinett vergleicht, dessen Folgen vor allem einkommensschwache Haushalte träfen.
Sechs Prinzipien statt Zinspfad
Anstelle eines vorgezeichneten Zinspfads benennt Warsh sechs Leitlinien: aktuelle statt veralteter Datenqualität, Vorsicht bei schwer beobachtbaren Angebotsfaktoren, ein festes Inflationsziel von 2 Prozent bei der PCE-Rate, ein duales Mandat ohne Zielkonflikt zwischen Preisstabilität und Beschäftigung, den kurzfristigen Leitzins als Hauptinstrument mit unkonventionellen Maßnahmen nur in echten Krisen, sowie die Bedeutung der Geldmenge für die Politik der Notenbank. Glaubwürdigkeit entstehe, so Warsh, allein durch das Liefern der eigenen Ziele, nicht durch Kommunikation.
Inflation bleibt laut Warsh das zentrale Problem
Die PCE-Inflation liegt nach Warshs Angaben auf Zwölfmonatssicht bei 3,7 Prozent, auf Sechsmonatssicht bei 4,1 Prozent, in beiden Fällen deutlich über der Zielmarke der Notenbank von 2 Prozent. 54 Prozent der PCE-Warenkörbe verzeichneten demnach Preissteigerungen von mehr als 3 Prozent binnen zwölf Monaten, gegenüber einem Durchschnitt von 32 Prozent in den beiden Jahrzehnten vor der Pandemie. Die Verantwortung für 65 Monate anhaltend erhöhter Inflation liege unmittelbar bei der Zentralbank selbst, sagte Warsh. Beim Arbeitsmarkt sieht er mit einer Arbeitslosenquote von 4,1 Prozent hingegen Vollbeschäftigung erreicht, gestützt von Unternehmensinvestitionen, die laut Warsh im Jahresvergleich um 9 Prozent zulegten, der höchsten Rate seit 2021.
Offene Frage für die Zinsentscheidung im September
Für Anleger bleibt nach der Rede die entscheidende Frage unbeantwortet: Wie die Fed die hartnäckig erhöhte Inflation mit einem robusten Arbeitsmarkt und lockeren Finanzierungsbedingungen zusammenbringt, ohne sich vorab auf einen Kurs festzulegen. Warsh selbst spricht von Disziplin statt Vorabentscheidung. Der nächste belastbare Datenpunkt ist die Sitzung des Offenmarktausschusses im September 2026, auf der sich zeigen wird, ob die sechs Prinzipien in eine konkrete Zinsentscheidung münden.
Alexandra Hesse, Redaktion finanzen.net
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