QUALCOMM-Aktie vs. NVIDIA-Aktie: Was der Amazon-Chip-Deal für die KI-Rangliste bedeutet

Amazon beschert QUALCOMM einen kräftigen Kurssprung, doch ein Blick auf die eigenen Wachstumsziele zeigt, wie groß der Abstand zum Platzhirsch im KI-Rechenzentrum bleibt.
Werte in diesem Artikel
- QUALCOMM springt nach der neuen KI-Chip-Kooperation mit Amazon kräftig an
- Eigenes Datacenter-Umsatzziel bleibt weit hinter NVIDIAs Zahlen zurück
- Auch Broadcom gewinnt parallel, was gegen eine Verdrängung NVIDIAs spricht
Als QUALCOMM am Dienstag eine mehrjährige Chip-Kooperation mit Amazon bekanntgab, schoss die Aktie um bis zu 7,6 Prozent auf 181,51 US-Dollar nach oben, ehe sie zum Handelsschluss an der NASDAQ mit einem Plus von 3,17 Prozent bei 174,09 US-Dollar aus dem Handel ging. Der Deal umfasst kundenspezifische Chips für KI-Inferenz sowie optische Verbindungstechnik mit bis zu 1,6 Terabit pro Sekunde für die Rechenzentren von AWS. Amazon erhält im Gegenzug einen Optionsschein auf bis zu 25 Millionen QUALCOMM-Aktien im Wert von rund 4,03 Milliarden US-Dollar, gebunden an Bestellungen von bis zu 60 Milliarden US-Dollar über zehn Jahre. In ersten Marktkommentaren liest sich das wie ein Angriff auf NVIDIAs Vormachtstellung im KI-Rechenzentrum. Ein Blick auf QUALCOMMs Zahlen relativiert diese Lesart deutlich.
QUALCOMM-Aktie: Nach schwachem Quartal kommt der Deal zur rechten Zeit
Der Kurssprung trifft auf eine Aktie, die dringend positive Nachrichten brauchte. Binnen drei Monaten war das Papier um 19 Prozent gefallen, nachdem der vorherige Quartalsbericht wegen stark steigender Speicherkosten im Smartphonegeschäft schwach aufgenommen worden war. Amazon hat im Zuge seiner ersten Zusage bereits 3,75 Millionen der Optionsscheinaktien im Wert von rund 604,7 Millionen US-Dollar erhalten, ausübbar nur, wenn der Konzern tatsächlich QUALCOMM-Produkte kauft. Der Deal ist bereits der dritte große KI-Rechenzentrums-Auftrag des Jahres: Zuvor hatte QUALCOMM Abkommen mit Meta Platforms für den Prozessor Dragonfly C1000 sowie mit Microsofts Azure-Sparte für die Chiparchitektur High Bandwidth Compute geschlossen.
QUALCOMMs Ziele bleiben ein Bruchteil von NVIDIAs Geschäft
Auf der Goldman Sachs Communacopia + Technology Conference bezifferte QUALCOMM-Finanzchef Akash Palkhiwala das erwartete Datacenter-Umsatzziel selbst: rund 5 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2027, mit "sehr hoher Zuversicht", und langfristig 15 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2029. NVIDIA erzielte allein im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027, das am 26. Juli 2026 endete, im Rechenzentrumsgeschäft einen Umsatz von 89 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 117 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. QUALCOMMs komplettes langfristiges Datacenter-Ziel für 2029 entspricht damit weniger als einem Fünftel dessen, was NVIDIA in einem einzigen Quartal umsetzt.
QUALCOMM zielt selbst auf NVIDIAs Softwarevorsprung
Auch beim Software-Ökosystem räumt QUALCOMM den Vorsprung des Rivalen ein. Finanzchef Palkhiwala bezeichnete NVIDIAs CUDA-Software-Stack auf der Konferenz als wesentlichen Wettbewerbsvorteil im KI-Bereich. QUALCOMMs Antwort ist die Übernahme des Softwareanbieters Modular, dessen Plattform auf mehreren Chip-Architekturen laufen soll, darunter NVIDIA, AMD, QUALCOMM, AWS und Apple. Ziel ist eine portablere Softwareschicht nach dem Vorbild von Android, die Entwicklern erlaubt, Modelle einmal zu portieren und auf verschiedenen Chips auszuführen. Dass QUALCOMM seine eigene Strategie explizit an CUDA misst, unterstreicht, welche Plattform im KI-Rechenzentrum weiterhin den Takt vorgibt.
Erste Umsätze aus der Amazon-Kooperation erwartet QUALCOMM bereits für das laufende Dezemberquartal, da die Produkte nach Unternehmensangaben schon in Produktion sind. Ob sich daraus ein Wachstumsschub ergibt, der den Abstand zu NVIDIA tatsächlich verkürzt, dürfte sich erstmals an diesen Zahlen ablesen lassen, die QUALCOMM im kommenden Jahr vorlegt.
Evelyn Schmal, Redaktion finanzen.net
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