17.12.2012 14:00
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GM: Warum Opel in Bochum die eiskalte Botschaft bekam

Automobil-Branche
2016 gehen bei Opel in Bochum die Lichter aus. Der US-Autoriese GM will mit einem Sparkurs den Turnaround in Europa schaffen. Eine Chance für Anleger.
€uro am Sonntag

von Tim Schäfer, Euro am Sonntag

Die deutsche Politik witterte Managementfehler. „Ich bin sauer“, schimpfte deshalb Wirtschaftsminister Philipp Rösler publikumswirksam in Richtung Detroit. Dort, in der US-Metropole, am Sitz der Opel-Mutter General Motors (GM), wurde die Entscheidung getroffen, welche die rund 3300 fest angestellten Mitarbeiter und circa 1000 Beschäftigte von Fremdfirmen ab sofort um ihre Jobs zittern lässt. 2016, so die Botschaft aus den Vereinigten Staaten, gehen am traditionsreichen Standort Bochum nach 50 Jahren die Lichter aus.

General Motors zieht also nach jahrelangem Hin und Her die Reißleine. Die Konsequenz: Tausende von Arbeitsplätzen können wegfallen. Bloß das Bochumer Logistikzentrum soll offenbar erhalten werden.

Betriebswirtschaftlich ist der Schritt verständlich. GM schreibt in allen Teilen der Welt schwarze Zahlen, nur in Europa nicht. Binnen drei Jahren will Unternehmenslenker ­Daniel Akerson nun endlich auch hier den Turnaround schaffen. Wegen der tiefroten Zahlen im alten Kontinent musste er im dritten Quartal einen Ergebnisrückgang um 14 Prozent verkraften. Beim Konzernumsatz konnte er indes einen leichten Anstieg auf 37,6 Milliarden Dollar verkünden.

Der größte Trumpf des einstmals weltgrößten Autokonzerns, der sich im globalen Branchenranking inzwischen auf Platz 3 wiederfindet, ist der Heimatmarkt. Das Autogeschäft in den USA brummt, die Nachfrage nach Neufahrzeugen befindet sich auf einem Vierjahreshoch. In den Vorkrisenjahren 2006 bis 2007 erwarben die Amerikaner zwischen ­ 16 und 17 Millionen Neufahrzeuge pro Jahr. Als die Finanzkrise sich ausweitete, brach der Absatz auf zehn Millionen Stück ein. Nun hat sich der Fahrzeugabsatz auf 14,9 Millionen erholt.

Absatztreiber Rostlaube
Einer der größten Absatztreiber sind die vielen Rostlauben auf amerikanischen Straßen. Die US-Pkw ­haben inzwischen ein Rekorddurchschnittsalter von elf Jahren erreicht. Notgedrungen investieren die Amerikaner in neue Vehikel. Hilfreich dabei ist, dass sich der Arbeitsmarkt leicht belebt und die Hauspreise sich stabilisieren. Hinzu kommt das niedrige Zinsniveau, das den Kauf auf Pump günstiger macht. Leasing­angebote sind so attraktiv wie seit Jahren nicht mehr. Rund 80 Prozent aller Verträge laufen inzwischen über Finanzierungen, weil die niedrigen Raten so verlockend sind.

Dass der Riese aus Detroit wieder quicklebendig werden würde, danach hatte es auf dem Höhepunkt der Finanzkrise nicht ausgesehen. Präsident George Bush gewährte GM eine Geldspritze in Höhe von neun Milliarden Dollar. Trotz der Schützenhilfe aus Washington musste GM — neben Chrysler — Insolvenz anmelden. Allein Ford hatte es von den drei großen Herstellern ohne Staatsgelder durch die Krise geschafft.

Ballastabwurf in der Insolvenz
Die Insolvenz nutzte der einstige Weltmarktführer, um Ballast abzuwerfen. 14 Fabriken und Tausende unprofitabler Autohäuser wurden geschlossen. Die in die Jahre gekommenen Marken wie Saturn oder Pontiac stellte die Führungsspitze ein, die luxuriöse Geländewagenmarke Hummer wurde verkauft.

Auch die US-Beschäftigten mussten Opfer bringen. Gehälter sowie neue Pensionsansprüche dampfte Detroit ein. Inzwischen zahlt sich der radikale Sparkurs aus. 2010 klingelte bereits mit 4,7 Milliarden Dollar ein schöner Gewinn in der Kasse, Im Jahr 2011 kamen unterm Strich sogar ­7,6 Milliarden zusammen.

Was bleibt, ist eine Unterdeckung in der Pensionskasse von rund ­ 13 Milliarden Dollar. Dafür liegen mehr als 15 Milliarden Dollar netto in der Kasse. Gerüchte an der Wall Street besagen, Konzernchef Akerson plane Aktienrückkäufe.

Insider sind bereits aktiv. So deckte sich Aufsichtsrat Thomas Schoewe am 5. November für rund 100.000 Dollar ein. Schoewe gilt als erfahrener Investor, war lange Jahre Finanzchef beim Einzelhandelstitan Walmart und beim Werkzeughersteller Black & Decker.

Auch Value-Anleger kaufen. Warren Buffetts Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway riss sich ein Prozent des Grundkapitals unter den Nagel. Und der gefürchtete Investor David Einhorn, der sonst mit aggressiven Leerkäufen von sich reden macht, ist aufgrund der niedrigen Bewertung hellauf begeistert. Sein Hedgefonds Greenlight Capital besitzt 1,4 Prozent des Kapitals. „Sie müssen für ein Jahrzehnt keine US-Steuern bezahlen, vermuten wir“, freut sich Einhorn über die kernigen Verlustvorträge aus den vergangenen Krisenzeiten.

Selbst den Staatsbesitz von 26 Prozent sieht Einhorn positiv. Er glaubt, dass Präsident Barack Obama nicht mit einem Minus aussteigt, sondern geduldig abwartet, bis sich der Kurs auf den Einstiegspreis Washingtons bei 53 Dollar erholt hat. Liegt Einhorn mit seiner Einschätzung richtig, müsste sich die Aktie erst verdoppeln, bis der Staat verkauft.

Investor-Info

General Motors
Aktie kommt ins Rollen
Die Bilanz des einst hoch verschuldeten Automobilriesen ist inzwischen grundsolide, 15 Milliarden Dollar Cash hat GM auf der hohen Kante. Operativ läuft es wieder, vor allem auf dem Heimatmarkt kommt der Autoabsatz in Schwung. Die Aktie ist günstig bewertet: Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut sieben liefert GM laut Schätzungen im kommenden Jahr ein Gewinnplus von gut 15 Prozent, im übernächsten Jahr sollen es über 20 Prozent werden.
ISIN: US37045V1008

Bildquellen: spirit of america / Shutterstock.com
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