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04.09.2010 10:00

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EINZELHANDEL

Experten zweifeln an der Zukunft von Karstadt



Handelsexperten prophezeien Karstadt keine guten Überlebenschancen
Nach erfolgreichem Verkauf der Warenhaus-Kette an Investor Berggruen sehen Fachleute weiter großen Konsolidierungsbedarf in der Branche.

von Stephan Bauer, Euro am Sonntag

Handelsexperten prophezeien dem soeben aus der Insolvenz entlassenen Warenhauskonzern Karstadt auf alleinstehender Basis keine guten Überlebenschancen. „Mehrere deutsche Warenhauskonzerne haben in der deutschen Konsumlandschaft nebeneinander keinen Platz. Es besteht nach wie vor Konsolidierungsbedarf“, sagte Christoph Schlienkamp, Handelsexperte beim Bankhaus Lampe, gegenüber der Wirtschaftszeitung Euro am Sonntag.

Aus betriebswirtschaftlicher Sicht sei es auf Dauer unumgänglich, sich mit Wettbewerbern wie dem Düsseldorfer Konkurrenten Metro, der die Warenhauskette Kaufhof Galeria betreibt, zusammen zu schließen. Experten vermuten zudem, dass der Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen dazu hinter den Kulissen bereits Gespräche geführt hat. „Die Diskussion um eine deutsche Warenhausgesellschaft wird schon bald wieder aufkommen. Manchmal gehen Dinge schneller, als man glaubt“, sagte Lampe-Analyst Schlienkamp.

Der deutsch-amerikanische Investor Berggruen hatte sich am Donnerstag nach monatelangem Ringen mit dem Vermieter-Konsortium Highstreet und seinen Gläubigern über eine Verringerung der Mieten verständigt. Am Freitag sollte das zuständige Gericht in Essen dann auf dieser Basis den Insolvenzplan genehmigen und das Unternehmen aus der Insolvenz entlassen. Die endgültige Entscheidung lag bis Redaktionsschluss dieser Zeitung jedoch noch nicht vor.

 

Berggruen hatte im Frühjahr mit seinem Angebot für eine Übernahme des Konzerns die Aussicht verbunden, alle Standorte zu erhalten und alle rund 25.000 Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Die Gewerkschaft Verdi hatte darauf hin eine Lösung mit Berggruen als Käufer befürwortet. Experten halten diese Zusagen jedoch für eine große Herausforderung. „Die Produktivität des Unternehmens, also der Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche, ist im Rückwärtsgang. Wenn es nicht gelingt, diesen Negativtrend umzukehren, werden auch die jetzt erreichten Mietzugeständnisse wieder aufgezehrt, spätestens dann tauchen die alten Existenzfragen wieder auf“, sagte ein weiterer Analyst.

Das zähe Ringen mit Highstreet um die Mietkonditionen sollte sich indes zunächst positiv auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens auswirken. Laut Branchenkreisen lag der Anteil am Umsatz, den Karstadt für die Filialmieten aufwenden musste, bislang bei etwa 14 bis 15 Prozent, bei manchen Häusern sind es Experten zufolge sogar um die 20 Prozent gewesen. „Diese Quote dürfte sich jetzt deutlich in Richtung der zehn Prozent verschoben haben“, sagte ein Experte. In der Branche ist demnach ein Umsatzanteil für Miete von acht bis zehn Prozent üblich.

Bildquellen: Julian Mezger

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