aktualisiert: 06.11.2012 17:35
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KPMG-Afrika-Chef: "Wir in Afrika sind quasi die Braut"

Moses Kgosana: Afrikas Zeit ist gekommen
Euro am Sonntag-Interview
Moses Kgosana, der Afrika-Chef des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens KPMG über den wirtschaftlichen Aufschwung auf dem Schwarzen Kontinent — und die treibenden Kräfte dahinter.
€uro am Sonntag

von Andreas Sieren, Euro am Sonntag

Afrikas Zeit ist gekommen, das sagt Moses Kgosana, Vorstandsmitglied der Wirtschaftsprüfungs- und -beratungsfirma KPMG. Im Interview erklärt der Mann, der sich aus einfachsten Verhältnissen in einem kleinen Dorf in Südafrika hochgearbeitet hat, wie das Engagement chinesischer Konzerne die Chancen des Schwarzen Kontinents verbessert und warum das autokratische System Chinas in Afrika so gut ankommt.

€uro am Sonntag: Herr Kgosana, seit Kurzem hört man im Westen immer mehr positive Stimmen über Afrikas Wirtschaft. Woran liegt das?
Moses Kgosana:
Es gibt mehrere vielversprechende Entwicklungen. Eine der wichtigsten — und das wird manchen überraschen — ist das Engagement der Asiaten. Seit einigen Jahren sind die Chinesen und Inder aktiv in Afrika. Vor allem die Chinesen kaufen im großen Stil Bodenschätze auf und investieren in Infrastruktur. Das bringt Afrika Geld. Es waren die Chinesen, die das Potenzial Afrikas entdeckt und den Kontinent somit auf die globale Tagesordnung gesetzt haben. Ohne diesen Impuls würde die Welt heute Afrika immer noch als den verlorenen Kon­tinent sehen. Wir sollten den Chinesen dankbar sein.

Beuten die Chinesen Afrika nicht auch aus und bringen ihre eigenen Arbeiter mit?
Das kommt vor, ist aber nicht die Regel. Da müssen wir cleverer werden und unsere Gesetzgebung so verändern, dass sie Investoren anlockt, aber gleichzeitig unsere eigenen Arbeiter schützt. Viel wichtiger für Afrika ist: Die Chinesen haben Wettbewerb geschaffen. Die westlichen Investoren wollen nun nicht zurückstehen. Diesen Wettbewerb um Afrika gab es vor zehn Jahren noch nicht, das stimmt zuversichtlich. Wenn ich mit meinen Kollegen in Europa spreche, sage ich ihnen, dass nun Afrikas Zeit gekommen ist. Die Menschen hier blicken nach vorn.

Ist das nicht zu optimistisch?
Nein, weil das Geschäft Infrastruktur gegen Ressourcen sich nun auch auf den produzierenden Sektor auswirkt. Kleine und mittlere Betriebe drängen auf den Markt, wie hier in Südafrika. Auch die Banken entwickeln sich gut, indem sie den Aufschwung finanzieren, etwa die Standard Bank oder die Absa Bank. Banken werden in Zukunft eine noch größere Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung Afrikas spielen. Der Telekommunikationssektor boomt ebenfalls. Dadurch können südafrikanische Unternehmen besser wachsen und nach Afrika expandieren.

Welche Länder überraschen Sie am meisten?
Ghana in Westafrika ist ein positives Beispiel, denn dort wurden vor Kurzem größere Öl- und Gasvorkommen entdeckt. Jetzt geht es darum, diese möglichst effizient zu fördern und mit dem Geld eine diversifizierte Wirtschaft aufzubauen. Auch im ehemaligen Bürgerkriegsland Sierra Leone gibt es viel Öl. In Ostafrika verzeichnen wir ebenfalls große Zuwachsraten.

Gilt für Afrika nicht: je mehr Rohstoffe, desto mehr Chaos im Land?
Das war früher so. Heute sichern Rohstoffe wie Eisenerz, Platin und Öl eine nachhaltige Entwicklung. Es gibt natürlich Probleme — wie kürzlich die gewalttätigen Streiks in Südafrika. Aber die Regierung nimmt das ernst und überlegt, wie man derartige Vorkommnisse künftig vermeiden kann. Ausländische Investoren analysieren ökonomische und politische Risiken — und zeigen Zuversicht für viele Länder auf dem Kontinent. Die Rohstoffe bringen Afrika Vorteile.

Warum jetzt plötzlich?
Weil die Regierungen gemerkt haben, dass sie nur an der Macht bleiben, wenn sie eine differenzierte Wirtschaft aufbauen. Das haben zwar noch längst nicht alle beherzigt, aber es werden immer mehr.

Müssen afrikanische Länder stärker miteinander kooperieren?
Es gibt schon Zusammenarbeit, aber noch lange nicht genug. Die Regierungen müssen sich anstrengen, damit innerafrikanischer Handel in Zukunft reibungsloser ablaufen kann. Regionale Kooperation ist wichtig, aber Afrika sucht auch global seine Rolle. Südafrika wurde ja im vergangenen Jahr zu den BRIC-Staaten eingeladen. Sie heißen jetzt BRICS. Südafrika soll demnach das Tor zu Afrika sein und bei wirtschaftlichen Beziehungen helfen.

Welche Rolle spielen deutsche ­Investoren?
Die Deutschen haben in vielen Ländern Afrikas über Jahrzehnte solide Wirtschaftsbeziehungen aufgebaut. Sie sind nicht so sehr im Rohstoffbereich aktiv, sondern etwa in der Automobilindustrie. Sie stehen in Afrika für Qualität und Nachhaltigkeit.

Qualität, die China und Indien nicht liefern können?
Ja, allerdings haben vor allem die Chinesen einen anderen Vorteil: Sie können Infrastruktur gegen ein staatliches Komplettpaket einschließlich der Kredite anbieten. Das können die Deutschen nicht, weil sie nicht über die einzelnen Unternehmen und Banken verfügen. Die Inder hingegen konzentrieren sich mehr auf den afrikanischen Konsumenten. Der indische Konzern Tata ist stark im Auto- und Telekommunikationssektor vertreten.

Können Afrikaner auch bei der Staatsführung von Asiaten lernen?
Ja. Auch wir brauchen im Prinzip autokratische, wirtschaftlich liberal geführte Regierungen. Wir müssen jedoch sicherstellen, dass Regierungen sich nicht mehr selbst bereichern. Es geht um starke, aber faire Staatsführung. Singapur halte ich für ein gutes Modell, von dem man in Afrika viel lernen kann. Das gilt auch für Südkorea, das eine phänomenale Entwicklung hingelegt hat.

Afrika ist trotzdem kein einfacher Investitionskontinent.
Richtig. Aber dennoch geht es bergauf wie nie zuvor in der Geschichte des Kontinents. Ich vergleiche den wirtschaftlichen Aufstieg Afrikas gerne mit der großen Tiermigration im Serengeti-Park in Kenia und Tansania. Jedes Jahr wandern Millionen von Tieren zu den Wasserstellen im Süden Kenias. Die Reise ist voller Gefahren. Es gibt wenig Wasser, Tiere trampeln sich gegenseitig zu Tode. Sie werden von Löwen gefressen. Sie müssen Flüsse voller Krokodile durchschwimmen. Dennoch folgen sie dem besseren Leben jenseits der Flüsse. So ist das auch mit den afrikanischen Ländern. Der Weg des Aufstiegs ist steinig, aber wenn man ankommt, wird man belohnt.

In welchen Sektoren sollten deutsche Unternehmen investieren?
Wir haben in Afrika eine junge, heranwachsende Mittelklasse, die in Zukunft viel Geld ausgeben möchte. Also würde ich Investoren raten, ihr Geld in Konsumprodukte zu investieren. Das sind Industrien, die auf dem Rohstoffsektor aufbauen und dazu beitragen, die jeweilige Wirtschaft zu diversifizieren. Der Agrarsektor bietet auch gute Möglichkeiten, denn wir haben viel fruchtbares Land. Infrastruktur verspricht ebenfalls Renditen. Aber auch hier liegt das Geld nicht auf der Straße. Wenn Sie in Afrika erfolgreich sein möchten, müssen Sie sich auf Risiken einlassen — wie vor 30 Jahren in China.

Unterschätzt der Westen Afrika?
Nein, das würde ich nicht sagen. Die Mehrheit der Länder erkennt die Stärken Afrikas an, sieht die Möglichkeiten, die sich auf dem Kontinent auftun. Frankreich ist wirtschaftlich noch sehr aktiv in Westafrika. Die USA haben starke Beziehungen zu den Ölländern wie Nigeria und Angola. Die Briten sind Vorreiter in der Entwicklungshilfe.

Warum sind die Chinesen so viel erfolgreicher in Afrika als die Europäer?
Die Chinesen sind weniger bürokratisch und demokratisch. Länder, die sich noch entwickeln, funktionieren manchmal besser unter einem moderat autokratischen Führungsstil.

Was heißt denn moderat?
Wenn ich moderat sage, meine ich, das Wohl des gesamten Landes im Blick zu haben und zügig Entscheidungen zu fällen, die zuweilen den Interessen einzelner Gruppen widersprechen. Offene, lange Debatten, die die Menschen einbinden, sind zwar grundsätzlich wünschenswert, fördern aber nicht immer Entscheidungen. Auch Chinesen wägen erst ab, entscheiden dann aber zügig. Danach gehen sie sofort an die Arbeit.

Was bedeutet das für die Zukunft Afrikas?
Wir in Afrika sind derzeit quasi die Braut, die sich den Bräutigam aussuchen kann. Gute Beziehungen mit Asien werden uns langfristig wirtschaftlichen Aufschwung bescheren. Der Westen ist schon ewig hier, hat aber nicht so viel in Afrika hinterlassen. Die Asiaten helfen uns derzeit mehr bei der nachhaltigen Entwicklung Afrikas. Also wenden wir uns nach Osten.

Gründer und Prüfer
Als Kind hütete Moses Kgosana Ziegen und lief jeden Morgen vier Kilometer barfuß in die Schule. Mit viel Disziplin schaffte er später als Erster aus seinem Dorf Klipgat in Südafrika einen Uni-Abschluss. Der studierte Volkswirt gründete die von Schwarzen geführte Wirtschaftsprüfungsfirma KMMT, die 2002 mit KPMG fusionierte. Heute ist der 53-Jährige nicht nur KPMG-Afrika-Chef, sondern auch Mitglied im globalen Vorstand von KPMG.

Bildquellen: Johan Swanepoel / Shutterstock.com
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