von Peter Gewalt, Georg Pröbstl und Tim Schäfer, Euro am Sonntag
Die Nachrichten, der Krieg, Hungersnöte, das große Chaos und der Preis für eine Büroklammer – wir ziehen das Kaninchen aus dem Zylinder. Die anderen sitzen da und wundern sich, wie wir das gemacht haben“, sagt Michael Douglas alias Börsenspekulant Gordon Gekko im Börsenfilmklassiker „Wall Street“. Nicht nur im Film, auch an der wirklichen Börse zaubern Groß- und Superinvestoren vom Kaliber eines Gordon Gekko so manches Kaninchen aus dem Hut.
US-Hedgefondsmanager John Paulson etwa machte 2007 mit seiner Spekulation auf den Zusammenbruch des US-Immobilienmarkts und Wetten gegen Subprime-Papiere rund 15 Milliarden Dollar Gewinn. Der New Yorker verdoppelte sein Privatvermögen damit auf 6,8 Milliarden Dollar. 1994 startete der ehemalige Bear-Stearns-Mitarbeiter seine Selbstständigenkarriere mit einer Assistentin und einem Kapital von zwei Millionen Dollar.
Ähnlich Carlos Slim. Der Tycoon aus Mexiko legte vor 20 Jahren mit dem Kauf der staatlichen mexikanischen Telefongesellschaft den Grundstock für seinen Reichtum. Auch Warren Buffett, der ungekrönte König der Superinvestoren, kam aus kleinen Verhältnissen. Ende der 50er-Jahre, im Alter von Mitte 20, hatte er es mit harter Arbeit und unternehmerischem Geschick aber bereits auf 175000 Dollar gebracht. Im vergangenen Jahr war es 200000-mal so viel.
Mit seinem Anlagestil des Value-Investing schwimmt der Mann aus Omaha seit über 50 Jahren auf der Erfolgswelle. Allein in den vergangenen 20 Jahren stieg der Kurs seiner Investmentfirma Berkshire Hathaway durch den ausgeprägten Spürsinn des Aktiengurus um das 15-Fache.

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In Zeiten der Börsendepression und in den Tiefen der 2008er-Kreditmarktkrise gingen die Superinvestoren allerdings nicht in sichere Deckung, sondern holten zum großen Schlag aus: Sie machten eine Einkaufstour. Buffett etwa pumpte Milliardensummen in die New Yorker Investmentfirma Goldman Sachs und den Mischkonzern General Electric. Aktuell übernimmt er den Eisenbahnkonzern Burlington.
Die aktuelle Kauffreudigkeit der Megainvestoren hat Signalwirkung für viele Anleger. Denn gerade jetzt schwächelt der Markt, die Unsicherheit über die künftige Entwicklung nimmt zu. Da beobachten viele mit Argusaugen, was die altbewährten Börsenhaudegen machen. Ein Sprichwort sagt nämlich: Einmal Erfolg haben ist Glück. Zweimal Erfolg haben Zufall. Dreimal Erfolg haben ist Können. „Die erfolgreichen Superinvestoren ziehen ihren jeweiligen Anlagestil durch und lassen sich dabei nicht irritieren“, weiß Georg Geiger, selbst Value-Investor und Vorstand der börsennotierten Value Holdings AG. Korrekturen um fünf Prozent, wie wir sie vergangene Woche erlebten, sind für Superinvestoren also nur kurze Momentaufnahmen und nicht von Bedeutung.
Im Jahrtausendboom belächelten viele Anleger zum Beispiel Buffett, weil er sich weigerte, in die damals umjubelten Internetfirmen zu investieren. „Die Superinvestoren sind nie durch große Richtungsänderungen in ihrem Anlagestil aufgefallen“, bestätigt auch Franz-Josef Leven, Börsenexperte beim Deutschen Aktieninstitut. Carl Icahn etwa verfolgt als Corporate Raider – als ein sogenannter Firmenplünderer – zwar einen anderen Stil als Buffett, bleibt diesem aber ebenfalls konsequent treu. „Jeder hat eine Idee und den Mut, auch Risiken dafür einzugehen“, beschreibt Leven die Superinvestoren.
Weitere Gemeinsamkeit der Überflieger: Sie sind mit eigenem Geld investiert. Naheliegend ist hier die Begründung, dass Manager, die selbst an einer Investmentfirma beteiligt sind, Anlageentscheidungen sorgsamer überdenken. John Paulson etwa steckt in seinen neuen Gold Fund 250 Millionen Dollar eigenes Geld.
Bei den Großen entdeckt man oft auch seherische Fähigkeiten. „Bei Investitionen in Standardwerte sind die Informationen allen bekannt. Superinvestoren verbuchen aber selbst beim Kauf von Bluechips oft bessere Erfolge, weil sie künftige Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft nicht selten vorausahnen“, erklärt Leven. Am Börsenerfolg der Überinvestoren teilzuhaben ist allerdings nicht ganz einfach.
Bill Gates etwa investiert über die eigene Stiftung oder Vermögensverwaltung. Bei Buffett dagegen sind auch Privatanleger willkommen. Die Berkshire Hathaway A ist aber mit 76000 Euro für eine einzige Aktie nicht jedermanns Sache. Auch der B-Anteil kostet noch 2500 Euro.
Vielmehr kostete: Denn vergangene Woche stimmten die Aktionäre der Beteiligungsgesellschaft für einen Split der Aktie 50:1. Bei einem künftigen Preis von etwa 50 Euro lässt sich dann auch mit kleinem Geld in Buffetts Imperium investieren. Wer weiß, wie sich der Kurs durch den Split entwickelt – vielleicht zaubert der Value-Papst damit ein weiteres Kaninchen aus dem Hut.
Warren Buffett: Star unter den Superinvestoren
Warren Buffett ist Kult. Seit Jahrzehnten schon pilgern Anleger in Scharen zur jährlichen Hauptversammlung seines Investmentunternehmens Berkshire Hathaway nach Omaha im US-Bundesstaat Nebraska, um dort den Ausführungen ihres Idols zu lauschen. Als „Orakel von Omaha“ hat Buffetts Wort tatsächlich großes Gewicht in der Welt der Börsen und Finanzen.
Berühmt ist er vor allem durch seinen Anlagestil. „Wenn man nicht bereit ist, eine Aktie zehn Jahre zu halten, darf man sie nicht einmal zehn Minuten besitzen“, sagt er und fasst damit in wenigen Worten sein enormes Erfolgsrezept zusammen: Auf fundamental unterbewertete Aktien setzen, Qualität günstig kaufen und diese Titel, wenn nötig, jahrelang im Depot halten. Es ist das Verhalten eines reinrassigen, langfristig orientierten Investors.
Buffetts Value-Strategie zahlt sich aus. Zwischen 1965 und 2008 kletterte der Wert des Eigenkapitals seiner Berkshire Hathaway Jahr für Jahr im Durchschnitt um 20,3 Prozent – mehr als doppelt so schnell wie die Kurse im S&P 500.
Der Superinvestor setzt vor allem auf Unternehmen mit seit Langem bewährten Geschäftsmodellen und hohen Mittelzuflüssen, also hohen Cashflows. In seinem Portfolio sind große Namen, vor allem viele Nahrungs- und Konsumgüteraktien wie Coca-Cola, Procter & Gamble, Kraft Foods oder Nestlé zu finden.
Der Kauf von Firmen mit geringem Risiko und stabilen Erträgen war jahrzehntelang seine Strategie. Im Jahrtausendboom etwa ließ Buffett die Finger von den Dotcoms. „Ich kaufe nur Aktien von Unternehmen, deren Geschäftsmodell ich verstehe“, sagt der Ausnahmebörsianer. Überraschend sind einige seiner jüngsten Käufe. Im November 2009 etwa die Übernahme von Burlington für 34 Milliarden Dollar.
Mit einem Kurs-Cashflow-Verhältnis von etwa zehn passt der Eisenbahnkonzern eigentlich weniger in Buffetts Beuteschema. Auch der Einstieg bei BYD, einem chinesischen Hersteller von Batterien und Elektroautos, im September 2008 ist kein klassisches Buffett-Investment. Dennoch: Wegen der guten Erfolge des Value-Strategen in der Vergangenheit sind diese Aktien sicher auch für Privatanleger mit langem Atem eine interessante Anlageidee. Hinzu kommen Aktien, auf die Buffett ein Auge werfen könnte. Kromi etwa kletterte um 50 Prozent, möglicherweise legt er dort nach. Bei K+S gab es im November Einstiegsgerüchte, woraufhin die Aktie um zehn Prozent stieg.
Aktuelle Investments: Buffett hält Anteile an etwa 50 börsennotierten Unternehmen. Zu den Investments der jüngeren Zeit zählen unter anderem Swiss Re, Burlington, Gannett, die chinesische BYD und Kromi Logistik.
Bildquellen: Michela Lietti