15.08.2016 16:40
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Veritas Pharma: Viel heiße Luft

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die Tatsache, dass dubiose Empfehlungsdienste neuerdings eine Cannabis-Aktie promoten ist symptomatisch: Gerade wird am Markt erneut die Legalisierungs-Karte gespielt und diesmal steht Kanada im Zentrum des Geschehens.
Ausgehend Veritas Pharma schaue ich mir heute den Sektor genauer an.

Kommen wir gleich zur Sache: Was hat Veritas zu bieten? Lassen wir das Unternehmen selbst zu Wort kommen: "Als eines der ersten kanadischen Unternehmen untersucht Veritas die Behauptungen zum therapeutischen Nutzen der ganzen Cannabispflanze auf wissenschaftlicher Basis. Veritas sieht es als seine Aufgabe, sowohl neue Stämme für spezifische Erkrankungen zu entdecken und zu entwickeln als auch Patienten und Ärzten den notwendigen wissenschaftlichen Beweis zu liefern, der den Einsatz von medizinischem Marihuana mit gutem Gewissen ermöglicht."

Klingt für den unbedarften Anleger gut, aber für mich ist ein Investment nach diesen beiden Sätzen bereits ein Tabu. Warum? Veritas will hier - wie man auch im Text andeutet - Pionierarbeit leisten. Nochmals ein Auszug aus der Pressemeldung zur konkreten Vorgehensweise:

"Der erste Schritt ist die Erstellung eines chemischen Profils für unterschiedliche Marihuana-Anbausorten. Der zweite Schritt besteht in der Erstellung eines pharmakologischen Profils, um nach erkrankungsspezifischen Stämmen zu suchen. Als dritten und letzten Schritt führen wir klinische Studien durch, um den Beweis für den klinischen Nutzen jeder einzelnen Anbausorte in ihrer Verabreichungsform als getrocknetes Blatt oder Ölextrakt zu erbringen."

Die Vorgehensweise mag fachlich-wissenschaftlich Sinn machen. Das Ausschlusskriterium ist aber der zeitliche und der kostentechnische Aspekt. Die Entwicklung eines neuen innovativen Arzneimittels dauert etwa zehn bis zwölf Jahre. Bereits im Jahr 2000 lagen die Kosten für die Entwicklung eines solchen Medikaments bei durchschnittlich 802 Millionen US-Dollar. Nur sehr wenige Substanzen, die in der Forschung getestet werden, kommen am Ende tatsächlich auf den Markt.

Alleine für die präklinische Entwicklung liegen die durchschnittlichen Barausgaben bei 121 Millionen US-Dollar. Das heißt, diese Summe muss Veritas geschätzt aufbringen, um überhaupt in die klinischen Testreihen zu kommen.

Bisher hat man nicht mal ein Prozent davon bei Investoren erlöst: "Veritas Pharma hat im Zuge einer in zwei Tranchen durchgeführten Privatplatzierung ohne Brokerbeteiligung einen Bruttoerlös von insgesamt 1.116.000 C-$ erzielt. Das Unternehmen investiert diese Summe in Cannevert Therapeutics Ltd., eine Gesellschaft mit Sitz in Vancouver (British Columbia), die von Akademikern der University of British Columbia geleitet wird", heißt es in der Meldung vom März.

1,16 Millionen kanadische Dollar also - brutto. Davon gehen acht Prozent Vermittlungsgebühren weg, so dass netto etwa 1,07 Millionen C-$ übrig bleiben dürften (Wechselkursverhältnisse $/C-$ und die Tatsache, dass die Kostenschätzungen bereits 16 Jahre alt sind, lassen wir der Einfachheit halber außen vor).

Doch es kommt noch schlimmer: Veritas muss ja zuerst mal die beabsichtigten 80 Prozent an Cannevert Therapeutics kaufen bevor man richtig loslegen kann. Dafür muss man 1,5 Millionen C-$ berappen. Das heißt, der Erlös der Privatplatzierung reicht nicht mal aus, um alle verbleibenden Tranchen (5mal 250.000 C-$) des Kaufpreises für Cannevert zu bezahlen.

Und vor der Privatplatzierung herrschte in der Kasse totale Ebbe. Die Bezahlung der ersten Tranche von 250.000 C-$ am 15.Dezember war nur möglich nachdem man am 8.Dezember einen Kredit über 210.000 C-$ aufgenommen hatte. Danach lagen zum 31.Januar 2016 noch exakt 3.829 C-$ in der Kasse. Das heißt, der Erlös der Privatplatzierung muss teilweise zur Tilgung des aufgenommenen Kredits verwendet werden.

Für uns als Anleger geht die Rechnung hinten und vorne nicht auf: Die Gesamtbewertung von Cannevert liegt auf Basis der 1,5 Millionen C-$ für 80 Prozent bei 1,875 Millionen C-$.

Veritas hat aktuell 21,2 Millionen ausstehende Aktien. Auf Basis des Schlusskurses vom Donnerstag an der Canadian Stock Exchange (CSE) von 0,32 C-$ ergibt sich eine Marktkapitalisierung von 6,78 Millionen C-$. 2,1 Millionen Aktienoptionen sind aktuell noch ausstehend, von denen 500.000 zu 0,10 C-$ ausgeübt werden können und 1,6 Millionen zu 0,25 C-$. Werden die Optionen gewandelt fließen zusätzlich 450.000 C-$ an Veritas. Insgesamt kommen wir dann ziemlich exakt auf die benötigten 1,5 Mio. C-$.

Bei dann 23,3 Millionen ausstehenden Aktien liegt die derzeitige Marktkapitalisierung voll verwässert also bei 7,46 Millionen C-$.

Warren Buffett empfiehlt ja richtigerweise, dass wir als Anleger vor dem Kauf einer Aktie überlegen, ob wir auch bereit wären, die gesamte Firma zum aktuell angebotenen Preis zu erwerben. Aber warum sollten wir 7,46 Millionen C-$ für eine Holding (ohne eigenes operatives Geschäft) bezahlen, deren einziges werthaltiges Asset die Mehrheitsbeteiligung an Cannavert sein wird, die Veritas selbst aber insgesamt nur mit 1,875 Millionen C-$ bewertet?

Rund sechs Millionen kanadische Dollar oder rund 80 Prozent der Marktkapitalisierung von Veritas bestehen damit "aus heißer Luft". Entsprechend liegt der faire Wert des Unternehmens aktuell in etwa bei 1,5 Millionen C-$ oder 0,064 C-$ je Aktie bzw. 0,044 Euro je Aktie.

In der Praxis wird es sogar so laufen, dass die letzte der Kaufpreis-Tranchen erst 15 Monate nach der Privatplatzierung im März dieses Jahres überwiesen werden dürfte (so die Vorgabe im SEDAR-Filing), also erst im Juni 2017.

Tatsächlich dürfte der Erlös wohl auch verwendet werden, um den gleich vier Personen umfassenden eigenen Vorstand (Veritas verfügt über einen "fachlich vielseitigen Vorstand mit Experten aus den Bereichen Finanzwesen, Pharmakologie und Landwirtschaft" der im April noch um den Krebsexperten Dr. Donald R. Carlow ergänzt worden) und andere laufende Kosten zu bezahlen.

Nicht zu vergessen auch: Die Marketingausgaben zur Bekanntmachung der eigenen Aktie. Pennystocks.de zum Beispiel schreibt ausdrücklich: "Der Ersteller dieser Publikation sowie mit ihm verbundene Personen halten eine maßgebliche Beteiligung an der empfohlenen Aktie. Außerdem erfolgen für die Erstellung dieser Empfehlung finanzielle Zuwendungen an den Herausgeber. Ebenso erfolgt eine Bezahlung zur Verbreitung dieser Empfehlung durch zahlreiche Online-Medien sowie andere Verbreitungsmöglichkeiten, um diese Empfehlung weitmöglich im Internet zu verbreiten."

Zumindest indirekt müssen diese Kosten ebenfalls von Veritas Pharma beglichen werden.,Übrigens: Fragen Sie doch mal bei profitableaktien.de nach, die Veritas in dieser Woche ebenfalls empfohlen haben, ob Sie deren "Analystin" Romy Hahn persönlich kennenlernen können. Ich vermute nämlich, dass es diese Romy Hahn gar nicht gibt. Aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren. Meine Adresse ist redaktion@geldanlage-report.de Romy, bitte melde Dich!

Genug gelacht, zurück zu Veritas: Das heißt, bis dann im Juni nächsten Jahres tatsächlich die letzte Tranche der Cannavert-Übernahme fällig wird, muss Veritas aller Voraussicht nach bereits wieder neues Kapital von den Anlegern einsammeln oder alternativ weitere Aktienoptionen ausgeben, die dann aber bei Ausübung wieder die Zahl der ausstehenden Aktien erhöht. So oder so wird es zu einer weiteren Verwässerung der Altaktionäre kommen.

Wie stark diese sein wird, hängt dann davon ab wie hoch der Kurs der Aktie dann noch sein wird. Anzunehmen ist, dass der Kurs dann wesentlich tiefer liegen wird (siehe Rechnung oben), entsprechend mehr neue Aktien müssen an Investoren verkauft werden und entsprechend größer ist der Verwässerungseffekt.

Die Summe, die letztlich in die tatsächliche Forschung fließen kann, die ja dann irgendwann Mehrwert für die eigenen Aktionäre generieren soll, dürfte angesichts der zu begleichenden anderen Ausgaben, vergleichsweise gering sein.

Die Hoffnung von Cannevert, dass ein Großteil der benötigten Finanzmittel über akademische bzw. industrielle Förderungsprogramme und wissenschaftliche Steuervergünstigungen aufgebracht werden kann, dürfte sich angesichts der erforderlichen Summen aller Voraussicht nach als Träumerei herausstellen.

MEIN FAZIT:

Meiden Sie die Aktie unbedingt. Wie oben vorgerechnet bestehen mindestens 80 Prozent der aktuellen Veritas-Börsenbewertung aus heißer Luft.

Armin Brack ist Chefredakteur des Geldanlage-Reports. Gratis anmelden unter: www.geldanlage-report.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Bildquellen: Yellowj / Shutterstock.com

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