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27.09.2010 06:00

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KOPF DER WOCHE

Constantin-Chef: „Wir haben noch immer ein negatives Image“

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Bernhard Burgener will die Gruppe in einem einzigen börsennotierten Unternehmen zusammenzufassen
Seit zwei Jahren führt Bernhard Burgener die Constantin Medien AG. Der Film- und Fernsehkonzern leidet unter Verlusten und den Gespenstern der Vergangenheit. Ein Gespräch über Geld und Image.

von Wolfgang Ehrensberger, Euro am Sonntag

Die Constantin Medien AG ist weit mehr als eine Filmfirma. Zwar gehört Constantin Film, eigenen Angaben zufolge Deutschlands größer Filmproduzent und -vermarkter mit Kino-Blockbustern wie „Die unendliche Geschichte“ oder „Das Parfum“, natürlich dazu. Doch daneben umfasst die vor rund zwei Jahren zusammengeführte Mediengruppe aus München auch den Sportkanal Sport 1 (früher DSF) samt Onlineportal und den Schweizer Sportrechtehändler Highlight, an dem Constantin Medien 47 Prozent hält. Über die ebenfalls börsennotierte Highlight AG vermarktet die Constantin Medien die UEFA Champions League.

Bernhard Burgener steht seit zwei Jahren an der Spitze der Constantin Medien AG, in einer Doppelfunktion ist er zugleich Chef der Tochter Highlight. Und hat damit auch an mehreren Fronten zu kämpfen. Größter Einzelaktionär bei Cons­tantin Medien ist der Münchner Medienunternehmer Leo Kirch, der über seine Beteiligungsgesellschaft KF 15 18,7 Prozent der Anteile hält und über eine Option Zugriff auf weitere acht Prozent hat. Burgener gilt als Vertrauter Kirchs, der die Gruppe im Sinn des Patriarchen ordnet. Keine leichte Aufgabe: Der Schweizer muss am Firmensitz in Ismaning bei München daran arbeiten, dass das Un­ternehmen an den Kapitalmärkten besser verstanden wird.

Dabei holen ihn die Geister der Vergangenheit immer wieder ein. Denn die Firmengruppe ist in Teilen aus der früheren EM.TV hervorgegangen, die in den 80er-Jahren von Thomas Haffa gegründet und später zum Star des Neuen Markts wurde, bevor der Absturz folgte. Bei der Finanzierung einer 2011 fälligen Wandelanleihe bekommt Burgener das schlechte Image noch heute zu spüren.

€uro am Sonntag: Der von manchen Analysten schon für dieses Jahr erwartete Durchbruch ist bei Constantin Medien ausgeblieben. Die Restrukturierung belastet weiter das Ergebnis. Ist das der einzige Grund für die Kursverluste von fast 20 Prozent in diesem Jahr?
Bernhard Burgener: Unsere Aktionäre haben früher mit Teilen dieser Firmengruppe schon einiges erlebt. Das Vertrauen in die Constantin Medien AG muss noch wachsen.

Der frühere Name EM.TV wirkt immer noch nach?
Nicht nur. Der Name EM.TV liegt doch mittlerweile in weiter Ferne. Aber wenn wir beispielsweise mit Banken reden, spüren wir, dass dort das negative Image von früher noch präsent ist. Auch deshalb haben wir uns vor zwei Jahren bei der Neuorganisation entschieden, die Gruppe Constantin Medien zu nennen. Constantin ist eine international starke Marke, die signalisiert, dass es einen Neuanfang gegeben hat.

Wahrscheinlich kommt Constantin Medien an der Börse auch deshalb nicht so gut weg, weil die Firma als Konglomerat wahrgenommen wird ...
... wir sind kein Konglo­merat. In unseren Geschäftsfeldern gibt es viele Gemeinsamkeiten. Zwei davon – die Vermarktungsgeschäfte von Team (Highlight) und das Filmgeschäft der Constantin Film – entwickeln sich prächtig. Beim dritten Geschäftsfeld Sport haben wir die Restrukturierung jetzt abgeschlossen und gehen wieder in die Offensive, zum Beispiel mit dem neuen Pay-TV-Kanal Sport1+. Im Sportsegment sind wir aber noch nicht dort, wo wir sein wollen.

Werden Sie in der Gruppe Ihre Jahresziele erreichen?
Davon gehen wir aus. Wir werden 2010 bei einem Umsatz von 440 bis 460 Millionen Euro ein negatives Ergebnis nach Steuern von zwölf bis 14 Millionen Euro einfahren. Nach einem halben Jahr liegen wir bei minus 3,3 Millionen Euro. 2011 wollen wir die Gewinnschwelle erreichen und 2012 erstmals schwarze Zahlen schreiben.

Müssten Sie bei dem Halbjahresergebnis nicht schon jetzt die Prognose 2010 anheben?
Wir halten an unserer ­Prognose fest, mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Die Tochterfirma Highlight ist ebenfalls börsennotiert. Ist eine derartige Doppelnotiz auf Dauer sinnvoll?
Als ich antrat, waren mit EM.Sport Media, Constantin Film und Highlight drei Gesellschaften börsennotiert. Inzwischen haben wir durch ein Squeeze-out eine – Constantin Film – von der Börse nehmen können. Ich sehe als Fernziel, die Gruppe in einem einzigen börsennotierten Unternehmen zusammenzufassen. Aber dafür müssen sich Cons­tantin Medien und Highlight bei der Profitabilität auf Augenhöhe begegnen. So weit sind wir noch nicht.


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Sollte Highlight nicht Constantin übernehmen? Immerhin wäre Constantin jetzt günstig zu haben.
Wie soll ich denn den Highlight-Aktionären erklären, jetzt die Constantin Medien AG zu übernehmen, die noch Verluste macht? Highlight schreibt dagegen seit vielen Jahren schwarze Zahlen. Wenn Highlight Constantin Medien übernehmen wollte, bräuchten wir einen dreistelligen Millionenbetrag. Außerdem steht 2011 erst einmal die Refinanzierung einer Wandelanleihe an.

Was kommt da auf Sie zu?
Diese 2006 begebene Wandelschuldverschreibung mit Ver­zinsung von 5,25 Prozent läuft eigentlich bis 2013, die Gläubiger haben aber ein Rückzahlungsrecht im Mai 2011. Wir rechnen damit, dass wir zu diesem Zeitpunkt 48 bis 50 Millionen Euro zurückzahlen müssen. Aus eigener Kraft können wir 20 bis 25 Millionen Euro stemmen, weitere 25 bis 30 Millionen Euro müssen wir fremdfinanzieren. Wir führen derzeit Gespräche mit den Banken. Die sind sicher nicht einfach, aber wir werden das Problem lösen.

Und wenn die Gespräche mit den Banken nicht zum Erfolg führen?
Banken sind ja nicht unsere einzige Option. Wir haben das Glück, dass die Aktionäre und Geschäftspartner zu unserem Unternehmen stehen. Letztes Jahr, als es auch schwierig war mit den Banken, ist zum Beispiel ein befreundeter privater Investor eingestiegen, der uns zu einem fairen Zinssatz 30 Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Eine Kapitalerhöhung zur Refinanzierung der Anleihe schließe ich aus, Private-Equity-Lösungen ebenso.

Bleibt es bei der Aktionärsstruktur?
Als ich vor zwei Jahren anfing, gab es keine unternehmerisch geprägte Aktionärsstruktur. Jetzt haben wir eine Aktionärsfamilie, denn Mitglieder von Aufsichtsrat und Vorstand halten zusammen gut ein Drittel der Anteile. Ich halte derzeit 5,9 Prozent und werde weiter dazukaufen. Auch die KF 15, die derzeit auf 18,7 Prozent kommt, kann bekanntlich ihre Beteiligung per Option um weitere acht Prozent ausbauen. Damit gibt es eine stabile Aktionärsbasis – in diesen Zeiten ein unschätzbarer Vorteil.

Im Profil
Bernhard Burgener wurde 1957 in Basel geboren, ist seit 1991 verheiratet und hat zwei Kinder. Der Schweizer übernahm 1994 Highlight und brachte den Rechtehändler 1999 an die Börse. Nachdem Highlight 2007 von EM Sport Medien geschluckt worden war, rückte er dort an die Spitze.

Bildquellen: Constantin

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