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26.09.2010 06:00

Die Megainvestoren - Wo das dicke Geld verdient wird

Folgen
Pensionsfonds, Versicherungen und Staatsfonds beeinflussen mit ihren Millionen die Kurse rund um den Globus. Ein Ausflug in die Welt des großen Geldes.
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von Tim Schäfer

Bill Gross stapelt gern tief. „Es war meine allererste offizielle Einladung nach Washington in 35 Jahren“, beschrieb er seinen kürzlich erfolg­ten Besuch im US-Finanzministerium. Unter den vielen mächtigen Leuten habe er sich anstrengen müssen, um nicht dumm auszusehen. Dabei hören Politiker und Anleger rund um den Globus schon seit vielen Jahren genau hin, wenn Bill Gross etwas zu sagen hat. Sein monat­licher Investmentausblick, den er im Internet veröffentlicht, wird im Schnitt von 165 000 Finanz­profis weltweit gelesen.

Und so hatte ihn die Regierung auch keineswegs zu irgendeinem x-beliebigen Dinner eingeladen – sie ließ sich beraten, wie die Zukunft der staatlichen Hypothekenbanken Freddie Mac und Fannie Mae aussehen könnte. Die beiden staatlichen Immobilienfinanzierer haben Hypotheken im Wert von vier Billlionen Dollar garantiert und sind mit bisher 150 Milliarden Dollar Verlust das größte schwarze Finanzloch der US-Regierung. Warum hört die Regierung in einer so wichtigen Sache auf Bill Gross?

Ganz einfach: Der 66-Jährige ist einer derjenigen, der die Hypotheken einmal übernehmen soll. Als Mitbegründer und Chef eines der größten Vermögensverwalter der Welt, Pimco, verantwortet Gross fast 800 Milliarden Euro Anlegergelder. Wenn Bill keine Hypotheken­anleihen kauft, hat die US-Regierung ein echtes Problem.

Aldi-Investments

Die Beratungstätigkeit in Sachen Fannie Mae und Freddie Mac steht für die Macht großer institutioneller Investoren. Sie bewegen mit ihren Billionen die Börsen und Anlagemärkte der Welt. Auch in Deutschland. Pimco gehört seit 2000 zum Allianz-Konzern, bei dem monatlich Beiträge in 10,2 Millionen Lebensversicherungen eingezahlt werden. Dieses Geld muss die Allianz Leben anlegen, um die Ansprüche der Sparer später bedienen zu können. Aktuell haben die Münchner wie alle anderen deutschen Lebensversicherer ein Problem: Ihren Kunden haben sie Renditen zwischen drei und vier Prozent auf Lebens- und Rentenpolicen versprochen. Doch bei deutschen Staatsanleihen sind derzeit maximal zwei Prozent zu holen.

Die Allianz Leben hat deshalb soeben eine Neuausrichtung angekündigt. Sie investiert stärker in Immobilien – mit ­Aldi Süd hat sie die Übernahme von 80 Filialen vereinbart. Der Vorteil für die Allianz: Bei dem schuldenfreien Lebensmitteldiscounter tendiert das Ausfallrisiko gegen null, die Mietzahlungen sind sicher. Weiterer Pluspunkt: Die Mietverträge laufen langfristig. Insgesamt legt der deutsche Branchenprimus Gelder von mehr als 400 Milliarden Euro an. In den kommenden Jahren will Allianz-Leben-Chef Maximilian Zimmerer den Immobilienanteil von derzeit acht Milliarden Euro auf 15 Milliarden Euro nahezu verdoppeln.

Versicherer, aber auch Pensionskassen mögen Immobilien, weil ihnen über die Mieten stetig Geld zufließt. Das brauchen sie, um monatlich Gelder an Rentner und Pensionäre auszuzahlen. Aktien rentieren zwar langfristig höher, aber die Erträge schwanken. Daher richten sich die Portfolios deutscher Versicherer neben Immobilien stark auf Anleihen aus.

Wegen deren Mickerrenditen mögen Profianleger sogenannte „Alternative Investments“. Darunter fallen exotische Anlagen wie Studentenwohnheime, Park­plätze, Mobilfunktürme oder Eisenbahnstrecken. Auch die oft gescholtenen Hedgefonds werden hauptsächlich mit Anlagegeldern aus Pensionskassen wie CalPERS gefüttert. Der Pensionsfonds für Bedienstete des Öffentlichen Dienstes in Kalifornien betreut die Gelder von 1,6 Millionen Mitgliedern und ist der größte seiner Art weltweit.

Hedgefonds sollen für CalPERS und Co keine dreistellige Renditen erwirtschaften. Meist versprechen die Geldmanager einstellige Jahresrenditen – allerdings unabhängig davon, was am Aktien- oder Bondmarkt passiert. Und auch das wilde Zocken ist nichts für Versicherungen und Pensionskassen: Gesetzliche und interne Regelungen fordern vor jeder großen Investmententscheidung eine ausgiebige Prüfung. Auch die Risikosteuerung scheint bei den traditionellen Großanlegern besser zu funktionieren.

Verbrannte Milliarden

Mit regelmäßigen Auszahlungen muss sich der chinesische Staatsfonds China Investment Corporation (CIC) nicht plagen. Sein Problem sind eher zu große Zuflüsse. Chinas Währungsreserven wuchsen in den letzten Jahren auf 2,1 Billionen US-Dollar. Ein Großteil der Summe liegt in niedrigverzinsten Staatsanleihen. Vor drei Jahren gründete die chinesische Regierung die CIC mit dem Ziel, mehr Rendite zu erwirtschaften. Ende 2009 verwaltete Fondsmanager Lou Jiwei 332 Milliarden Dollar. Er gilt als einer der mächtigsten Geldverwalter weltweit, bereits 2008 kürte ihn das „Time Magazine“ zu einem der 100 einflussreichsten Menschen der Welt.

Der 59-jährige Berufspolitiker Lou war zuvor stellvertretender Finanzminister Chinas gewesen. Das praktische Know-how in Sachen Investment soll seine rechte Hand und Chefinvestor Gao Xiqing beisteuern. Gao studierte in den USA Jura und arbeitete bei der New Yorker Kanzlei Mudge Rose Guthrie Alexander & Ferdon, deren Schwerpunkt Firmenfusionen und -übernahmen sind.

Allerdings sind die ersten Ergebnisse des kommunistisch-kapitalistischen ­Duos durchwachsen. Im Mai 2007 investierte CIC drei Milliarden Dollar in die ame­rikanische Private-Equity-Firma Black­stone Group und erwarb einen Anteil von neun Prozent. Vier Monate später zahlte der Fonds fünf Milliarden Dollar für ein 9,9-Prozent-Paket an Morgan Stanley, der zweitgrößten US-Investmentbank nach Goldman Sachs. Doch im Zuge der Finanzkrise stürzten beide Positionen ab. Lou geriet in China in die Kritik.

Das hielt ihn aber nicht ab, weiter in das Who’s who der amerikanischen Wirt­schaft zu investieren: Ob beim Elektronikkonzern Apple, dem Einzelhandelsriesen Johnson & Johnson, dem Vermögensverwalter BlackRock, den Banken Bank of America und Citigroup oder Coca-Cola – überall hat CIC signifikante Aktienanteile erworben.

Das wirft Fragen nach den politischen Motiven auf. In Reden versichern Lou und Chinas Premier Wen Jiabao immer wieder, dass CIC unabhängig agiere und die Entscheidungen auf dem Ergebnispotenzial der Aktien beruhten. „Ich muss Geld verdienen. Wenn ich das nicht schaffe, überstehe ich den Job nicht“, erläuterte Lou auf der Weltbankkon­ferenz vor zweieinhalb Jahren.

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise bestanden in den USA wenig Bedenken, das Geld aus China oder dem Mittleren Osten, wo das Gros der Staatsfonds sitzt, anzunehmen. Milliardensummen flossen in die angeschlagenen US-Banken, stabilisierten das fragile Finanzsystem. So pumpte beispielsweise Kuwait drei Milliarden Dollar in die Citigroup. Aber auch diese Investments waren nicht immer von Erfolg gekrönt. Als der Investmentarm Singapurs, die Temasek Holding, den Wert der Beteiligungen an Merrill Lynch und Barclays aufgrund des Kurssturzes abschreiben musste, flog die Führungsmannschaft in hohem Bogen raus. Der asiatische Stadtstaat richtete seinen Fonds neu aus. Ähnlich hat sich die Abu Dhabi Investment Authority mit einem zu frühen Einstieg bei der Citi­group die Finger verbrannt. Die Staatsfonds suchen Hilfe. Zum Beispiel beim New Yorker Finanzprofessor Nassim Taleb und bei Nouriel Roubini. Die beiden Ökonomen hatten jahrelang vor der Immobilienblase und der enormen Bankenabhängigkeit gewarnt. Taleb führt nun Verhandlungen mit CIC. Die Chinesen könnten ihm laut „Wall Street Journal“ bis zu vier Milliarden Dollar anvertrauen. Taleb managt den Universa-Fonds, der speziell zur Absicherung von Aktienpaketen entwickelt wurde. Der Fonds soll gegen extreme Börsenereignisse wie den Kurssturz nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 ab­sichern.

Staatsfonds haben unterschiedliche Ziele. Erdölnationen wollen das Geld für künftige Generationen anlegen, für die Ära nach dem Öl. Exportnationen wie China oder Japan wollen ihre überschüssigen Milliarden breiter diversifizieren, nachdem sie lange Zeit fast ausschließlich US-Staatsanleihen gehortet hatten. Eins haben die staatlich gelenkten Fonds aber gemeinsam: Sie sind verschwiegen. Nur wenn ihre Transaktionen so groß sind, dass sie den Börsenaufsichten gemeldet werden müssen, dringen Informationen auch an die Öffentlichkeit.

Die große Ausnahme sind die transparenten Norweger. Auf der Internetseite des Folketrygdfondet, der staatlichen Behörde, die den Pensions­fonds verwaltet, sind alle Einzelpositio­nen abrufbar. Hier kann alle Welt nachvollziehen, dass auch die größten institutionellen Anleger nur mit Wasser kochen. 2008 verlor der Fonds 92 Milliarden Dollar.

Dafür legen die Nordeuropäer großen Wert auf ethisch einwandfreie Investments. Wenn das Investmentkomitee entscheidet, aufgrund von Umweltverstößen oder schlechten Arbeitsbedingungen Aktien einer Firma zu verkaufen, werden die genauen Gründe ebenfalls veröffentlicht. So wie kürzlich im Fall zweier israelischer Firmen. Der Fonds trennte sich am 24. August von den Anteilen am Bau­unternehmen Africa-Israel und dessen Tochter Danya Cebus, die beim Bau von Siedlungen in Palästinenser-Gebieten beteiligt waren. Nach Einschätzung des Anlageausschusses hielten die Firmen die Genfer Konvention in den besetzten Palästinenser-Gebieten nicht ein.

Solche öffentlichen Ächtungen sind in ihrer Wirkung deshalb nicht zu unterschätzen, weil viel Geld dahintersteckt. Die Norweger verwalten in ihrem global investierenden Government Pension Fund 353 Milliarden Euro. Das Anlagevehikel besitzt damit ein Prozent des weltweiten Börsenvermögens oder 1,78 Prozent aller europäischen Aktienwerte und ist infolgedessen der größte euro­päische Aktienbesitzer. Vor allem im Verhältnis zur Größe des Landes sind die Zahlen gewaltig. Das Nordseeöl soll den Geldtopf bis zum ­Ende des Jahres 2014 mit über 600 Milliarden Euro füllen, lautet die interne Prognose. Bei 4,9 Millionen Norwegern wären das 123 000 Euro pro Kopf, vom Kleinkind bis zum Greis.


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Die Zukunft Norwegens steckt momentan zu 60 Prozent in Aktien. Das Fondsmanagement setzt hier auf eine der ältesten Regeln, die sowohl für institutionelle als auch für private Anleger gilt: Leg nie alle Eier in einen Korb. Nur brauchen institutionelle Investoren wegen der vielen Eier mehr Körbe als der deutsche Durchschnittsanleger: Norwegens Fonds hält 7200 Aktien in 46 Ländern.

Eine davon ist Siemens: Die Münchner stehen aber seit März 2009 wegen „systematischer Korruption“ unter kritischer Beobachtung des Ethikkomitees. Die Meinung der Norweger wird in München wohl ernst genommen. Denn ebenso wie bei Bill Gross gilt: Wer so viel Geld bewegt, dem muss man zuhören.

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