15.01.2013 03:00
Bewerten
(0)

ThyssenKrupp: Küssen ja, aber erst später

Turnaround-Kandidat?: ThyssenKrupp: Küssen ja, aber erst später | Nachricht | finanzen.net
ThyssenKrupp: Küssen ja, aber erst später
Turnaround-Kandidat?
Die Börse feiert bereits den Turnaround des Essener DAX-Konzerns. Doch schon vor der Hauptversammlung ist klar, dass das laufende Geschäftsjahr eines der bislang härtesten wird.
€uro am Sonntag
von Stephan Bauer, Euro am Sonntag

Es ist zuletzt so einiges knapp geworden bei ThyssenKrupp. Nur drei Vorstände gibt es noch nach drei Rauswürfen im Dezember. Und Ende September war das Eigen­kapital des größten deutschen Stahlkonzerns auf 4,5 Milliarden Euro geschmolzen wie Eisenerz in den Duisburger Hochöfen.

Unter Anteilseignern herrscht vor der Hauptversammlung am kommenden Freitag hingegen kein Mangel an Engagement. Es hagelt Gegenanträge zur Tagesordnung. Der Tenor: Vorstand und Aufsichtsrat seien wegen der katastrophalen Pannen nicht zu entlasten.

Bernd Günther, Großaktionär und seit 40 Jahren Kämpfer für Anlegerinteressen auf den Versammlungen, tritt in der Regel als erster Redner auf. „Der Aufsichtsrat war sein Geld nicht wert — inklusive des Mitglieds Peer Steinbrück. Ich fordere eine neue Qualität im Kontrollgremium“, sagt der Geschäftsführer der Vermögensverwaltung Idunahall, die bislang meist über 100 Millionen Euro Aktienwert vertreten hat.

Gründe, als Anleger in Wallung zu geraten, gibt es bei dem DAX-Konzern genug. Über fünf Milliarden Euro Verlust musste Konzernchef Heinrich Hiesinger für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr melden. Die völlig fehlkalkulierten Stahlwerke in Brasilien und den USA haben mehr als zwölf Milliarden Euro vernichtet. Die Investitions­entscheidungen, noch unter Exchef Ekkehard Schulz getroffen und von Chefaufseher Gerhard Cromme abgenickt, sind der Hauptgrund für den finanziellen Aderlass des Traditionskonzerns, dessen Eigenkapital nur noch etwa halb so groß ist wie vor Jahresfrist. Die Unzufriedenheit mit den Kontrolleuren entzündet sich insbesondere am SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück, der bis Ende 2012 im Gremium saß. Steinbrück soll gut informierten Kreisen zufolge nur auf zwei von vier Sitzungen im Krisenjahr 2011/12 erschienen sein. Auch eine Strategiesitzung hat er dem Vernehmen nach geschwänzt. Gleichwohl kassierte der Kanzlerkandidat 55.750 Euro Vergütung. Laut einem Sprecher war Steinbrück durch Termine infolge seines Bundestags­mandats verhindert.

Vorstand beruhigt Börsianer
Hiesinger ist es bislang trotz all der Horrormeldungen gelungen, einen Crash des Aktienkurses zu verhindern. Der ehemalige Siemens-Industriechef, der als Hoffnungsträger des Traditionsunternehmens gilt, will aus dem Stahl- einen Technologie­konzern machen und hochprofitable Perlen wie die Aufzugsparte Elevators stärken. An den Finanzmärkten kommt das gut an. Schließlich werden Maschinenbauer wesentlich höher bewertet, weil sie nicht so stark von Rohstoffpreisen und Konjunkturschwankungen abhängig sind wie Stahlkonzerne. Zudem ist die Rendite höher. Während es Thyssens Stahlsparte Steel Europe laut Schätzungen im laufenden Geschäftsjahr auf eine ­Kapitalrendite von knapp vier Prozent bringen wird, soll das Aufzuggeschäft einen eingesetzten Euro Kapital mit rund 25 Cent vergüten.

An der Börse wird bereits hoffnungsvoll auf einen Komplettausstieg aus dem Stahlgeschäft gewettet. Der Kurs zog in den vergangenen Wochen an, doch Unternehmenskenner warnen: Die Sparte sei derzeit nicht zu verkaufen — und es drohten noch harte Quartale.

Insidern zufolge leidet Steel Europe trotz hochwertiger Flachstahlprodukte, die vor allem an die Automobilindustrie verkauft werden, unter der schwächelnden Konjunktur. Der Auftragseingang soll hier im abgelaufenen Quartal rückläufig gewesen sein. Überdies drückt die seit vergangenen Sommer angesetzte Kurzarbeit auf die Renditen. In den Technologiesparten laufen die Geschäfte offenbar besser. In der Sparte Components etwa, die Autoteile oder Lager herstellt, oder im Anlagenbau Plant Technology seien die Ordereingänge stabil. Auch im Aufzuggeschäft laufe es gut. Und der Rohstoff- und Materialhandel soll sich im ersten Quartal besser geschlagen haben als die Konkurrenz.

Es drohen hohe Lasten
Eins steht indes fest: Im laufenden Geschäftsjahr stehen noch hohe Belastungen an. Die Werke in Übersee allein werden laut Schätzungen des Bankhauses Kepler 700 bis 800 Millionen Euro verschlingen.

Schäden aus Altbeständen kommen hinzu. Da wären etwa die Schadenersatzansprüche der Geschädigten des Schienenkartells. Die Essener hatten jahrelang mit Konkurrenten die Deutsche Bahn und eine Reihe kommunaler Verkehrsbetriebe abgezockt. Die Bahn hat in einer Klage gegen die Kartellmitglieder den Streitwert auf 550 Millionen Euro beziffert.

Konkrete Forderungen aus der Schienenaffäre liegen dem Konzern offiziell noch nicht vor. Rückstellungen seien ebenfalls nicht gebildet, erklären Insider. Die Eigenkapitalquote wäre zu stark gesunken, das Rating womöglich gekippt. Deshalb stünden Belastungen von bis zu 750  Millionen Euro an, für die es keine Vorsorge gibt.

Ein Lichtblick ist, dass der weltgrößte Stahlkonzern, ArcelorMittal, für das US-Stahlwerk bietet. Das Risiko, dass Hiesinger mit dem bis Ende September geplanten Verkauf der Amerika-Aktivitäten doch noch scheitern könnte, besteht aber weiterhin. „Thyssen muss man küssen“, hatte Aktionärs-Urgestein Günther einst gedichtet. Derzeit lautet seine Devise: „Küssen ja, aber man muss noch ein Weilchen warten.“ ThyssenKrupp Nicht mehr billig Mit den Vorstandspersonalien und der Milliarden­abschreibung der Amerika-Aktivitäten sowie deren geplantem Verkauf hat sich der Aufsichtsrat klar für Hiesingers Strategie ausgesprochen. Künftig geht die Reise Richtung Technologiekonzern. Allerdings sind die finanziellen Mittel zum Ausbau der Maschinenbausparten stark begrenzt, ein baldiger Verkauf des europäischen Stahlgeschäfts scheint unrealistisch. Die Aktie ist hoch bewertet. Stopp beachten.

Anzeige

Nachrichten zu thyssenkrupp AG

  • Relevant
    2
  • Alle
    3
  • vom Unternehmen
  • Peer Group
  • ?

Um Ihnen die Übersicht über die große Anzahl an Nachrichten, die jeden Tag für ein Unternehmen erscheinen, etwas zu erleichtern, haben wir den Nachrichtenfeed in folgende Kategorien aufgeteilt:

Relevant: Nachrichten von ausgesuchten Quellen, die sich im Speziellen mit diesem Unternehmen befassen

Alle: Alle Nachrichten, die dieses Unternehmen betreffen. Z.B. auch Marktberichte die außerdem auch andere Unternehmen betreffen

vom Unternehmen: Nachrichten und Adhoc-Meldungen, die vom Unternehmen selbst veröffentlicht werden

Peer Group: Nachrichten von Unternehmen, die zur Peer Group gehören

Analysen zu thyssenkrupp AG

  • Alle
  • Buy
  • Hold
  • Sell
  • ?
15.08.2017thyssenkrupp buyJefferies & Company Inc.
15.08.2017thyssenkrupp OutperformRBC Capital Markets
14.08.2017thyssenkrupp buyDeutsche Bank AG
14.08.2017thyssenkrupp kaufenDZ BANK
11.08.2017thyssenkrupp buyJefferies & Company Inc.
15.08.2017thyssenkrupp buyJefferies & Company Inc.
15.08.2017thyssenkrupp OutperformRBC Capital Markets
14.08.2017thyssenkrupp buyDeutsche Bank AG
14.08.2017thyssenkrupp kaufenDZ BANK
11.08.2017thyssenkrupp buyJefferies & Company Inc.
11.08.2017thyssenkrupp NeutralJP Morgan Chase & Co.
10.08.2017thyssenkrupp HoldKepler Cheuvreux
10.08.2017thyssenkrupp HaltenIndependent Research GmbH
10.08.2017thyssenkrupp HoldBaader Bank
02.08.2017thyssenkrupp HoldBaader Bank
11.08.2017thyssenkrupp SellS&P Capital IQ
10.08.2017thyssenkrupp SellUBS AG
23.05.2017thyssenkrupp SellUBS AG
18.05.2017thyssenkrupp ReduceKepler Cheuvreux
12.05.2017thyssenkrupp SellUBS AG

Um die Übersicht zu verbessern, haben Sie die Möglichkeit, die Analysen für thyssenkrupp AG nach folgenden Kriterien zu filtern.

Alle: Alle Empfehlungen

Buy: Kaufempfehlungen wie z.B. "kaufen" oder "buy"

Hold: Halten-Empfehlungen wie z.B. "halten" oder "neutral"

Sell: Verkaufsempfehlungn wie z.B. "verkaufen" oder "reduce"
mehr Analysen
Anzeige
Anzeige
Börse Stuttgart Anlegerclub

Aktien mit Sicherheit und Potenzial

Für die neue Ausgabe des Anlegermagazins haben unsere Redakteure Aktien identifiziert, die aus ihrer Sicht Sicherheit und Potenzial bieten. Einen besonderen Blick werfen sie dabei auf die Chemie- und Versicherungsbranche. Erfahren Sie im aktuellen Magazin, wie Sie "Richtig investieren" und lesen Sie, welche Aktien bei überschaubarem Risiko einiges an Potenzial bieten.
Anlegermagazin kostenlos erhalten

Heute im Fokus

DAX schließt stärker -- Dow Jones im Plus -- Air Berlin sucht Sanierungsplan in der Insolvenz -- Lufthansa-Aktionäre setzen wegen Air Berlin auf Konsolidierung -- EVOTEC, Ryanair, Amazon im Fokus

Trump lobt Nordkoreas Staatschef Kim. Neuer Druck auf K+S-Aktie durch Verkaufsempfehlungen. Chefwechsel bei US-Krankenversicherer UnitedHealth. Deutsche Euroshop profitiert weiter von niedrigen Zinsen und Zukäufen. SdK sieht Anleihegläubiger von Air Berlin im Nachteil. STADA-Aktie vor Ende des Übernahmeangebotes leicht unter Druck.

Top-Rankings

Diese Aktien hat Warren Buffett im Depot (Juni 2017)
Die Top-Positionen von Warren Buffett
KW 32: Analysten-Flops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Verkauflisten der Experten
KW 32: Analysten-Tops der Woche
Diese Aktien stehen auf den Kauflisten der Experten

Die 5 beliebtesten Top-Rankings

Enormer Stressfaktor
In diesen Ländern haben Arbeitnehmer den größten Stress
Der CEO von Allianz, BMW oder doch Daimler?
Diese Manager lieben die Deutschen
Das sind 2017 bislang die größten Verlierer in Buffetts Depot
Welche Aktie enttäuschte bisher am meisten?
Die Meister-Liste der 1. Fußball Bundesliga
Welcher Verein hat die meisten Meistertitel?
Bitcoin & Co.: Die wichtigsten Kryptowährungen
Welche Digitalwährung macht das Rennen?
mehr Top Rankings

Umfrage

Die Deutsche Bank wird optimistischer für deutsche Aktien und sieht beim DAX bis Jahresende noch 3 Prozent Luft nach oben. Was glauben Sie, wie sich der DAX bis zum Ende des Jahres entwickeln wird?

Online Brokerage über finanzen.net

Das Beste aus zwei Welten: Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus der Informationswelt von finanzen.net!
Zur klassischen Ansicht wechseln

Willkommen bei finanzen.net Brokerage

Handeln Sie für nur 5 Euro Orderprovision* pro Trade unmittelbar aus finanzen.net!

Weitere Informationen finden Sie hier.

Jetzt informieren und Depot eröffnen


Sie haben bereits ein Depot? Dann verknüpfen Sie es jetzt mit Ihrem finanzen.net-Account!

Jetzt verknüpfen

Top News
Konjunktur/Wirtschaft
19:31 Uhr
Digitales Finanzmanagement
Beliebte Suchen
DAX 30
Öl
Euro US-Dollar
Goldpreis
Meistgesucht
Air Berlin plcAB1000
Deutsche Bank AG514000
Daimler AG710000
Volkswagen (VW) AG Vz.766403
Apple Inc.865985
Lufthansa AG823212
EVOTEC AG566480
CommerzbankCBK100
Bitcoin Group SEA1TNV9
E.ON SEENAG99
K+S AGKSAG88
Allianz840400
Amazon906866
Siemens AG723610
TeslaA1CX3T