26.12.2012 17:00
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Flossen weg von Benzinschleudern

US-Automarkt
Die Regierung in Washington will den Spritverbrauch drastisch senken. Deutsche Autobauer sind darauf bestens vorbereitet.
€uro am Sonntag

von Christiane Habrich-Böcker

Auf der Motorshow in Los Angeles spielten kleine Autos dieses Jahr eine Hauptrolle. Selbst auf den Messeständen der sonst so monster­mobilverliebten US-Hersteller gab es kleine Kompakte zu sehen, die den Spritverbrauch nach unten und die Verkäufe noch oben treiben sollen. Die Voraussetzungen sind gut. Denn auch 2013 werden die USA zu den Wachstumsmärkten zählen, meint Harald Krüger, Vorstand bei BMW.

Analysehäuser prognostizieren 16 Millionen Neuzulassungen. Dabei lief es dieses Jahr schon gut, die Fahrzeugverkäufe stiegen von 12,5 auf knapp 15 Millionen Stück. Zum Vergleich: Zu den Rekordzeiten um die Jahrtausendwende wurden mehr als 17 Millionen Karossen verkauft. Strahlender Stern am nordamerikanischen Premiumhimmel ist Mercedes-Benz, gefolgt von BMW. Doch auch Volumenvertreter Volkswagen kann gute Zuwächse melden. Seit Jahresbeginn haben die Wolfsburger 394 000 Autos verkauft. Das ist ein Plus von 35 Prozent. Von solchen Wachstumsraten können die heimischen US-Hersteller zwar nur träumen, dennoch sind sie ebenfalls optimistisch.

Klar ist aber auch: Wer am steigenden Absatz partizipieren will, muss sich neuen Herausforderungen stellen. Dazu gehört vor allem die ­geplante Verbrauchsreduzierung. Denn Barack Obamas Leute machen Ernst mit dem Klimaprogramm. Das bekam Hyundai/Kia bereits zu spüren. Die Koreaner flogen bei Kontrollen der US-Umweltbehörde EPA auf, weil sie bei einigen Modellen den Spritverbrauch geschönt hatten.

Das Unternehmen, das offensiv mit den niedrigen Verbrauchswerten geworben hatte, entschuldigte sich offiziell, um drohende Klagen abzuwenden. Man will den Käufern den Verlust durch den Mehrverbrauch von bis zu 1,5 Liter auf 100 Kilometer durch Zahlungen ausgleichen. Das Desaster dürfte den Konzern jährlich 100 Millionen Dollar über den Lebenszyklus der betroffenen Modelle kosten. Die Quittung an den Börsen kam prompt. Die Aktie rauschte nach unten.

Solche Kontrollen sind ein Indiz dafür, dass die Regierung die Zügel straffer zieht. Das zeigen auch die neuen CAFE-Vorschriften. CAFE steht für „Corporate Average Fuel Eco­nomy“. Das ist der nach Marktanteilen berechnete Flottenverbrauch der Fahrzeuge eines Herstellers. Er wird in „miles per gallon“ (mpg) für jedes Modelljahr angegeben.

Die aktuelle Regelung, die 2016 ausläuft, schreibt vor, dass die Wagen im Schnitt 35,5 Meilen weit pro Gallone fahren müssen. In den nachfolgenden Jahren steigt die vorgeschriebene Reichweite für die Modelle bis 2025 auf bis zu 54,5 Meilen pro Gallone. Das heißt umgerechnet: 4,3 Liter Verbrauch pro 100 Kilometer. Das ist eine Halbierung der derzeitigen durchschnittlichen Verbrauchswerte. Lediglich Pick-ups und geländegängige Fahrzeuge (also SUV) müssen weniger reduzieren.

Die meisten Autohersteller glauben, dass sie die neuen Standards erreichen werden. So auch BMW. Die Münchner sind größter Autoexporteur in die Staaten und gelten als nachhaltiger Musterknabe. Ebenso Volkswagen: „Wir sind zuversichtlich, dass wir die Emissionsgrenzwer- te einhalten werden. In den USA bieten wir mit den Clean-Diesel-Modellen schon jetzt die verbrauchs- und emissionsärmsten Dieselaggregate an, die die strengen Absatzgesetze in allen 50 Bundesstaaten erfüllen“, so ein Unternehmenssprecher.

Die Regierung in Washington folgt mit den CAFE-Vorschriften den Vorgaben Kaliforniens. „Der Bundesstaat sieht sich in der Treiberrolle“, sagt BMW-US-Vertreter Andreas Klugescheid. Die lokalen Gesetzgeber haben sich „Zero Emission“ auf die Fahnen geschrieben. 15,4 Prozent aller neuen Modelle, die 2025 im Sonnenstaat verkauft werden, müssen auf Strom, Wasserstoff oder anderen Antriebsarten basieren, die keine Emissionen produzieren. Das heißt nach heutigem Stand: eins von sieben neuen Autos oder 1,4 Millionen Einheiten.

Neue Konzepte im Mittelpunkt
Wie die Hersteller das erfüllen wollen, zeigten sie kürzlich auf der „LA Auto Show“. BMW stellte den i3, der als reines Elektroauto Ende 2013 auf den Straßen rollen wird, in den Mittelpunkt seiner Show. Chevrolet aus dem General-Motors-Konzern (GM) fuhr mit dem Spark EV vor. Volkswagen präsentierte den Jetta Hybrid, bei Ford standen Plug-in-Hybridmodelle im Vordergrund.

Die Vorreiterrolle beim automobilen Klimaschutz lässt sich der US-Staat Kalifornien einiges kosten. Auf die 7500-Dollar-Steuergutschrift der Regierung in Washington zahlt Kalifornien 2500 Dollar Cash obendrauf. Das macht den Kauf eines E-Fahrzeugs wie den i3 für den Konsumenten bezahlbar. Denn die werden so richtig teuer. In der Branche wird spekuliert, dass der Elektro-BMW 40 000 Euro kosten soll.

Schon jetzt fahren in Kalifornien bis zu 30 000 E-Autos. In Deutschland sind es einige Tausend. Damit mutiert der Pazifikstaat zum Test­gelände für Versuchsmodelle. Das gilt auch für Carsharing — ein probates Mittel zur Verbesserung der Schadstoffbilanz.

Carsharing wird wichtiger
Mercedes ist mit Car2go schon länger da. BMW exportierte im Sommer sein Modell DriveNow nach San Francisco. Dort stehen nun 70 vollelektrische und emissionsfreie BMW Active E bereit. Dazu kommt mit Sicherheit demnächst eine ordentliche i3-Flotte. Für die Aufladung zwischendurch haben sich die Bayern mit dem kalifornischen Unternehmen Coulomb Technologies verbündet, um deren Netzwerk von Aufladestationen nutzen zu können.

Doch neben den Bayern sind nach Ansicht von Eric Heymann, Analyst bei der Deutschen Bank, auch andere deutsche Hersteller gut gerüstet: „Mittelfristig werden die früheren Rekordwerte wieder erreicht und sogar überschritten. Deutsche Hersteller dürften von dieser Entwicklung profitieren. Ihr Markt­anteil im Bereich kleiner bis mitt­lerer Premiumfahrzeuge wird weiter wachsen. Gründe sind die attraktive Produktpalette und die Stärkung der Produktionsstätten vor Ort.“ Deutsche Hersteller scheinen für den Aufschwung am US-Markt also bestens gerüstet.

Investor-Info

BMW
Gute Modellstrategie
Es läuft gut für BMW. 2013 startet der Premium­autobauer die Elektromobilität in Serie, die Modellstrategie der Bayern ist top. Finanzvorstand ­Friedrich Eichiner prognostiziert gute Absatz­chancen für die Überseemärkte, nur Europa trübt die Stimmung. 2013 will BMW viel investieren. ­Darum wird das ­Gewinnwachstum abflachen. Nach der jüngsten Kursrally wartet zudem bei 74 Euro ein starker Widerstand. Langfristig aber aussichtsreich. 

Fiat/Chrysler
Zu viele Rabatte
Fiat besitzt 58,5 Prozent der Anteile an Chrysler. Der Rest gehört über den Veba-Trust der Gewerkschaft UAW. Bislang ist Chrysler eine lohnenswerte Inves­tition für die Italiener. Allerdings läuft es bei der US-Tochter auch deshalb gut, weil sie hohe Rabatte gewährt. Das ist eher bedenklich. Eine Rückkehr von Chrysler an die Börse ist für Fiat eine Option. Im Vergleich zu BMW oder auch VW ist die Aktie der Italiener dagegen uninteressant.

 Ford
Die tun was für Aktionäre
In China und den USA läuft es gut für Ford. Nur in Europa treten die Produktionsmanager schwer auf die Bremse, die Absatzzahlen sind schlecht. Von Vorteil ist, dass das Management sehr früh auf die Krise reagiert hat. An der Börse wird das goutiert, seit Sommer läuft das Papier. Für 2013 wird ein ­Gewinnplus von neun Prozent erwartet, Tendenz weiter steigend. Gemessen daran ist die Aktie mit einem einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis günstig.

Tesla
Elektro und Lifestyle
Der US-Autobauer stellt als einziges Unternehmen weltweit hochwertige (und teure) Elektro-Roadster und -limousinen in Serienproduktion her. 2013 will Tesla das Geschäft in Europa ausbauen. Vorteil: Die Fahrzeuge sind nicht nur elektrisch, sondern auch Lifestyleprodukt. Bislang funktioniert das Konzept. 2013 wird erstmals ein kleiner Gewinn erwartet. ­Aktie sehr spekulativ, nur als Beimischung geeignet.

Bildquellen: Yuri Samsonov / Shutterstock.com
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