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19.02.2013 15:00

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von Klaus Schachinger, €uro am Sonntag

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Allianz: Zehn Milliarden Euro im Blick

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Europas größter Versicherungskonzern wird am Donnerstag voraussichtlich eine starke Jahresbilanz vorlegen. Für 2013 erwarten Analysten Sanierungserfolge in Deutschland und den USA.

von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Die Aussicht auf die verschneiten Buchen im Englischen Garten wird Allianz-Chef Michael Diekmann genießen. Auch die Bilder vom Chaos, das der Schneesturm Nemo im Nordosten Amerikas verursachte,­ wird die Stimmung in der Chefetage der Konzernzentrale in der Münchner Königinstraße nicht getrübt haben. Diekmann wird voraussichtlich sehr gute Zahlen für das abgeschlossene Geschäftsjahr vorlegen können.

Wegen der außerordentlich niedrigen Anzahl großer Schäden durch Naturkatastrophen im vergangenen Jahr werden die meisten Versicherungskonzerne gute Bilanzen für 2012 vorlegen. Bei der Allianz dürften die Zahlen besser sein als bei der Konkurrenz. Nach Berechnungen von JP Morgan-Analyst Andrew Huttner hat der Konzern die finanziellen Folgen durch den New Yorker Hurrikan Sandy besser weggesteckt als der Wettbewerb.

Die einmaligen Belastungen summierten sich im vierten Quartal auf nur ein Prozent des Nettoanlagevermögens. Das sei im direkten Vergleich mit der Konkurrenz die niedrigste Quote, so Huttner.

Robustes Versicherungsgeschäft
Im Januar bestätigte Dieter Wemmer, seit Anfang des Jahres Finanzvorstand der Allianz, dass man trotz Sandy für 2012 „ein operatives Ergebnis von mehr als neun Milliarden Euro“ erwarte. Analysten rechnen im Schnitt mit 9,1 Milliarden Euro, 15 Prozent mehr als im Jahr 2011. Für das laufende Jahr sind die Branchenexperten allerdings noch vorsichtig und prognostizieren bisher einen moderaten Gewinnanstieg auf 9,4 Milliarden Euro.

Experte Huttner geht von 9,3 Milliarden aus, setzt für die Quartalszahlen am 15. Mai aber auf einen Kurstreiber. Er erwartet, dass sich dann der branchenweite Anstieg bei Prämien in der Autoversicherung auch bei der Allianz mit besseren Zahlen bemerkbar macht.

Die Allianz würde damit auch ­ihrem Ziel für 2014, die Ausgaben im deutschen Sachversicherungsgeschäft im laufenden Jahr auf 95 Cent pro Euro Versicherungsprämie zu drücken, deutlich näher kommen. Im Zuge der Fortschritte bei der Sa­nierung des US-Firmenkundengeschäfts, die 900 Millionen Euro zusätzlichen operativen Gewinn einspielen sollte, traut Huttner der ­Allianz im laufenden Jahr sogar zu, die Zehn-Milliarden-Euro-Marke zu überschreiten.

Schwierig bleibt allerdings das ­Geschäft mit Lebensversicherungen. Die Flutung des Geldmarkts mit billigem Geld drückt die Leitzinsen auf Rekordtief und bringt die Branche beim Geldverdienen am Kapitalmarkt in Bedrängnis. Um die langfristigen Ansprüche der Kunden ­bedienen zu können, ist das meiste Geld in festverzinslichen Papieren, überwiegend in Staatsanleihen, angelegt.

Die Renditen der Papiere sind inzwischen viel zu gering, um damit die jährliche Verzinsung zu verdienen, die bei Kunden mit älteren Verträgen bei vier Prozent und höher liegen. „Sollte die EZB an ihrer Politik des billigen Geldes festhalten, werden wir aus dem Zinstal kaum herauskommen. Es ist nicht einmal klar, ob wir das Schlimmste hinter uns haben“, klagt Thorsten Oletzky, Chef der Munich-Re-Tochter Ergo.

Mehr Immobilien für die Rendite
Doch die Allianz bleibt nicht untätig. Und hier kommt ihr das schwierige Umfeld für Banken entgegen. Weil viele Banken die Bilanzen verkleinern wollen, ziehen sie sich aus der Immobilienfinanzierung zurück. Die Allianz springt da gern ein. Im dritten Quartal hatten die Münchner Kredite im Gesamtwert von über einer Milliarde Euro vergeben — Tendenz steigend. Angesichts der mickrigen Renditen mit Staatsanleihen, deren Anteil in den Investment­portfolios der Versicherer traditionell hoch ist, stellt das eine lukrative Erweiterung des Anlageprofils dar.

Allianz-Kunden können sich also sicher fühlen. Mit 350 Milliarden Euro Reserven schafft Deutschlands größter Lebensversicherer nach Berechnungen der Berenberg Bank fünf Prozent Rendite. Garantieren muss der Konzern im Durchschnitt nur 2,7 Prozent.

Einen Makel wird die kommende Bilanz haben: die voraussichtlich zweistelligen Millionenverluste der Allianz Bank, die Ende Juni geschlossen wird. Nach dem Debakel mit der Dresdner Bank scheiterte die Allianz erneut bei dem Versuch, Privat­kunden Versicherungen und Bankdienstleistungen zu verkaufen.

Der zweite Ausflug in die Bankenwelt hat geschätzte 400 Millionen Euro gekostet. An der Börse wurde die Blamage des Versicherers schnell abgehakt. Auf einen Erfolg hatte wohl sowieso kaum jemand gesetzt.

Es sieht also danach aus, als könnte Allianz-Chef Diekmann diesen Winter genießen — auch wenn am Wochenende Ausläufer des Schneesturms Nemo in München eintreffen sollten.

Investor-Info

Allianz
Unterschätztes Potenzial
Auf zwei Rekordschadensjahre folgte ein ungewöhnlich ruhiges Jahr 2012. Auch wenn es nicht so bleibt, die moderaten Auswirkungen von Hurrikan Sandy zeigen, dass die Allianz Risiken gut im Griff hat. In der Lebensversicherung verkraften die Münchner die Niedrigzinsphase besser als die Konkurrenz. Zudem hat der Konzern mit dem Anleihe­spezialisten Pimco eine Vermögensverwaltung, die ein Drittel des operativen Gewinns liefert.

Bildquellen: gary718 / Shutterstock.com

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