14.01.2013 12:00
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Geld wird knapp: Absturz der Dividendenkönige

Versorger-Aktien: Geld wird knapp: Absturz der Dividendenkönige | Nachricht | finanzen.net
Versorger-Aktien
Viele europäische Stromkonzerne können sich großzügige Ausschüttungen an Aktionäre nicht mehr leisten. Das nagt am Nimbus der Versorger als solide Renditebringer in schwierigen Zeiten.
€uro am Sonntag
von Klaus Schachinger, Euro am Sonntag

Der 30. Januar wird kein ­guter Tag für Eon-Chef ­Johannes Teyssen. Wenn der Lenker des größten deutschen Energieversorgers den Investoren die Pläne für die kommenden Jahre präsentieren wird, muss er den Aktionären wahrscheinlich erneut schlechte Nachrichten überbringen. Erst im November musste er eine Gewinnwarnung aussprechen, die einen heftigen Kursrutsch der Aktie auslöste. Für den Termin Ende des Monats erwarten Kapitalmarktexperten weitere Hiobsbotschaften.

Was Anleger bei Eon vor allem in Alarmstimmung versetzt, ist die Gefahr deutlich niedrigerer Dividendenzahlungen als bisher. Viele Anteilseigner kauften in den vergangenen Jahren Versorgeraktien wie Eon und RWE vor allem deshalb, weil sie hohe Ausschüttungsraten boten. Zwar hat Teyssen im November eine Ausschüttung von 1,10 Euro pro ­Aktie für 2012 zugesagt, doch die Bankanalysten, die sich mit Eon beschäftigen, rechnen im Schnitt nur noch mit 85 Cent pro Aktie. Das wären gut 20 Prozent weniger als im Vorjahr.

Auch in den beiden folgenden Jahren werden die Auszahlungen laut der britischen Bank HSBC mit dann nur 75 Cent pro Anteilschein nochmals schrumpfen.

Geld für Dividenden wird knapp
Offensichtlich werden die Rheinländer auf absehbare Zeit jedoch zu wenig verdienen, um angesichts der geplanten Investitionen und des notwendigen Schuldenabbaus das hohe Niveau bei den Dividenden zu halten. „Die Verwerfungen in den europäischen Energiemärkten verschärfen sich schneller als je zuvor“, warnte Teyssen im November.

Nicht nur beim deutschen Branchenführer wird die finanzielle Entwicklung allmählich brisant. Nach Berechnungen der US-Bank Morgan Stanley werden die frei verfügbaren Mittel aus dem Tagesgeschäft, der sogenannte freie Mittelzufluss, bei etwa der Hälfte aller europäischen Versorger ab 2013 nicht mehr ausreichen, um Ausschüttungen in bisheriger Höhe zu finanzieren.

„Wir gehen davon aus, dass die meisten Unternehmen ihre Dividenden erst nach 2015 wieder vollständig aus dem Cashflow bezahlen können“, sagt Analyst Emmanuel Turpin von Morgan Stanley. Besonders dramatisch ist die Situation nach Einschätzung der Analysten beim französischen Atomstromriesen EDF.

Diese Entwicklung dürfte den Ruf der Versorgeraktien bei Anlegern nachhaltig beschädigen. Die Dividende war angesichts schwacher Wachstumsaussichten lange ein Grund, an den Aktien festzuhalten. Um sich den Ruf eines zuverlässigen Dividendenzahlers zu bewahren, dürfte Eon an der hohen Ausschüttungsquote von 50 bis 60 Prozent des bereinigten Nettogewinns so lange wie möglich festhalten.

Mögliche Differenzen zu den verfügbaren Mitteln werden wohl aus der Substanz geschöpft. „Eon hat ausreichende Reserven in der Bilanz. Geplante Investitionen müssen gekürzt und mehr Geschäft aus dem Konzernverbund verkauft werden“, erklärt Energieexperte Turpin.

Margen in der Zange
Denn bessere Aussichten sind für europäische Versorger erst mal nicht in Sicht. Zwar wird Strom für Verbraucher immer teurer, insbesondere treiben höhere Abgaben zur Finanzierung der Energiewende die Energiekosten für private Haushalte. Die für Versorger relevanten Großhandelspreise hingegen sind europaweit weiter auf Talfahrt. Wegen der schwachen Konjunktur verbrauchen Firmen deutlich weniger Energie, auch in Deutschland.

Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg sei in so kurzer Zeit ein so starker Absatzrückgang zu beobachten gewesen, klagt Eon-Boss Teyssen. In Deutschland werden zudem große Mengen subventionierten Stroms aus Wind und Sonne bevorzugt eingespeist. Auch dadurch steigen die Überkapazitäten und damit der Druck auf die Preise.

Versorger mit einem hohen Anteil an Gaskraftwerken, wie etwa Eon oder die französische GDF Suez, sind besonders stark betroffen. Weil Gaskraftwerke schneller hochgefahren werden können als Kohlekraftwerke und die Kapazität in den Netzen durch den höheren Anteil regenerativer Energien stärker schwankt als in der Vergangenheit, werden Gasturbinen häufiger vom Netz genommen, um die Stabilität der Stromnetze nicht zu gefährden.

Die sinkenden Preise an der Strombörse und das im internationalen Vergleich sehr teure europäische Gas nehmen die Margen der Versorger in die Zange. Die Konzerne fahren mit Gasturbinen derzeit häufig Verluste ein. Ende Dezember zahlten Gaskraftwerke in Deutschland und Frankreich 13,94 Euro pro Megawattstunde drauf, ein neuer Minusrekord. Um die Kapitalkosten eines Gaskraftwerks zu verdienen, sind nach Angaben von Eon jedoch 20 Euro pro Megawattstunde notwendig. Im November hatten die Düsseldorfer immerhin noch eine Marge von zwei Euro pro Megawattstunde verdient.

Während Eon ein Drittel seiner Stromproduktion aus Gaskraftwerken liefert, sind es bei RWE nur 19  Prozent. Kohle liefert mit über 60  Prozent den Löwenanteil des RWE-Stroms. Steinkohle und Braunkohle aus eigener Förderung sind eben günstiger als teures Importgas. Daher kann RWE den Strompreisverfall und die wachsende Konkurrenz durch die regenerativen Energien besser wegstecken. Um Schulden abzubauen und ausreichend Geld für Dividenden zu verdienen, fährt aber auch RWE-Chef Peter ­Terium einen harten Sparkurs.

Im Rahmen des Programms „RWE 2015“ sollen 8000 Stellen abgebaut und 2400 Arbeitsplätze verlagert werden. Das Jahresergebnis soll dadurch in drei Jahren um eine Milliarde Euro erhöht werden. Terium schreckt auch vor harten Auseinandersetzungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft Verdi nicht zurück. RWE will im gegenwärtigen Umfeld nicht auf betriebsbedingte Kündigungen und Auslagerungen verzichten. Die Friedenspflicht der Tarifparteien endete 2012. Streiks sind jederzeit möglich.

Iberdrola steht hoch im Kurs
Weiterhin in der Gunst der Anleger dürfte hingegen Spaniens größter Versorger Iberdrola stehen. Der Konzern fährt inzwischen drei Viertel seiner Gewinne außerhalb Spaniens ein, etwa in Großbritannien, den USA und in Lateinamerika.

Niedrige Großhandelspreise für Strom und vor allem überteuertes Gas sind in den USA und Südamerika kein Thema. Die Dividenden sind durch ausreichend hohe Barmittelzuflüsse abgesichert. Eon-Chef Teyssen kann davon nur träumen.

Investor-Info

Eon
Ungünstiger Energiemix
Deutschlands größter Energieversorger hat sein Auslandsgeschäft in Russland und in der Türkei sowie in den USA zuletzt erfolgreich ausgebaut. Was sich langfristig bezahlt machen wird, wiegt den ungünstigen Energiemix der Düsseldorfer in Deutschland (50 Prozent Atomstrom, ein Drittel Gaskraftwerke) derzeit aber noch nicht auf. Halten.
ISIN: DE000ENAG999

RWE
Volldampf mit Kohle
Dank des Stromanteils von über 60 Prozent aus ­Kohlekraftwerken, die aufgrund niedriger Kosten für den Energieträger Kohle günstig Strom liefern, ist RWE im gegenwärtigen Umfeld besser abgesichert als Eon. Neue Impulse für den Aktienkurs dürfte der Abschluss der Preisverhandlungen mit Gaslieferant Gazprom liefern. Weiter aussichtsreich.
ISIN: DE0007037129

Iberdrola
Stark außerhalb Europas
Weil Spaniens größter Versorger drei Viertel des Gewinns außerhalb des Euroraums erzielt, unter anderem in Nord- und Südamerika, sind die Dividenden sicher finanziert. Allerdings müssen die Spanier auch ihren Schuldenberg von 31,9 Milliarden Euro abtragen. Bis Ende 2015 soll er auf 26 Milliarden Euro schrumpfen. Die Dividendenrendite von gut sieben Prozent macht das Papier attraktiv. Kaufen.
ISIN: ES0144580Y14

Bildquellen: gyn9037 / Shutterstock.com, iStock
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