20.11.2012 22:00
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Energie-Aktien: Warum RWE top, Eon aber ein Flop ist

Versorger-Vergleich
Deutschlands zweitgrößter Versorger, RWE, zeigt sich von den Folgen der Energiewende erstaunlich unbeeindruckt. Anleger sind überrascht.
€uro am Sonntag

von Stephan Bauer, Euro am Sonntag

Gelegentlich wird Börsianern vorgeworfen, Unternehmen einer Branche gern mal über einen Kamm zu scheren — auch wenn es entscheidende Unterschiede gibt. Im Fall der beiden größten deutschen Versorger, der Nummer 2 RWE und Nummer 1 Eon, bewiesen Anleger aber, dass sie wohl zu unterscheiden wissen. So stieg die Aktie der Essener RWE nach Bekanntgabe der Quartalszahlen an. Das Papier des Konkurrenten Eon hatte tags zuvor den größten Tagesverlust seit 20 Jahren verbucht.

Den großen Unterschied machte ein Satz des Finanzchefs der RWE, Bernhard Günther: „Den Ausblick, den wir für 2013 gemacht haben, behalten wir unverändert bei.“ Sprich: RWE will unbeeindruckt von der Energiewende auch 2013 einen nachhaltigen Nettogewinn auf Höhe des Jahres 2011 schaffen, das waren knapp 2,5 Milliarden Euro.

Anleger hatten bei Eon hingegen Reißaus genommen, nachdem der Vorstand sowohl die Gewinn- als auch die Dividendenprognose für das kommende Jahr kassiert hatte.

Auch die Ergebnisse von RWE für das laufende Jahr fanden Anklang bei Anlegern. Dem Versorger gelang es in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres, den nachhaltigen Nettogewinn, der für die künftige Höhe der Dividende relevant ist, um sechs Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zu steigern. Das lag im Rahmen der Erwartungen. Für das Gesamtjahr hob das Management die Prognose leicht an. Beim operativen Ergebnis auf Basis des Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) will Konzernchef Peter Terium jetzt mindestens das Niveau des Vorjahres erreichen — das waren 5,8 Milliarden Euro. Zuvor war ein operativer Gewinn auf Höhe des Vorjahres anvisiert.

Der Haken daran: Die höhere Prognose ist in erster Linie auf die verbesserten Handelsergebnisse zurückzuführen. Das Ergebnis des RWE-eigenen Handels mit Strom oder Gas schwankt indes stark. Auch das Stammgeschäft, wozu auch die Stromerzeugung zählt, ist weiterhin wackelig unterwegs. Schließlich muss sich auch RWE — wie der rheinaufwärts gelegene Konkurrent Eon — dem durch die Energiewende ausgelösten Wandel in der Branche stellen.


Windkraftanlagen von RWE
Strom aus regenerativen Quellen wie Solarparks oder Windkraftanlagen hat aufgrund des Erneuerbare-Energien-Gesetzes nun Vorrang. Im Großhandel schrumpfen die Marktanteile der Elektrizität aus Gas- oder Kohlekraftwerken.

Für Eon ist das ein besonders großer Nachteil: Die Düsseldorfer haben nach dem Atomausstieg stark auf Gaskraftwerke gesetzt, sie machen gut ein Drittel der Stromkapazitäten aus. Deren Turbinen müssen jedoch inzwischen oft vom Netz genommen werden, weil sie wegen des hohen Ökostromangebots nur kurz und damit unrentabel laufen. RWE fährt hier mit seinem deutlich höheren Anteil an Strom aus Kohlekraftwerken viel besser. Die klimaschädlicheren Kohlemeiler sind vergleichsweise günstig zu betreiben. Deshalb ist RWE in der Stromerzeugung insgesamt wesentlich profitabler.

Schuldenlast drückt Investitionen
Auch aus diesem Grund stellt RWE Investitionen in neue Gaskraftwerke, aber auch in Pumpspeicherwerke, die den üppig fließenden Ökostrom speichern sollen, infrage. Im laufenden Jahr wollen die Essener statt geplanter sechs nur noch 5,5 Milliarden Euro investieren. Der für 2013 vorgesehene Korridor von vier bis fünf Milliarden Euro müsse noch nicht die Untergrenze bei den Investitionen sein, so Finanzchef Günther.

Den Konzern drücken schließlich nach wie vor hohe Schulden. Ende September waren es 34,2 Milliarden Euro, fast ein Sechstel mehr als ein Jahr zuvor. Vorstandschef Peter Terium will deshalb Unternehmensteile im Wert von insgesamt sieben Milliarden Euro verkaufen. Davon sind indes erst 1,6 Milliarden Euro in trockenen Tüchern.

Aktionäre sollten somit nicht in Euphorie ausbrechen — auch wenn RWE im Zweikampf mit dem größten Rivalen derzeit die Nase vorn hat. Haltenswert ist das Papier aber allemal.

Seitwärtstrend Die positive Reaktion der Aktie auf die jüngsten Quartalszahlen und auf den Ausblick stimmt zuversichtlich. Aber das Papier ist jüngst aus dem im Sommer begonnenen Aufwärtstrend nach unten ausgebrochen. Anleger sichern sich mit einem Stopp ab.

Fazit: Die positive Reaktion der RWE-Aktie auf die jüngsten Quartalszahlen und auf den Ausblick stimmt zuversichtlich. Aber das Papier ist jüngst aus dem im Sommer begonnenen Aufwärtstrend nach unten ausgebrochen. Anleger sichern sich mit einem Stopp ab.

ISIN: DE0007037129
Kursziel: 37,00 Euro
Stopp: 27,00 Euro

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