06.06.2013 17:34
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EZB: Draghi verspricht lockere Geldpolitik

Wachstumsprogose gesenkt
EZB-Chef Mario Draghi stellt weiter Billiggeld in Aussicht, doch die Finanzmärkte sind wenig beeindruckt - denn konkrete Hilfe für die lahmende Wirtschaft hat Europas oberster Währungshüter vorerst nicht zu bieten.
Die Geldpolitik werde so lange wie nötig locker bleiben, versprach Draghi am Donnerstag in Frankfurt. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins wie von Ökonomen erwartet auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent belassen. Obwohl die konjunkturelle Lage im Währungsraum kritisch bleibe, deuteten die jüngsten Stimmungsdaten in Richtung einer moderaten Verbesserung, sagte Draghi. Die EZB sehe allerdings Abwärtsrisiken für das Wachstum im Euroraum, die schrittweise Erholung zum Jahresende hin dürfte nur schleppend vorankommen.

Diese Erwartung kommt auch in den aktualisierten Konjunktur- und Inflationsprognosen der Währungshüter zum Ausdruck: Demnach dürfte der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in diesem Jahr bei 0,6 Prozent liegen. Bislang hatte die EZB ein Minus von 0,5 Prozent vorhergesagt. Die schrumpfende Wirtschaftsleistung dürfte sich auch in niedrigerer Inflation bemerkbar machen. Die Verbraucherpreise im Euroraum dürften sich um 1,4 Prozent verteuern. Zuvor hatte die EZB eine Inflation von 1,6 Prozent erwartet. WIRTSCHAFT DÜRFTE SICH 2014 ERHOLEN

Doch der Aufschwung ist nach Einschätzung der Notenbanker nur aufgeschoben, nicht aufgehoben: Für 2014 wurde die Wachstumsprognose leicht erhöht. Jetzt rechnet die EZB im kommenden Jahr mit einem Wachstum von 1,1 Prozent. Bei der letzten Projektion im März lag die Erwartung noch bei einem BIP-Anstieg von 1,0 Prozent. Die Teuerungsrate soll unverändert bei 1,3 Prozent liegen. Die Projektionen der EZB werden vom Mitarbeiterstab erstellt und einmal im Quartal veröffentlicht.

Die Hoffnungen auf rasche Hilfsmaßnahmen für Kleinfirmen in den Krisenländern dämpfte Notenbankchef Draghi. Der EZB-Rat habe zwar über den Ankauf von Kreditpaketen sowie über langfristige Kredite an Banken und eine Lockerung der Sicherheiten für Zentralbankgeld diskutiert. Auch die Möglichkeit negativer Einlagenzinsen, also einer Art Strafgebühr auf überschüssige Liquidität, die Geschäftsbanken über Nacht bei der EZB parken, habe der Rat besprochen, sagte Draghi. Danach verwies er jedoch darauf, dass insbesondere der Ankauf von verbrieften Krediten nur mittel- bis langfristig in Frage käme. FINANZMÄRKTE REAGIEREN ENTTÄUSCHT

"Die EZB lässt sich alle Optionen offen, konkrete Hinweise auf eine unmittelbar bevorstehende Lockerung der Geldpolitik hat es aber nicht gegeben", sagte Experte Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Im EZB-Rat sei über viele Möglichkeiten gesprochen worden. Derzeit bestehe aber keine Notwendigkeit dafür. "Vor diesem Hintergrund dürften Zinssenkungsspekulationen vorerst nachlassen."

Die Reaktion der Finanzmärkte fiel dann auch enttäuscht aus. Am Devisenmarkt konnte der Euro hingegen profitieren.

/hbr/bgf FRANKFURT (dpa-AFX)

Bildquellen: ECB
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