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18.02.2013 17:30
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TUI: Der neue Reiseleiter weckt Hoffnung

Der neue Reiseleiter bei TUI
Wohin die Reise geht
Unter dem neuen Chef Friedrich Joussen hoffen Aktionäre des Tourismuskonzerns TUI auf eine Fortsetzung der Kurserholung. Die Chancen, die Hindernisse.
€uro am Sonntag

von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Als Chef von Vodafone Deutschland schickte Friedrich Joussen seine Topmanager regelmäßig an die Basis. Jeder musste mindestens zwei Tage im Jahr Produkte in einem der Shops verkaufen. Bei seinem neuen Arbeitgeber, der TUI AG, geht Joussen sofort mit gutem Beispiel voran: Drei Tage habe er in Reisebüros des Konzerns gejobbt und den Kollegen dort „über die Schulter geschaut“, berichtet der neue Chef, der in dieser Woche die Führung des Reisekonzerns übernommen hat.

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Auf der TUI-Hauptversammlung präsentierte sich Joussen demonstrativ zurückhaltend. Erst am Ende seines kurzen Vortrags zeigte der neue Chef, dass es ungemütlich werden dürfte: Er habe stets die Maxime verfolgt, dass man die Stärken stärken müsse und sich nicht allzu lange damit aufhalten sollte, die Schwächen zu verbessern, erklärte Joussen. In den nächsten Wochen werden man sich sehr genau die einzelnen Unternehmensbereiche vornehmen und „vor der eigenen Haustür kehren“.

Wichtigste Baustelle ist das absurd anmutende Konstrukt des Konzerns: Die TUI AG thront als Holding über drei Sparten, unter anderem einer Minderheitsbeteiligung an Hapag-Lloyd. Ausgerechnet auf den wichtigsten Zweig der Holding aber, den Reisekonzern TUI Travel, hat die TUI AG bei einem Anteil von 56 Prozent nur eingeschränkt Zugriff. Die Doppelstruktur aus TUI AG und der in London sitzenden TUI Travel sei „sicherlich nicht optimal“, bekannte selbst der nach fast zwei Jahrzehnten im Amt jetzt ehemalige Konzernchef Michael Frenzel.

In der Theorie am einfachsten wäre ein Übernahmeangebot für die ausstehenden Aktien der TUI Travel. Dafür aber fehlt das Geld, zumal der Börsenwert der britischen Tochtergesellschaft in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen ist.
Eine Verschmelzung der beiden Blöcke über einen Aktientausch scheitere im Januar an unterschiedlichen Preisvorstellungen der Beteiligten. Nach britischem Recht muss TUI vor einem weiteren Anlauf für eine Übernahme eine Wartefrist von sechs Monaten absitzen. Schnelle Entscheidungen in dieser Sache sind also auch unter Joussen nicht zu erwarten. Man möge ihm noch einige Monate geben, um sein Programm für die TUI zu vervollständigen, bat der neue Chef die Aktionäre um Geduld.

Hoffnung auf Dividende
Einfacher als die Auflösung der komplexen Strukturen sind Verbesserungen im Detail. Etwa bei der Koordination des Reisegeschäfts von Hotels & Resorts und TUI Travel. Oder eine Offensive im Internet. Das Geschäft dort hat TUI lange halbherzig verfolgt und Konkurrenten wie Expedia Vorsprung gegeben.

Den größten Handlungsspielraum hat Joussen bei der Holding in Hannover. Dort kursieren bereits Gerüchte, dass auch Arbeitsplätze auf der Kippe stehen. Das Problem aus Sicht der Aktionäre: Die Holding schafft keine Werte für die Aktionäre. Am offensichtlichsten ist das bei der Dividende. Obwohl TUI Travel regelmäßig ausschüttet, gehen die Aktionäre der TUI AG leer aus. Die letzte Dividende wurde im Jahr 2008 ausgeschüttet. Jetzt aber glauben erste Analysten, dass es für das laufende Geschäftsjahr endlich wieder Geld gibt. Es kursieren Schätzungen von bis zu 25 Cent je Aktie.

Der größte Reiz der TUI-Aktie liegt in der komplizierten Konzernstruktur. Konglomerate werden an der Börse mit einem deutlichen Bewertungsabschlag gehandelt, weil Analysten Transparenz und eine klare „Story“ vermissen. Eine Zerschlagung kann also die „Summe der Einzelteile“ deutlich steigern.

Im Fall von TUI entspricht die Marktkapitalisierung der im MDAX gelisteten Holding in etwa dem Wert des Aktien­pakets an TUI Travel. Die weiteren Beteiligungen, insbesondere die 22 Prozent am Logistikkonzern Hapag-Lloyd, gibt’s quasi gratis dazu.

Gehoben werden diese „versteckten“ Werte aber nur, wenn eine Auflösung des Firmengeflechts konkrete Form annimmt. Schon kleine Veränderungen durch den neuen Chef aber dürften die Hoffnung bestätigen, dass der neue Reiseleiter nicht den verschlungenen Pfaden seines Vorgängers Frenzel, sondern einer klaren Marschroute folgt. 

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