18.01.2013 17:59
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Euro: Die wundersame Auferstehung geht weiter!

Das jahrelange Reden darüber hat die Eurokrise in den Köpfen festgesetzt.
Und wenn die Eurozone in der Krise ist, wie lässt sich dann die Aufwertung des Euros in den letzten Monaten erklären? An den Märkten, auch am Devisenmarkt, wird die Zukunft vorweggenommen – und blickt man in die Zukunft, dann hat die Eurozone als Ganzes das Schlimmste hinter sich. Das gilt allerdings nicht für die Menschen in den von der Krise besonders betroffenen Ländern, die werden vermutlich noch lange leiden.

EZB bringt die Wende

Am Devisenmarkt haben viele Profis, auch Hedge-Fonds, schon Short-Positionen im Euro aufgebaut – sprich auf eine Abwertung gewettet – als die Eurokrise noch längst nicht ihren Höhepunkt erreicht hatte, nämlich in den Jahren 2010 und 2011. Jetzt werden diese Positionen wieder aufgelöst, lange bevor sich auch in der Öffentlichkeit die Erkenntnis breit macht, dass die Krise sich nicht weiter verschärft und es auch wirtschaftlich langsam wieder aufwärts geht. Den Stimmungsumschwung hat vor allem die EZB ausgelöst. September 2012 kündigte EZB-Chef Mario Draghi an, alle unkonventionellen Maßnahmen ausschöpfen zu wollen, um den Euro zu erhalten. Die langsame, aber stetige Krisenbewältigungspolitik der europäischen Regierungen tat ein Übriges. Die Absage der EZB an eine weitere Zinssenkung bei ihrer Sitzung am 10. Januar gab dem Euro dann noch einen weiteren Schub.

Der Trend nährt sich selbst

Nun ist der Euro auf Erholungskurs und der kann sich noch einige Zeit fortsetzen. Denn wie immer gilt am Devisenmarkt: Der Trend nährt sich selbst. Je stärker der Euro steigt, umso mehr Anleger und Spekulanten werden auf den Zug aufspringen. Besonders augenfällig ist dies derzeit beim Wechselkurs EUR/CHF: Nachdem sich dieser von der Untergrenze bei 1,20 CHF, die von der Schweizerischen Nationalbank verteidigt wird, gelöst hat, kennt der Anstieg kein Halten mehr. In wenigen Tagen legte der Wechselkurs von 1,2070 auf 1,2500 CHF zu. Die Anleger haben wieder mehr Lust auf Rendite und der Franken ist als sicherer Hafen dadurch weniger gefragt. Die Geldströme begingen sich umzukehren und je stärker EUR/CHF steigt (sprich der Franken abwertet), umso mehr wächst bei vielen die Angst Wechselkursverluste zu erleiden, wenn man zu lange im Franken bleibt.

Euro vor starken Widerständen

EUR/CHF ist stark gestiegen und hat inzwischen den wichtigen Widerstand bei 1,2500 CHF erreicht. Doch der Euro legt auf breiter Basis zu: Auch der Wechselkurs des Euros zum Pfund ist nach oben ausgebrochen und nimmt die Widerstandszone bei 0,8400/0,8500 GBP ins Visier. Am stärksten war der Zuwachs beim Wechselkurs zum Yen, um 20 Prozent legte EUR/JPY in den letzten beiden Monaten zu. Auch hier steht der Wechselkurs aber vor einem wichtigen charttechnischen Resist. Das gilt ebenfalls für EUR/USD. Der Wechselkurs zum US-Dollar sieht sich der starken Widerstandszone bei 1,3400/1,3500 USD gegenüber.

Fazit

Die Risikobereitschaft der Anleger wird in den nächsten Monaten weiter zunehmen und das kommt mittelfristig dem Euro zugute. Doch es wird auch immer wieder Rückschläge geben, z.B. durch ein erneutes Aufflackern der Eurokrise. Charttechnisch steht der Euro bei den wichtigsten Wechselkursen EUR/USD, EUR/JPY, EUR/GBP und EUR/CHF vor starken Widerständen. Im Moment besteht noch Aufwärtsdruck, aber Anleger und Trader sollten mit Rückschlägen rechnen. Diese könnten dann für neue Long-Positionen im Euro genutzt werden.

Dr. Detlef Rettinger ist Chef-Redakteur von Deutschlands einzigem reinen Devisen-Börsenbrief mit Musterdepot, dem Devisen-Trader. Der promovierte Volkswirt besitzt langjährige Erfahrung in der Analyse des Devisenmarktes und im Handel mit Derivaten. Weitere Infos: www.devisen-trader.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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