18.04.2011 09:55
Bewerten
 (4)

Rubel: An einer Aufwertung führt kein Weg vorbei

Devisen-Trader-Kolumne

Detlef Rettinger
Russland profitiert vom starken Anstieg der Rohstoffpreise.
Schon 2010 ist das BIP um 4,0 Prozent gestiegen, 2011 und 2012 dürfte sich das Wachstum auf fünf Prozent beschleunigen. Ein großes Problem ist allerdings die derzeit sehr hohe Inflationsrate von 9,5 Prozent. Diese ist aber vor allem auf die Dürrekatastrophe 2010 zurückzuführen, denn dadurch stiegen die Lebensmittelpreise sprunghaft an und das hievte das Preisniveau insgesamt nach oben. Gegenwärtig geht der Chef der Zentralbank, Sergey Ignatiev, davon aus, dass sich die Inflationsrate nach diesem einmaligen Preisschock wieder zurückbildet und auf das Gesamtjahr gesehen das Inflationsziel von 6 bis 7 Prozent erreicht werden kann. Das dürfte aber zu optimistisch gedacht sein und eine stärkere Beschleunigung des Preisauftriebs könnte die Notenbank zu Zinsanhebungen zwingen.

Der Wechselkurs zum Euro ist entscheidend
Allerdings haben die russischen Währungshüter Angst davor, durch eine Verschärfung der Zinspolitik die Konjunktur abzuwürgen. Da bleibt als geldpolitisches Instrument vor allem der Wechselkurs. Eine Aufwertung verringert die Preise importierter Güter und das wirkt sich dämpfend auf die Inflationsrate aus. Anstatt wie früher einen stabilen Wechselkurs halten zu wollen, lässt die Zentralbank daher immer mehr Flexibilität zu und angesichts eines steigenden Ölpreises und zunehmender Kapitalzuflüsse bedeutet dies einen stärkeren Rubel. Der Wechselkurs USD/RUB ist in den letzten Monaten bereits deutlich gefallen. Doch zur Bekämpfung der Inflation nutzt dies wenig, denn nur fünf Prozent der russischen Importe kommen aus den USA, 45 Prozent der Importe stammen dagegen aus Europa.

Fazit
Der Rubel müsste also vor allem gegenüber dem Euro zulegen, um die Inflation zu dämpfen. Sollte der Dollar aber seinerseits deutlich gegenüber dem Euro abwerten, dann wäre ein stärkerer Rubelanstieg vonnöten, um die Inflation wirklich einzudämmen. Die Zeichen für die russische Währung stehen folglich auf Aufwertung.

Dr. Detlef Rettinger ist Chef-Redakteur von Deutschlands einzigem reinen Devisen-Börsenbrief mit Musterdepot, dem Devisen-Trader. Der promovierte Volkswirt besitzt langjährige Erfahrung in der Analyse des Devisenmarktes und im Handel mit Derivaten. Weitere Infos: www.devisen-trader.de. Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

Artikel empfehlen?

Devisenkurse

NameKurs+/-%
Dollarkurs1,08060,0041
0,3809
Japanischer Yen128,53500,4550
0,3553
Britische Pfund0,72210,0014
0,1929
Schweizer Franken1,02900,0000
0,0000
Russischer Rubel56,19562,5827
4,8173
Bitcoin207,8500-3,0600
-1,4509

Heute im Fokus

DAX geht mit kräftigem Abschlag ins Wochenende -- Wall Street im Minus -- Winterkorn bleibt VW-Chef -- Balkanstaaten stellen Griechen-Banken unter Quarantäne -- Deutsche Bank, GE im Fokus

Obama lobt Kongress-Pläne zu Handelsabkommen TTIP. G20 kritisieren USA wegen IWF-Stimmrechtsblockade. Nächster Paukenschlag in Pharmaindustrie möglich: Teva erwägt Mylan-Kauf. Fresenius verhandelt über Zukauf in Israel. G20-Finanzminister optimistischer über Weltwirtschaft. Merkel sieht perspektivisch Freihandelszone mit Russland. Obama ermahnt Griechenland zu Reformen. US-Autobauer Ford investiert Milliarden in Mexiko. Auswärtiges Amt bringt Deutsche aus Jemen in Sicherheit.
Diese Aktien sind auf den Kauflisten der Experten

Die besten Flughäfen der Welt

Welche Startups werden von Investoren am höchsten bewertet?

Umfrage

Die weltweiten Rüstungsausgaben sind 2014 das dritte Jahr in Folge gesunken. Sollte Deutschland diese Entwicklung 2015 mitmachen?