aktualisiert: 09.11.2012 08:31
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Index-ETFs: Risiko rausnehmen

Niedrige Vola inklusive
Indizes: Investoren sollten lieber risikoärmere Indexvarianten bevorzugen, statt auf Standardbarometer zu setzen, die nach Marktkapitalisierung gewichtet sind.
€uro am Sonntag

von Emmeran Eder, Euro am Sonntag

Wer viel wagt, der viel gewinnt. Dieses Sprich­wort ist an der Börse ein Irrweg. Vielmehr ist Risikobegrenzung der Schlüssel zum Erfolg. Das trifft auch auf Indexinvestments zu. Statt auf Standardindizes zu setzen, die meist nur marktkapitalisierungsgewichtet sind, lohnt es sich, nach risikoärmeren Varianten Ausschau zu halten.

Dazu zählt etwa der S & P-500-Low-Volatility-Index. Der ist einfach ­konstruiert: Von den 500 Titeln des Standard-&-Poor’s-Index werden jene 100 ausgewählt, die die geringste Schwankungsbreite aufweisen. Je geringer die sogenannte Volatilität, desto höher die Gewichtung.

Verblüffend sind die Resultate, die mit diesem einfachen Konzept erzielt werden. Von Anfang 2003 bis Ende Oktober 2012 legte der Low-­Volatility-Index jährlich um 8,4 Prozent (in US-Dollar) zu. Der Leitindex S & P 500 schaffte im selben Zeitraum nur ein Jahresplus von 7,06 Prozent. Besonders wichtig: Das bessere Ergebnis erzielte die Indexvariante mit weniger Risiko. Die Standardabweichung seit 2003 betrug 10,3 Prozent, beim S & P 500 dagegen 15 Prozent.

Baissephasen sind entscheidend
Verantwortlich für die Mehrrendite gegenüber dem normalen S & P-500-Index sind primär die Abwärtsphasen. In der Finanzkrise stürzte der Low-Volatility-Index zwar auch um 36 Prozent ab, der S & P 500 aber um 51 Prozent. Ein ähnliches Bild zeigte sich bei der Baisse im zweiten Halbjahr 2011.

Doch das schwankungsärmere Barometer hat auch Schwächen. Das sollten Anleger wissen, die mit dem ETF des US-Finanzdienstleisters State Street den S & P-500-Low-Volatility abbilden. Dessen Portfoliostratege Niall O’Leary gibt zu bedenken, dass „Fonds, die auf niedrigere Volatilität setzen, in Bullenmärkten in der Regel hinterherhinken“. Das trifft jedoch nicht auf längere Aufwärtsperioden zu, sondern eher auf kürzere Übertreibungsphasen an den Börsen. So lief der S & P 500 von Anfang 2006 bis Mitte 2007 besser als der Low-Volatility-Index. In der langen Hausse von März 2003 bis Mitte 2007 war die Rendite der beiden Barometer dagegen fast identisch. Auch in Phasen nach einer Baisse wie im Frühjahr 2009 oder Anfang 2012 sind Standardindizes erste Wahl. Dann haussieren meist Aktien am stärksten, die oft nicht von bester Qualität sind und in der Baisse besonders stark verloren hatten.

Diese Effekte sind nicht nur bei dem US-Index, sondern auch beim MSCI World zu beobachten. MSCI entwickelte im Auftrag der Fondsgesellschaft Lyxor den MSCI-World-Risk-Weighted-Index, auf den die Franzosen einen ETF (ISIN: LU 077 663 681 2) offerieren. Anders als beim Low-Volatility-Index wird hier das Barometer nicht auf die am wenigsten volatilen Aktien reduziert, sondern alle derzeit im MSCI World enthaltenen 1625 Unternehmen bleiben vertreten.

Doch die Gewichtung differiert ge­genüber dem Original. Bei diesem erfolgt sie nach Kapitalisierung, während bei der Innovation den schwankungsärmsten Titeln die höchsten Anteile zugewiesen werden. „Damit werden die Probleme herkömmlicher risikobasierter Indizes vermieden“, erklärt Heike Führpaß-Peter von Lyxor. „Dazu zählen das Ausschalten von Klumpenrisiken wegen der Verengung auf wenige Titel und die Gefahr einer starken Abweichung vom Vergleichsindex“, spezifiziert sie.

Die Vorgehensweise funktioniert. Von Anfang 1993 bis Ende 2011 wäre mit plus 8,73 Prozent jährlich eine um 2,5 Prozent höhere Rendite erzielt worden bei einer um gut 1,5 Prozent niedrigeren jährlichen Volatilität. Besonders hoch war die Mehrrendite nach dem Platzen der Technologieblase von Anfang April 2000 bis Ende Oktober 2002. Der MSCI World verlor in dem Zeitraum 35 Prozent, die risikoreduzierte Variante nur zehn Prozent. Dafür stieg der Standardindex in der Hausse von Dezember 1999 bis März 2000 deutlicher.

Interessanterweise kletterte der Risk-Weighted-Index im Bullenmarkt von Ende 2002 bis August 2006 mit 117 Prozent Plus um 47 Prozentpunkte höher als das Original — bei etwas geringerer Volatilität. Seit Herbst 2006 funktioniert die Strategie aber nicht mehr ganz so gut wie früher. Immerhin: Bis Ende 2011 gelang eine jährliche Überrendite von 1,8 Prozent bei 1,5 Prozent niedrigerer Schwankungsbreite. Einen Schritt weiter geht Lyxor noch beim ETF auf den Index Euro Stoxx 50 Equal Risk. Hier wird neben niedriger Schwankungsbreite zusätzlich die Korrelation der Aktien untereinander mit in die Gewichtung der 50 Euro-Stoxx-Mitglieder einbezogen. Denn je unterschied­licher die Kursbewegungen einzelner Titel in einem Portfolio sind, desto stabiler ist es. „Das sorgt für ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis“, sagt Führpaß-Peter.

In der Rückrechnung funktioniert die Strategie. Von Anfang 1993 bis Januar 2012 wären 3,5 Prozent pro Jahr mehr Rendite bei einem Prozent weniger Schwankung erreicht worden. Auch von Mitte 2007 bis jetzt war eine jährliche Mehrrendite von 3,3 Prozent drin. Auffällig ist, dass der Equal-Risk-Anlagestil zwar mehr Rendite bringt, aber die Volatilität nur geringfügig senkt. Das zeigte sich auch in der Finanzkrise. Der Kurssturz war ebenso heftig wie beim Euro Stoxx 50. Fazit: Für Langfristinvestoren eignen sich die schwankungsärmeren Strategien, da sie das Chance-Risiko-Verhältnis verbessern. Die Gefahren eines Aktienengagements bleiben aber bestehen.
Der bessere Index (pdf)

Investor-Info

S & P-500-Low-Volatility
Die Schwankungsarmen

Auf die 100 Werte aus dem S & P 500, die die geringste Volatilität aufweisen, konzentriert sich der ETF von State Street. Je geringer die Schwankungen der vergangenen 252 Handelstage, desto höher die Gewichtung. Der ETF bildet den S & P-500-Low-­Volatility-Index ab. Kein Titel darf mehr als vier Prozent Anteil haben. Die größten Positionen sind derzeit Kimberly Clark, General Mills, Procter & Gamble und PepsiCo. Die Dividendenrendite beträgt 3,2 Prozent. Der ETF notiert in US-Dollar. 

Euro Stoxx 50 Equal Risk
Korrelation plus Volatilität

Im ETF von Lyxor auf den Euro-Stoxx-50-Equal-Risk-Index werden die 50 Euro-Stoxx-Werte mit der niedrigsten Volatilität und Korrelation am höchsten gewichtet. Die Kombination der beiden Faktoren soll die Stabilität des Fonds bei Kursrückschlägen er­höhen. Die größten Positionen sind gegenwärtig Unilever, Essilor, Anheuser-Busch, Danone und L’Oréal, die zusammen fast ein Fünftel des ETF-Portfolios bestreiten. Finanzdienstleister und nicht-zyklische Konsumgüter mit je 17 Prozent Gewicht sowie Gesundheit mit zehn Prozent Anteil sind die dominierenden Branchen. Die Dividenden des ETF werden wieder angelegt.

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