09.01.2013 18:00
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Agrarbranche: Gute Ernte für Anleger

Agrarbranche: Gute Ernte für Anleger
Aussichtsreiche Agraraktien
Die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe bleiben 2013 auf hohem Niveau. Davon profitiert die Branche mehrheitlich. Mit welchen Agrarfonds Anleger eine reiche Ernte einfahren.
€uro am Sonntag

von Carl Batisweiler, Euro am Sonntag

Dass Finanzspekulationen die Preise von Weizen, Mais oder Soja hochtreiben und daher schuld am Hunger in armen Regionen der Welt seien, ist ein weitverbreitetes Vorurteil — und jetzt widerlegt. Eine jüngst veröffentlichte Studie der Universität Halle-Wittenberg und des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung sieht keineswegs Zocker als Ursache für teure Lebensmittel. „Die Preissteigerungen sind primär auf realwirtschaftliche Entwicklungen zurückzuführen“, so Ingo Pies, Professor für Wirtschaftsethik in Halle.

Unerwartete Unterstützung be­kamen die Autoren der Studie von ­ 40 Wissenschaftlern verschiedener Universitäten und Institute in Deutschland. Die Ökonomen sind der Auffassung, eine Einschränkung der Spekulation könne für die Bekämpfung des Hungers sogar kontraproduktiv sein. Bauern und Händler bräuchten Terminmärkte, um Preisrisiken abzuwälzen. So weist zwar jede zweite Untersuchung, welche die Forscher aus Halle als Grundlage nahmen, einen Einfluss auf die kurzfristige Preis­volatilität nach, aber keine belegt ­einen dauerhaften Einfluss der Spekulation auf die Höhe der Preise.

Auch aktuell sind fundamentale Gründe wie knappe Ernten auf der Südhalbkugel ausschlaggebend für hohe Getreidepreise. Australiens Farmer etwa rechnen in der laufenden Erntesaison wegen mangelnden Niederschlags mit über einem Viertel weniger Weizen als im Vorjahr. Auch in Südafrika soll die Weizenproduktion unterm Niveau des Vorjahres bleiben. Nach den Ernteausfällen in der Schwarzmeerregion und Argentinien erwartet das US-Agrarministerium ein globales Angebotsdefizit von knapp 24 Millionen Tonnen im laufenden Erntejahr.

Weil auch bei Mais, Soja oder Zucker die erwartete Nachfrage — vor allem aus Asien — nicht sinkt und die Vorräte gering sind, rechnen viele Analysten für 2013 mit Preisen für Agrarrohstoffe, die zwar unter den Höchstwerten von 2012, aber weiter auf hohem Niveau liegen werden.

Auch die Experten der Welternährungsorganisation FAO sehen die ­Risiken für Hungersnöte vor allem in den stark gesunkenen Lagerbeständen weltweit und einem zu knappen Angebot an Lebensmitteln für die weiter steigende Weltbevölkerung. Dazu kommen die sich ändernden Ernährungsgewohnheiten in den Schwellenländern — und nicht zuletzt die staatlich verordnete und ­geförderte Produktion von Biosprit oder -gas, die Landwirtschaftsprodukte der Lebensmittelherstellung entzieht.

Doch auch ohne Tank-statt-Teller-Diskussion: Die Agrarmärkte wachsen weiter und damit der Investitionsbedarf. Das eröffnet auch Privatanlegern die Chance, vom ­Mega­trend Agrar zu profitieren. Am einfachsten geht das über Aktienfonds. Die Frage der Rohstoffspekulation stellt sich dabei nicht: Von dem guten Dutzend Agrarfonds, die in Deutschland angeboten werden, investieren nur wenige indirekt über ETFs oder ETCs in Rohstoffe, die meisten gar nicht. Dafür überrascht die Zusammensetzung der Portfolios, denn viele der Unternehmen werden auf den ersten Blick nicht mit dem Thema Agrar in Verbindung gebracht — und profitieren doch.

Fischzüchter und Wurstpellen
So setzt etwa Jörg Dehning, dessen Fonds DJE – Agrar & Ernährung 2012 um rund 30 Prozent zugelegt hat und auch auf Sicht von drei Jahren mit einem Plus von fast 60 Prozent glänzt, den Schwerpunkt nicht auf börsennotierte Farmen oder Landtechnik, sondern auf Verarbeitung und Vertrieb. Unter den Top-Ten-Titeln des DJE findet sich beispielsweise der US-Konzern Bunge, der die ganze Wertschöpfungskette von der Produktion auf der Farm bis zum Verkauf fertiger Produkte im Einzelhandel abdeckt. Glanbia ist der größte Hersteller von Cheddar-Käse in den USA, produziert Sportlernahrung und belegt die meisten Pizzen in Europa mit Käse. Price­smart aus San Diego in Kalifornien betreibt eine der größten Ketten im Lebensmitteleinzelhandel in Zentralamerika und in der Karibik.

Mit zum DJE-Erfolgsrezept gehören auch Thai Beverage mit Bier und Schnaps in Asien oder Marine Harvest — die Norweger züchten Lachs vom Nordkap bis nach Chile. Der holländische Futtermittelkonzern Nutreco wirkt da schon fast zu bäuerlich im Depot. Welche Erfolge der Bereich Ernährung beitragen kann, zeigt sich bei Viscofan: Der Aktienkurs des Herstellers von künstlichen Wurstpellen strebt seit fünf Jahren konsequent aufwärts.

Investor-Info

DJE – Agrar & Ernährung
Abseits des Schweinezyklus

Der aktuell erfolgreichste Fonds des Sektors stammt aus dem Hause Jens Ehrhardt. Das Erfolgsgeheimnis von Fondsmanager Jörg Dehning: Er investiert vollkommen unabhängig von der Benchmark — und er sucht Unternehmen, deren Erfolg nicht allzu sehr vom klassischen Schweinezyklus der Branche abhängt. So ist er derzeit in Asien übergewichtet und setzt vor allem auf konsumgetriebene Titel wie ­Lebensmittelproduzenten und -händler. Im auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Portfolio wird auch nicht auf Rohstoffpreise spekuliert. Kaufen. 

DWS INv. Global Agribusiness
Das Schwergewicht
Der DWS Invest Global Agribusiness ist ein anderes Kaliber als der DJE-Fonds: Allein seine Eurotranche für Privatanleger ist fast eine Milliarde schwer, das gesamte verwaltete Vermögen beträgt 2,4 Milliarden US-Dollar. Die Fondsmanager Ralf Oberbannscheidt und Oliver Katz setzen auf die Großen der Branche: Bunge, Mosaic, Potash Corp. of Saskatchewan. In seiner Ausrichtung unterscheidet sich der Fonds ebenfalls deutlich vom DJE-Produkt: 45 Prozent der Aktien stammen von Unternehmen aus dem Sektor Düngemittel und Agrochemie, fast die Hälfte des Vermögens ist in US-Dollar angelegt. 

Bildquellen: iStock
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