12.05.2012 10:04
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Gold verliert seinen Status als Krisenschutz

Krisenwährung unter Druck
Gold als Krisenschutz - das war einmal. So ähnlich könnte man die jüngste Entwicklung am Goldmarkt zusammenfassen. Lange Zeit war das teure Edelmetall bei Groß- und Privatanlegern heiß begehrt - doch der Wind hat zuletzt gedreht.
  Nicht erst seit Wochenbeginn steht der Goldpreis an den Finanzmärkten stark unter Druck. Und das, obwohl die Euro-Schuldenkrise mit der schier ausweglosen Situation in Griechenland stärker denn je aufgeflammt ist. Kurz gesagt: Gold verhält sich nicht mehr wie ein "sicherer Hafen", sondern vielmehr wie eine riskante Anlageform.

 

    Das ist überraschend: Seit der schweren Finanzkrise im Jahr 2008 galt an den Finanzmärkten wenig als gewiss. Auf eines aber konnte man sich seither aber verlassen: Gold steigt beständig im Wert und dient als Versicherung gegen krisenhafte Entwicklungen. So hat sich der Goldpreis seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers - Höhepunkt der schwersten Bankenkrise der Nachkriegszeit - mehr als verdoppelt. Bis Anfang 2012 stieg der Goldpreis innerhalb von dreieinhalb Jahren um 60 Prozent auf 1.920 Dollar. Und der Höhenflug schien kein Ende zu nehmen.

 

    Doch die Trendwende hat eingesetzt: Spätestens seit Anfang März kann der Goldpreis nicht mehr von der hohen Unsicherheit der Anleger profitieren. Allein seit Wochenbeginn hat das Edelmetall rund 60 Dollar oder dreieinhalb Prozent an Wert verloren. Aktuell kostet eine Feinunze (rund 31 Gramm) rund 1.580 Dollar - so wenig wie seit vier Monaten nicht mehr. Warum dieser Sinkflug?

 

    Experten können zwar einige Faktoren benennen, warum Gold seinen Status als Krisenschutz zusehends einbüßt. "Einen zentralen und richtig überzeugenden Grund gibt es aber nicht", räumt Carsten Fritsch ein. Der Rohstoffexperte, der bei der Commerzbank täglich den Goldmarkt beobachtet, findet es besonders bemerkenswert, dass Gold zurzeit viel stärker unter Verkaufsdruck steht als andere Rohstoffklassen. Schließlich gelten viele Rohstoffe, allen voran Rohöl, im Gegensatz zu Gold als riskante Anlage.

 

    Dennoch gibt es wichtige Ursachen, warum Gold in der Anlegergunst sinkt. So hat der Dollar im Zuge der wieder hochgekochten Euro-Schuldenkrise spürbar an Wert gewonnen. Für viele Anleger verteuert eine feste US-Währung die Anschaffung von Gold, weil das Edelmetall traditionell in Dollar gehandelt wird. Das drückt die Nachfrage und belastet mithin den Goldpreis. "Darüber hinaus haben die Ölpreise in den vergangenen Tagen deutlich nachgegeben", ergänzt Commerzbank-Experte Fritsch. Dies mindert die Angst vor noch höheren Benzinpreisen und dämpft Inflationsängste. Und da Gold auch ein Schutz gegen eine steigende Geldentwertung ist, verliert das Edelmetall zusehends an Glanz.

 

    Ein dritter Grund kommt hinzu: Viele Großanleger setzen seit langer Zeit auf steigende Goldpreise. Deswegen gibt es am Goldmarkt einen starken Überhang an spekulativen "Netto-Long-Positionen". Das bedeutet, dass viele Investoren immer noch auf höhere Goldpreise wetten - obwohl die Entwicklung in den letzten Monaten dagegen spricht. Diese Anleger - vornehmlich institutionelle Investoren wie Hedge-Fonds - sehen sich zusehends gezwungen, ihre Anlageentscheidung zu überdenken und entsprechende Positionen aufzulösen. Das hat zur Folge, dass der Goldpreis auch an den Optionsmärkten - dort wird Gold auf Termin gehandelt - nachgibt.

 

    Dass der Goldpreis in den nächsten Wochen und Monaten weiter nachgibt oder gar einbricht, gilt unter Experten aber als wenig wahrscheinlich. Der wichtigste Grund: Die sehr robuste oder sogar stark anziehende Nachfrage nach physischem Gold. Experte Fritsch nennt zum einen Indien, wo Goldschmuck eine historisch große Rolle spielt. Und natürlich darf die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft China nicht fehlen. So sind die Goldeinfuhren Chinas von Februar auf März drastisch um fast 60 Prozent in die Höhe geschnellt. Im Jahresvergleich schossen die Goldimporte gar um das sechsfache nach oben. "Das spricht dagegen, dass der Goldpreis nachhaltig an Boden verliert", resümiert der Rohstoff-Experte.

FRANKFURT (dpa-AFX)

Bildquellen: Keystone
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