20.07.2013 15:00
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Wirtschaftsfaktor Holz: Über die steigende Popularität

Der wichtige Wirtschaftsfaktor Holz
Rohstoff Holz
Der Wald stellt die Lebensgrundlage für Millionen Waldeigentümer und Beschäftigte dar, speichert CO2 und liefert Holz, einen der wertvollsten Rohstoffe überhaupt.
€uro am Sonntag

von Philipp Freiherr zu Guttenberg, Gastautor von Euro am Sonntag

Das Brennholz wird knapp.“ Mit dieser Meldung brachte die Arbeitsgemeinschaft der Rohholzverbraucher den Blätterwald Anfang des Jahres gehörig zum Rauschen. Aber selbst wenn derzeit kein Grund besteht, sich um den Wald und den heimischen Rohstoff Nummer 1 zu sorgen — Deutschland besitzt den größten Holzvorrat in Europa —, zeigt die öffentliche Aufregung eines ganz deutlich: Das Interesse an Holz ist heute so groß wie selten zuvor.

Das äußert sich auch in der steigenden Nachfrage seitens der Verbraucher, die zur Energiegewinnung immer häufiger auf den nachwachsenden und CO2-neutralen Rohstoff setzen anstatt auf endliche Rohstoffe wie Öl oder Gas. Schon heute heizen allein in Deutschland rund 15 Millionen Haushalte mit Holz. Im vergangenen Jahr wurden hierzulande 25.000 neue Pellet-Heizungen eingebaut. Tendenz steigend. Das ist eine erfreuliche Entwicklung, nicht nur für die Umwelt. Die gestiegene Popularität des intelligenten Rohstoffs aus dem Wald sorgt auch dafür, dass dessen Bedeutung als Wirtschaftsfaktor weiter zunimmt. Zum Beleg ein paar Zahlen: Die Forst- und Holzwirtschaft ist in Deutschland einer der wichtigsten Wirtschaftszweige. Mit 1,2 Millionen Beschäftigten arbeiten hier fast doppelt so viele Menschen wie in der Automobilindustrie. Insgesamt erwirtschaften die 180.000 Betriebe jährlich einen Umsatz von rund 170 Milliarden Euro.

Verklärtes Verständnis von
Umweltschutz schadet

Maßgeblichen Anteil an diesem ökonomischen Erfolg haben die rund zwei Millionen Waldeigentümer in Deutschland, die etwa die Hälfte der Waldfläche in Deutschland bewirtschaften. Sie sorgen dafür, dass der Wald nachhaltig bewirtschaftet wird — und das seit 300 Jahren. Damals erfand der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz das Prinzip der Nachhaltigkeit in der Forstwirtschaft. Er legte fest, dass dem Wald nur so viel Holz entnommen werden darf, wie auch nachwächst. Dieses Prinzip beherzigen die Waldbesitzer bis heute. Und sie übertreffen die selbst gesetzte Marke sogar deutlich: Von den 110 Millionen Kubikmetern Holz, die jährlich in deutschen Wäldern wachsen, wird nur etwas mehr als die Hälfte geerntet. Dieses weitsichtige Konzept ist mittlerweile Vorbild für weitere Wirtschaftsbereiche geworden — und ein Exportschlager weit über die Grenzen Deutschlands und der Forstwirtschaft hinaus.

300 Jahre nachhaltig bewirtschafteter Wald bedeuten auch 300 Jahre gelebter Naturschutz. Dabei lautet seit jeher das Motto der Waldeigentümer: Schützen durch Nutzen. Dieser Ansatz unterscheidet sich von der Position einiger Naturschützer, die übereifrig Flächenstilllegungen fordern. Dadurch wären nicht nur zahlreiche Arbeitsplätze gefährdet. Die Vorschläge verkennen die Realität. In Deutschland gibt es keinen gesellschaftlich getragenen Wunsch nach Märchenwäldern, in denen ungestört Wölfe und Bären leben. Sie wären auch als Erholungsorte gänzlich ungeeignet. Bewährt hat sich hingegen die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder: Neben der Biodiversität hat bis heute auch die Waldfläche stetig zugenommen — in den vergangenen 40 Jahren um eine Million Hektar.

Nicht nur für den Naturschutz spielt der Wald eine überragende Rolle. Auch die Energiewende wird ohne den intelligenten Rohstoff aus dem ländlichen Raum nicht gelingen. Bereits heute stammen 70 Prozent der erneuerbaren Energien aus Biomasse, davon die Hälfte aus fester Biomasse, also Holz. Durch die Steigerung der Effizienz bei der Holzverbrennung, beispielsweise durch moderne Öfen oder eine bessere Gebäudedämmung, ließe sich zusätzlich CO2 einsparen. Der Wald liefert nicht nur einen der wichtigsten Rohstoffe, sondern besitzt auch innerhalb der Energiewende eine wichtige Funktion.

Damit der Strom aus erneuerbaren Energien auch dort ankommt, wo er benötigt wird, müssen neue Strommasten und Hochspannungsleitungen errichtet werden. Diese führen häufig über den Grund von Bauern und Wald­eigentümern. Die Waldeigentümer sprechen sich für diesen notwendigen Netzausbau aus — fordern im Gegenzug aber eine angemessene Entschädigung. Momentan sollen die Eigen­tümer lediglich eine Einmalzahlung in Höhe von zehn bis 20 Prozent des Verkehrswerts erhalten. Dieser Betrag ist zu gering, gerade wenn man bedenkt, dass die Waldbesitzer ihre Produktions- und Lebensgrundlage für immer verlieren. Deshalb setzen sie sich für eine wiederkehrende Vergütung ein, die sich auch an den Renditen der privaten Netzbetreiber orientiert. Auch künftig wird entscheidend sein, dass die Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass die steigenden Erwartungen an die Waldeigentümer und den Rohstoff Holz erfüllbar bleiben. Hier ist die Politik gefragt.

Dabei geht es in erster Linie darum, bewährte Konzepte weiter auszubauen. Um die weltweit wachsende Nachfrage nach heimischem Holz auch weiterhin bedienen zu können, darf es keine weiteren Flächenstilllegungen und zusätzlichen Beschränkungen geben. Stattdessen sollte man sich darauf konzentrieren, die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder zu intensivieren und den Pro-Kopf-Holzverbrauch auf hohem Niveau zu stabilisieren.

Holz ist innovativ einsetzbar —
etwa als Biokunststoff

Wird das Holz dort genutzt, wo es entsteht, sorgt das für Arbeitsplätze in strukturschwächeren Regionen und vermeidet Transportkosten. In die falsche Richtung weisen hingegen Restriktionen wie eine eventuelle Vermögensabgabe oder eine Verschärfung der Erbschaftsteuer. Diese würden den Waldeigentümern die Existenz- und Arbeitsgrundlage entziehen. Denn das Kapital — der heutigen und zukünftigen Generation — steht in Form von Bäumen im Wald und liegt nicht als Geldbündel auf der Bank. Eine Abgabe würde das Nachhaltigkeitsprinzip gefährden und dazu führen, dass viele Waldbesitzer ihr Eigentum verkaufen müssten, da sie die zusätzlichen Belastungen nicht schultern können. Dann würden auch die Leistungen entfallen, die die Waldeigentümer für die Allgemeinheit erbringen — zum Beispiel die Pflege der Naherholungsgebiete.

Heute und in Zukunft braucht es Menschen, die sich im Bewusstsein von unternehmerischer Freiheit für Holz und den Wald engagieren. Dafür sollten jetzt tragfähige Konzepte zusammen mit den Waldeigentümern entwickelt und deren Leistungen als engagierte Umweltschützer anerkannt werden. Und es lohnt sich, in die Zukunft des heimischen Rohstoffs Nummer 1 zu investieren — denn Holz ist innovativ. Schon heute gibt es vielfältige neue Anwendungsgebiete. So wird Holz zum Beispiel für Türme oder Rotorblätter von Windrädern verwendet. Zudem wird beispielsweise an der Universität Rosenheim am Biokunststoff auf Holzbasis geforscht. Wenn heute Weichen richtig gestellt werden, wird es in den Meldungen kommender Jahre heißen: „Es ist genügend Holz für alle da!“

zur Person:

Philipp Freiherr zu Guttenberg, Präsident der
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Wald­besitzerverbände

Der Autor vertritt seit 2010 in dieser Funktion die Interessen von zwei Millionen privaten und körperschaftlichen Waldeigentümern auf nationaler und internationaler Ebene. Seit 2008 bekleidet Guttenberg zudem das Amt des Vizepräsidenten der Confederation of European Forest Owners (CEPF), des Euro­päischen Wald­besitzerverbands.
Guttenberg ist Eigen­tümer und Manager von zwei Forstbetrieben in Deutschland und Österreich. Er absolvierte an der University of Edinburgh ein Bachelor- Studium in Ecological Science und studierte im Anschluss Forest Management an der University of Aberdeen.

Bildquellen: Creativ Collection
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