15.12.2012 09:42
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Zertifikate – Fluch oder Segen?

Vermögensverwalter-Kolumne
Über die intelligente Nutzung eines verkannten Anlageinstrumentes
von Guido vom Schemm, Geschäftsführer der MERITO Asset Management

Mit der Finanzkrise kam der große Knall. Spätestens nach den Erfahrungen der Lehman- Pleite meiden Privatanleger Zertifikate wie der Teufel das Weihwasser. Zu Unrecht sind sie verschrien als Zockerpapiere ohne Wert und nicht zuletzt die fehlerhafte Risikoaufklärung war schuld an der Verunglimpfung des Anlageinstruments. Die große Vielfalt, Komplexität einzelner Produkte sowie mangelnde Kenntnisse und schlechte Erfahrungen sorgen nach wie vor für Verunsicherung. Doch mit Zertifikaten lassen sich Risiken minimieren, so dass gerade vorsichtige Anleger von den Möglichkeiten profitieren können.

Zertifikate, oder auch strukturierte Produkte genannt, sind technisch gesehen Schuldverschreibungen, meist von Banken, deren Rückzahlung sich an einem bestimmten Basiswert orientieren. Die Ausgestaltung ist daher äußerst variabel, so können die Basiswerte Aktien, Indizes, Zinsen, Währungen, Rohstoffe oder sogar Schulden sein. Die Risikoprofile sind ebenso unterschiedlich und können die Bedürfnisse von Spekulanten genauso bedienen wie die konservativer Anleger.

Gerade die Komplexität einzelner Produkte macht vielen Privatanlegern zu schaffen und führt zu Fehlentscheidungen bei der Anlage. Deshalb sollte man nur standardisierte Produkte, beispielsweise Discountzertifikate nutzen, bei denen die nötige Transparenz gegeben ist. Die im Privatkundengeschäft der Banken angebotenen Zertifikateemissionen weisen in der Regel komplizierte Rückzahlungsbedingungen und extrem lange Laufzeiten auf, die einen Marktvergleich nicht zulassen. Daher können Anleger kaum einschätzen, ob der Emissionspreis angemessen ist. Nicht selten zahlen sie bei Zeichnung mehr als 8 Prozent Gebühren, und sind sich dessen nicht einmal bewusst. Der Erwerb über die Börse ist immer die bessere Wahl. Hier ist neben der brokerabhängigen Transaktionsgebühr auf den Spread zu achten, also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs.

Ein wesentlicher Faktor beim Zertifikateerwerb ist die Bonität des Emittenten. Wird der Emittent zahlungsunfähig, spielt die Entwicklung des Basiswertes keine Rolle mehr.

Diese bittere Erfahrung mussten zahlreiche Anleger mit der Insolvenz von Lehman Brothers machen. Umso wichtiger ist es, eine überschaubare Laufzeit zu wählen. Denn auch wenn die Existenz der europäischen Banken vorerst politisch gesichert scheint, können sich Rahmenbedingungen an den Kapitalmärkten jederzeit schnell ändern.

Trotz aller negativen Schlagzeilen können Zertifikate aber gerade für vorsichtige Anleger eine interessante Alternative zu Aktien sein. Mit Discountzertifikaten beispielsweise erwerben Anleger die Aktie mit einem Abschlag und federn damit mögliche Kursverluste ab. Auf diese Weise können auch in leicht fallenden oder seitwärts laufenden Märkten positive Erträge erzielt und die Schwankungsbreite gegenüber Aktien deutlich reduziert werden. Zudem ist es möglich, durch den gezielten Einsatz von Discountern Marktschwankungen zu Gunsten des Anlegers zu nutzen und mit der Volatilität eine zusätzliche Assetklasse ins Depot aufzunehmen. Je stärker der Wellengang an den Börsen, desto sinnvoller kann es sein auf Discountzertifikate zu setzen. In stürmischen Zeiten bieten diese Papiere den größtmöglichen Schutz.  

Damit sich bei der Anlage in Zertifikaten keine bösen Überraschungen ergeben und die Investition ein Erfolg wird, sollten Zertifikateanleger folgende Regeln beherzigen:

1. Kostentransparenz - Vermeiden Sie die Zeichnung von Neuemissionen, der Erwerb über die Börse ist günstiger.

2. Vergleichbarkeit - Nutzen Sie standardisierte Produkte, deren Ausstattungsmerkmale einfach und nachvollziehbar sind. Durch den Vergleich mit anderen Emittenten stellen sie einen angemessenen Marktpreis sicher.

3. Emittentenqualität - Wählen Sie den Emittenten sorgfältig aus. Neben dem Ausfallrisiko sollten Sie auch die Qualität der Preisstellung überprüfen.

4. Flexibilität - Wählen Sie die Laufzeiten unter Beachtung von Prognoserisiken. Unsere Empfehlung: Maximale Laufzeit 1 Jahr.

Machen Sie es bei der Kapitalanlage doch wie beim Einkauf beim Markendiscounter – bei Rabattaktionen auf qualitativ hochwertige Angebote beherzt zugreifen.

Immer mehr Privatanleger in Deutschland vertrauen bei ihrer Geldanlage auf bankenunabhängige Vermögensverwalter. Frei von Produkt- und Verkaufsinteressen können sie ihre Mandanten bestmöglich beraten. Mehr Informationen finden Sie unter www.vermoegensprofis.de.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schließt jegliche Regressansprüche aus.

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