Wer seinen Riester-Vertrag bis 31. März kündigt, hat das Guthaben am 30. Juni im Altersvorsorgedepot. So bereitest du den Wechsel jetzt vor.
von Roland Kuse
Veröffentlicht am
Ab 2027 kannst du dein Riester-Guthaben ins Altersvorsorgedepot übertragen. Alle bisher erhaltenen Zulagen bleiben dabei erhalten, nichts wird zurückgefordert. Soweit die Theorie. In der Praxis ist die Übertragung ein mehrstufiger Vorgang mit einer gesetzlichen Frist, die den Zeitplan bestimmt. Dazu kommt der Andrang: Im Bestand sind rund 15 Millionen Riester-Verträge. Selbst wenn nur ein Bruchteil übertragen wird, haben die Anbieter im ersten Quartal 2027 alle Hände voll zu tun. Wer vorbereitet ist, verliert dadurch kein Quartal. Wer erst im Januar anfängt, unter Umständen schon.
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Die Übertragung läuft rechtlich über eine Kündigung des Altvertrags, verbunden mit dem Verlangen, das gebildete Kapital auf den neuen Vertrag zu übertragen. Dafür gilt nach dem Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz eine Frist von drei Monaten zum Ende eines Kalendervierteljahres.
Das bedeutet: Es ist gleich, ob du am 2. Januar oder am 25. März kündigst. In beiden Fällen wechselt das Guthaben zum 30. Juni 2027. Wer den 31. März verpasst, wartet dagegen bis zum 30. September.
| Kündigung geht ein | Guthaben wechselt zum |
|---|---|
| 1. Januar bis 31. März 2027 | 30. Juni 2027 |
| 1. April bis 30. Juni 2027 | 30. September 2027 |
| 1. Juli bis 30. September 2027 | 31. Dezember 2027 |
Es geht also nicht um Tage, sondern um Quartale. Und die Kündigung setzt voraus, dass der neue Vertrag bereits existiert, denn der alte Anbieter braucht dessen Daten, um das Kapital überweisen zu können. Wer im März noch mit Depoteröffnung und Identitätsprüfung beschäftigt ist, schafft den Stichtag nicht.
Am 1. Januar 2027 werden sehr viele Sparer gleichzeitig ein Depot eröffnen wollen. Identitätsprüfung und Freischaltung brauchen Zeit. Wer jetzt bei z.B. finanzen.net ZERO1 ein kostenloses Depot eröffnet, hat diesen Schritt bereits hinter sich. Für die Zulage selbst zählt übrigens nur, wie viel du im Beitragsjahr insgesamt einzahlst, nicht wann.
Solange dein Guthaben beim alten Anbieter liegt, zahlst du dessen Kosten weiter, typischerweise 1,5 bis 2,5 Prozent pro Jahr.
| Riester-Guthaben | Kosten über 6 Monate | Kosten über 9 Monate |
|---|---|---|
| 10.000 € | rund 100 € | rund 150 € |
| 25.000 € | rund 250 € | rund 375 € |
| 50.000 € | rund 500 € | rund 750 € |
Annahme: 2,0 Prozent Effektivkosten pro Jahr auf das Guthaben.
Der Unterschied zwischen einer Kündigung im März und einer im April ist damit bei 25.000 Euro Guthaben rund 125 Euro. Kein dramatischer Betrag, aber einer, für den du nichts tun musst außer rechtzeitig ein Depot zu haben.
Alles, was am 1. Januar 2027 bereits fertig ist, musst du dann nicht mehr machen.
Ein Wertpapierdepot eröffnen. Das kostet am wenigsten Zeit und bei Neobrokern nichts. Damit ist die Identitätsprüfung erledigt, das Konto existiert. Sobald das Altersvorsorgedepot verfügbar ist, schaltest du es beim selben Anbieter frei und kannst die Kündigung beim alten Riester-Anbieter direkt einreichen. Kein Video-Ident-Termin, kein Support-Ticket im Januar-Andrang.
Unterlagen zusammenstellen. Für die Kündigung mit Übertragungsverlangen brauchst du die Vertragsnummer des Riester-Vertrags, Name und Anschrift des bisherigen Anbieters sowie die Daten des neuen Altersvorsorgedepots. Die meisten Anbieter stellen ein Formular bereit.
Den eigenen Vertrag prüfen. Fordere die jährliche Kosteninformation an und sieh nach, was in deinem Vertrag an Garantiezins steht. Bei Verträgen aus den Jahren 2002 bis 2004 sind das 3,25 Prozent, bis 2006 noch 2,75 Prozent. Solche Zusagen und ein etwaiger garantierter Rentenfaktor gehen bei der Übertragung verloren und lassen sich nicht zurückholen. Für diese Verträge kann Behalten die bessere Wahl sein. Welche vier Wege du hast und wann sich der Wechsel lohnt, steht im Ratgeber.
Einen ETF kennenlernen. Im Altersvorsorgedepot investierst du in Fonds aus einer gesetzlichen Positivliste. Breit gestreute Welt-ETFs fallen darunter, die genaue Abgrenzung regelt eine Verordnung. Wer jetzt schon einen solchen ETF im normalen Depot bespart, kennt das Produkt und die Schwankungen und muss im Januar keine Auswahl mehr treffen. Unser Ratgeber zum ETF-Sparplan erklärt die Einrichtung.
Diese ETF-Anteile wandern später nicht mit. Ins Altersvorsorgedepot übertragen lässt sich ausschließlich Guthaben aus einem bestehenden Riester-Vertrag. Bestände aus einem normalen Depot bleiben dort, wo sie sind, und laufen ab 2027 parallel weiter.
Wenn du deine Sparrate umleiten willst, stelle den Riester-Vertrag beitragsfrei. Das Guthaben bleibt investiert, die bisherigen Zulagen bleiben erhalten, es fließt nur kein frisches Geld mehr in einen teuren Vertrag.
Die Reihenfolge entscheidet allerdings über mehrere hundert Euro. Die Riester-Zulage für ein Beitragsjahr bekommst du nur, wenn du in diesem Jahr den Mindesteigenbeitrag geleistet hast, also 4 Prozent deines Vorjahresbruttos abzüglich der Zulagen, mindestens aber 60 Euro. Wer mitten im Jahr aufhört einzuzahlen, bekommt die Zulage anteilig gekürzt.
Richtig ist deshalb: erst den Mindesteigenbeitrag für das laufende Jahr vollständig leisten, dann beitragsfrei stellen, dann die Sparrate umleiten. Bei zwei Kindern geht es dabei um bis zu 775 Euro Zulage, die sonst gekürzt wird.
Noch ein Punkt vorab klären: Mit dem Abschluss eines neuen Altersvorsorgevertrags endet der Bestandsschutz deines Riester-Vertrags. Wenn du den Altvertrag ohnehin überträgst, spielt das keine Rolle. Wenn du ihn behalten und daneben ein Altersvorsorgedepot besparen willst, frage vorher bei deinem Anbieter nach, was das für deinen Vertrag bedeutet.
Heute: Depot eröffnen, Identitätsprüfung abschließen, Unterlagen des Riester-Vertrags zusammenstellen, Garantiezins prüfen.
Bis Jahresende 2026: Mindesteigenbeitrag für 2026 leisten, danach den Vertrag beitragsfrei stellen und die Sparrate in einen ETF-Sparplan umleiten.
Januar 2027: Das Altersvorsorgedepot beim bestehenden Anbieter freischalten und den Sparplan dorthin verlegen. Ab dem ersten eingezahlten Euro greift die neue Förderung: 50 Cent je Euro auf die ersten 360 Euro im Jahr, danach 25 Cent je Euro bis 1.800 Euro. Bei 100 Euro monatlich sind das 390 Euro Grundzulage statt der festen 175 Euro bei Riester.
Bis 31. März 2027: Kündigung des Riester-Vertrags mit Übertragungsverlangen einreichen. Die Zustimmung des alten Anbieters ist nicht erforderlich, die Übertragung ist gesetzlich vorgeschrieben.
30. Juni 2027: Das Kapital kommt im Altersvorsorgedepot an und wird investiert. Ab hier arbeitet es ohne Beitragsgarantie, mit voller Aktienquote und steuerfrei in der Ansparphase.
Liegt der Vertragsschluss weniger als fünf Jahre zurück, darf der abgebende Anbieter bis zu 150 Euro berechnen. Danach muss er kostenfrei übertragen. Unabhängig davon darf der aufnehmende Anbieter eine einmalige Verwaltungspauschale von höchstens 150 Euro verlangen. Plane also im Zweifel 150 Euro ein, nicht null.
Ein gesetzlicher Schutz greift dabei: Das übertragene, bereits geförderte Kapital darf der neue Anbieter bei der Berechnung seiner Abschluss- und Vertriebskosten nicht berücksichtigen. Eine zweite Runde Abschlusskosten auf dasselbe Geld ist ausgeschlossen.
0 Euro Ordergebühren (zzgl. Spreads) auf ETF-Sparpläne, von Stiftung Warentest als Kostensieger ausgezeichnet (Ausgabe 12/2025). Jeder Euro weniger Kosten ist über Jahrzehnte ein Euro mehr Rendite.
Depot und Altersvorsorgedepot aus einer Hand. Ab 2027 führst du bei ZERO sowohl dein normales ETF-Depot als auch das geförderte Altersvorsorgedepot, in einer App und mit einem Login. Wer jetzt ein ZERO-Depot eröffnet, muss im Januar nur noch das Altersvorsorgedepot freischalten und die Kündigung beim alten Anbieter einreichen.
Bis dahin ein vollwertiges ETF-Depot. Dein ZERO-Depot ist keine Wartehalle. Du kannst sofort einen ETF-Sparplan starten, die Sparrate testen und erste Erfahrung am Kapitalmarkt sammeln. Ab 2027 läuft es parallel zum Altersvorsorgedepot weiter, was ohnehin sinnvoll ist, weil die Förderung bei 1.800 Euro Eigenbeitrag im Jahr endet und alles darüber besser in einem freien Depot liegt. Alle Details zu Übertragung, Förderung und Kosten im Ratgeber zum Altersvorsorgedepot.
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Der Übertrag hängt nicht an einzelnen Tagen, sondern an Quartalen. Wer bis zum 31. März 2027 kündigt, hat sein Guthaben zum 30. Juni im neuen System. Wer den Termin verpasst, wartet bis zum 30. September und zahlt drei Monate länger die Kosten seines alten Vertrags.
Damit die Kündigung überhaupt eingereicht werden kann, muss der Zielvertrag stehen. Genau das lässt sich heute schon erledigen, kostenlos und in wenigen Minuten. Prüfe vorher nur, was in deinem Altvertrag an Garantiezins und Rentenfaktor zugesagt ist. Bei Verträgen aus den ersten Riester-Jahren kann Behalten die bessere Entscheidung sein.
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