aktualisiert: 10.07.2012 16:58
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Traden wie die Profis: So funktioniert Social Trading

Nicht jeder Profi-Trader ist der geborene Gewinner
Mal selbst Jogi Löw sein
Internetplattformen, auf denen private Anleger Depots von Profis automatisch nachbilden können, liegen im Trend. Euro am Sonntag hat ein Portal getestet und einen Tag mitgehandelt.
€uro am Sonntag

von Lars Winter, €uro am Sonntag

Sie nennen sich Happy Dollar, Goldenbull oder Bärenkralle. Ihre Namen sind meistens Programm. Sie sind Daytrader. In Sekundenschnelle handeln sie Aktien, Rohstoffe oder Währungen. In der Vergangenheit geschah dies oft im Verborgenen, heutzutage teilen die Profis ihr Wissen immer öfter auch mit Privatanlegern.

Im Internet geht das anonym über Plattformen wie Ayondo, ZuluTrade oder eToro. Dort können Anleger den Transaktionen von Profitradern wie Happy Dollar automatisch und in Echtzeit folgen, ohne mit ihnen in persönlichen Kontakt zu treten. Das sogenannte Social Trading liegt in Zeiten von Facebook und Twitter voll im Trend. Marktführer eToro will eigenen Angaben zufolge schon über eine Million Kunden haben. Das deutsche Pendant Ayondo nutzen laut Selbstauskunft mehr als 20.000 börsenaffine Mitglieder.

Doch ist Social Trading wirklich so einfach? Kann man sich als Privatanleger blind auf die Trades der angeblichen Profis verlassen und mit ihnen sogar Geld verdienen? €uro am Sonntag wollte es genau wissen und hat sich bei Ayondo ein Demokonto angelegt, um das Handeln der Profis einen Tag lang live zu verfolgen: Trading 2.0 im Selbstversuch — ein Erfahrungsbericht.

07:30 Montag, 2. Juli:
Obwohl ich am Vorabend wegen des EM-Endspiels recht spät ins Bett gekommen war, bin ich zeitig aufgestanden. Ich will wissen, welche Nachrichten den Handel bestimmen, und erfahren, wie der Markt in die neue Woche starten wird. Vor allem aber will ich wissen, wie meine Börsenprofis darauf reagieren. Die ersten Aufträge darf ich auf keinen Fall verpassen, denke ich mir, als ich mich in mein Demokonto beim Ayondo-Partner Alpari, einem britischen Onlinebroker, einlogge.
Nanu, was ist das? „Sell nq100.u“, lese ich im Orderbuch — gleich viermal hintereinander. Ein wenig Recherche, und das erste Rätsel des Morgens ist schnell gelöst. Ich bin short auf den Nasdaq-100-Index, genauer gesagt im Nasdaq-­Future, denn auch in Übersee sind die Börsen nachts geschlossen. Seit Mitternacht setzen Andromeda — so heißt der Trader, dessen Transaktionen ich via Ayondo ebenfalls ausführe — und meine Wenigkeit als sogenannter Follower mit vier Einzelpositionen auf fallende Kurse in Amerika.
Ich folge Andromeda und drei weiteren Tradern ab jetzt bei jeder Transaktion. Das Profiteam habe ich mir zuvor über die Internetplattform von Ayondo nach eigenen Kriterien selbst zusammengestellt. Ich kann meine Händler jederzeit gegen neue Glücksritter austauschen, das Depot damit je nach Risikoneigung offensiver oder defensiver aufstellen. Ich bin sozusagen der Jogi Löw meines eigenen Portfolios. Social Trading heißt das auf Neudeutsch.

Über Ayondo können Privatanleger den Transaktionen von 5.000 Profis und Hobbyhändlern folgen. Vollautomatisch und offensichtlich — wie in meinem Fall bei Andromeda — sogar im Schlaf. Geld schläft nun mal nicht, das weiß nicht nur Gordon Gekko. Andromeda wird es schon machen, sage ich mir. Obwohl ich schon ein wenig enttäuscht darüber bin, die ersten Trades verschlafen zu haben.

08:15
Es tut sich wieder was im Orderbuch, endlich. Ein weiterer Trader in meinem Portfolio mit dem vertrauenswürdigen Namen Riskcontrol steigt in den Markt ein. Auch er geht short. Diesmal im Währungspärchen Britisches Pfund/US-Dollar. Riskcontrol bevorzugt den Devisen­handel. Wie ich in seinem Profil bei Ayondo sehen kann, handelt er ausschließlich Währungen, hauptsächlich Pfund, Dollar, Euro und Yen. Um 8.16 Uhr stockt Riskcontrol die Shortposition auf. Warum er das tut, erfahre ich nicht. Es ist mir auch egal, denn die Trades laufen gut für uns. Dann geht es schnell: Um 8.51 Uhr wird die Position abermals aufgestockt, nur Minuten später folgt der erste Teilverkauf. Der Gewinn: 13,69 Euro — eine magere Ausbeute, aber immerhin ein erster Gewinn.

09:00
Der DAX ist nach einem starken Wochenausklang erneut mit Zugewinnen in den Handel gestartet und notiert oberhalb der Marke von 6.450 Punkten, ein halbes Prozent im Plus. Viele Börsianer hoffen auf eine zeitnahe Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank, heißt es auf dem Parkett. Das beflügelt.
Mein Depot dagegen fliegt weniger hoch. Wie auch: Der positive Handelsbeginn in Deutschland ist nicht gut für den Nasdaq-Future. Pro Shortposition liege ich schnell mit über 200 Euro im Verlust, insgesamt sind das über 800 Euro. Riskcontrol shortet jetzt den Euro zum Dollar. Um 9.54 Uhr macht er den Trade zu. Erfolgreich. 23,94 Euro Gewinn. Zwischendurch wurden auch die beiden anderen Devisenpositionen geschlossen. Insgesamt hat mir Riskcontrol mit seinen Währungswetten knapp 186 Euro Profit eingespielt. Nicht schlecht. Dennoch reicht der Gewinn nicht aus, um die Löcher zu stopfen, die Andromeda mit seinen Shortspekulationen auf den Nasdaq 100 gerissen hat. Da der US-Future weiter anzieht, hat sich der Gesamtverlust auf über 1.000 Euro erhöht. Viel Zeit, darüber nachzudenken, bleibt mir nicht. Die nächste Position ist eröffnet.

10:10
Es ist jetzt kurz nach zehn. Meister2, ein weiterer Trader in meinem Portfolio, der bei Ayondo eine ausgesprochen gute Trefferquote nachweisen kann, setzt auf den DAX. Prima, endlich mal deutsche Aktien — da kenn ich mich aus. Doch auch Meister2 geht short. Hm. Wieso setzt er gerade jetzt auf fallende Kurse, wenn der Gesamtmarkt steigt und auch die Stimmung gut ist, frage ich mich. Vielleicht doch nur ein Meister zweiter Klasse?
Zugegeben, ich bin vielleicht kein Profi-Trader. Aber eins hab ich in meiner Börsenlaufbahn gelernt: The trend is your friend. In solchen Marktphasen sollte man besser nicht gegen den Strom schwimmen. Sei’s drum. Vielleicht hab ich auch eine schlechte Meldung nicht mitbekommen. Fehlanzeige. Der DAX ist stabil im Plus, er baut seinen Gewinn sogar aus und steigt über die Marke von 6.500 Zählern, sehr zu meinem Leid­wesen und wohl auch dem von Meister2.

10:35
Es musste ja so kommen. Wir werden ausgestoppt, bei 6.520 Punkten. Hab ich es nicht gesagt? The trend is your friend. Der Trade war teuer. 973 Euro Verlust hat mir Meister2 mit seinem DAX-Short eingebrockt. Mir wird langsam mulmig. Insgesamt sind schon fast 2.000 Euro futsch — und wir haben noch nicht einmal Mittag.

Zur Ehrenrettung von Meister2 sei gesagt, dass es diesmal wirklich unglücklich lief. Wir wurden, wie sich später he­rausstellt, mit unserem DAX-Short genau am Tageshoch ausgestoppt. Hätten wir unseren Stoppkurs nur einen Punkt höher gesetzt, wären wir mit einem blauen Auge davongekommen. Doch wie sagte Fußballprofi Jürgen Wegmann einst: „Zuerst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu.“ Wie wahr.
Aber Trübsal blasen müssen wir nicht. Wir haben doch Währungsprofi Risk­control im Team. Der hat zwischendurch das Britische Pfund zum Dollar geshortet. Vier Positionen hat er zwischen 10.19 und 10.52 Uhr nebenbei ­getradet. Und allesamt mit Erfolg und ­einem Gewinn von 460 Euro abge- schlossen.
Riskcontrol, du bist ein Teufelskerl, Riskcontrol, du bist ein Währungsgott!

11:00
Pling. Im Orderbuch poppen blaue Si­gnale auf. Blau steht bei Alpari für Longpositionen. Na, es wird doch wohl niemand — tatsächlich. Dax18000, Trader Nummer 4 in meinem Portfolio, setzt wirklich auf steigende Kurse.
Endlich! Bei einem Pseudonym wie Dax18000 wird Optimismus allerdings auch zur Verpflichtung. Dax18000 kauft jetzt im Minutentakt. Er eröffnet mehrere Longpositionen auf den DAX, der bei Alpari „de30“ genannt wird. Obendrein geht er mehrmals long in die US-Leitbörse Dow Jones, die im Brokerjargon schlicht „us30“ heißt.
Für die deutschen Aktien läuft es ganz okay. Dax18000 beschert mir mit seinen Trades auf den deutschen Standardindex innerhalb einer Stunde gut 90 Euro Gewinn. Das würde für ein gutes Mittagessen reichen.

12:30
Schuster, bleib bei deinen Leisten. Ob Dax18000 diese Weisheit kennt? Wohl kaum, denn dann hätte er nur auf deutsche Aktien gesetzt. Hat er leider nicht. Und bei meinen US-Trades brennt der Baum. In Amerika kommen die Futures leider etwas zurück. Das verringert zwar die Verluste meiner offenen Nasdaq-Shortpositionen von Andromeda, auf der anderen Seite schlägt die Wette von Dax18000 auf steigende Kurse im Dow Jones fehl. Alle drei us30-Positionen werden tiki-taka der Reihe nach ausgestoppt. Just zur Mittagszeit verliere ich damit knapp 700 Euro. Na dann, Prost Mahlzeit. Für das Geld hätte ich in New York lunchen können — Hin- und Rückflug inklusive.

14:30
Nach meiner Mittagspause, bei der Schmalhans Küchenmeister war, ziehe ich ein erstes Resümee. Insgesamt liege ich jetzt mit meinem Demo-Depot knapp 2.500 Euro im Verlust. Gut 1.100 Euro davon wurden realisiert, mit rund 1.400 Euro liegen die Nasdaq-Shortpositionen im Minus, die noch immer offen sind.
In mir keimt trotzdem Hoffnung auf. Ich habe doch — richtig — Riskcontrol im Team, den Währungsgott, den Khedira meines Depots. Riskcontrol schuftet und rackert. Während ich zu Tisch war, hat er mehr als zehn einzelne Devisentrades gemacht, fast alle erfolgreich. Er hat den Euro zum Dollar geshortet, das Pfund zum Greenback und japanische Yen gehandelt. Unter dem Strich blieben bei vielen Währungsdeals zwar nur zweistellige Beträge übrig. Doch Kleinvieh macht auch Mist. Am Ende läppert sich das: 450 Euro Gewinn, na wer sagt’s denn. Es geht doch. Zur Belohnung gibt es einen Espresso.

16:00
Dax18000 will es noch mal wissen.
Er setzt mit einer neuen Position auf steigende Kurse im DAX. Zur Markteröffnung an der Wall Street war die deutsche Leitbörse ein wenig zurückgekommen. Jetzt dreht sie wieder gen Norden. Der Mut wird belohnt, der Erfolg folgt auf dem Fuß: Dax18000 beschert mir einen Profit von 313 Euro — nach nur 25 Minuten. Sauber, so kann es weitergehen.
Das tut es auch, wenngleich in Maßen. Dax18000 geht mit mehreren Positionen long in Aktien, Riskcontrol shortet ­munter auf den internationalen Devisenmärkten vor sich hin. Doch das Duo harmonisiert. Es scheint, als hätte ich so langsam die richtige Aufstellung gefunden. Bis zu meinem Feierabend spielen mir beide noch 400 Euro Gewinn ein.

19:30
Kassensturz. Trotz der Schlussoffensive beträgt das Tagesminus rund 2.000 Euro. Der realisierte Verlust hat sich zwar auf überschaubare 250 Euro verringert, doch die offenen Nasdaq-Shorts schlagen mit einem Buchverlust von knapp 1.800 Euro ins Kontor. Der kann sich bei steigenden Märkten ausweiten, bei fallenden Kursen aber schnell auch in Luft auflösen, denke ich mir, als ich den PC herunterfahre. In mir keimt wieder Hoffnung auf. Heute war nicht alle Tage — ich komm wieder, keine Frage.

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