26.02.2013 13:30
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Mergers & Acquisitions: Ein gefundenes Fressen

Übernahmen voll im Trend: Mergers & Acquisitions: Ein gefundenes Fressen | Nachricht | finanzen.net
Übernahmen voll im Trend
Übernahmen: Firmenjäger sind wieder unterwegs - hohe Cashreserven und niedrige Zinsen treiben die Suche nach Übernahmezielen. €uro am Sonntag stellt aussichtsreiche Kandidaten vor.
€uro am Sonntag
von Sven Parplies, Euro am Sonntag

Ein bisschen ist es wie vor einer Schlacht. Beide Seiten ziehen ihre Truppen zusammen, beraten über die Strategie. Der potenzielle Angreifer ist in diesem Fall der britische Mobilfunkkonzern Vodafone. Der Verteidiger: Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland. Beide Unternehmen haben Investmentbanken zur Unterstützung angeheuert, heißt es in Finanzkreisen. Ein Sieger steht schon jetzt fest — die Aktionäre von Kabel Deutschland. Die Gerüchte haben den Kurs um gut zehn Prozent nach oben getrieben.

Eine Übernahme von Kabel Deutschland wäre für Vodafone durchaus sinnvoll. Die Briten könnten das Kabelnetz der Münchner nutzen, um ihr eigenes Mobilfunknetz zu entlasten. Gleichzeitig würden die Angebote von Kabel Deutschland Vodafone helfen, attraktive Pakete für die Kunden zu schnüren.

Telekom- und Medienunternehmen sind besonders aktive Firmenjäger: In diesem Jahr haben sie bereits 57 Milliarden Dollar für Übernahmen ausgegeben. Laut Daten des Finanzdienstes Bloomberg wurde bei Übernahmen in diesen Sektoren in den vergangenen zwölf Monaten ein Preisaufschlag von durchschnittlich 33 Prozent gezahlt. Nimmt man im Fall Kabel Deutschland den Kurs vor den ersten Übernahmegerüchten als Basis, käme man bei einem Aufschlag von 33 Prozent auf 85 Euro je Aktie. Ausgehend vom Durchschnittskurs der vorangegangenen drei Monate, bei Übernahmen eine übliche Messlatte, wären es immerhin 76 Euro.

Die Gerüchteküche brodelt. Auch in anderen Branchen. Das Besondere: Die Börse reagiert in diesen Tagen selbst auf abstrakte Gerüchte mit Kursaufschlägen. Wie bei Lanxess. Der Spezialchemiekonzern, der unter anderem Hochleistungskautschuk für die Reifenindustrie produziert, wird mit dem US-Chemiekonzern Dow Chemical in Verbindung gebracht. Die Lanxess-­Aktie legte aus dem Stand um fast vier Prozent zu, als die Gerüchte das Börsenpaket erreichten.

Nicht immer waren die Aktienmärkte so leicht zu begeistern. Die globale Finanzkrise hatte das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen, den „Mergers and Acquisitions“ (M & A), abgewürgt. Weil Banken nur zögerlich Großkredite gewährten und auch Unternehmen angesichts der unsicheren Wirtschaftslage keine Risiken eingehen wollten, gab es nur wenige spektakuläre Firmenkäufe.

Eine Rückkehr zum Übernahmefieber früherer Jahre ist unwahrscheinlich, da viele Unternehmen noch immer darauf fokussiert sind, Schulden abzubauen. Dennoch weht ein frischer Wind. Denn: Die Eurokrise hat sich entspannt, die Notenbanken fluten den Markt mit billigem Geld. Zugleich haben viele Unternehmen die Finanzkrise gut überstanden und sitzen auf hohen Bargeldbeständen.

Die Mitglieder des amerikanischen Aktienindex S & P 500 sitzen laut Hochrechnung von Analysten auf mehr als 1.000 Milliarden Dollar Cash. Damit könnten sie theoretisch mehr als fünfmal den kompletten DAX aufkaufen. Auch private Finanz­investoren haben große Reserven. Ihr Problem: Bargeld wirft im aktuellen Umfeld minimale Zinsen ab.

Fette Prämien
Als Muntermacher wird die Übernahme des US-Computerkonzerns Dell gesehen. Mehr als 24 Milliarden Dollar hat ein Konsortium um den Finanzinvestor Silver Lake investiert, um Dell von der Börse zu nehmen. Warren Buffetts Investment­gesellschaft Berkshire Hathaway und der Finanzinvestor 3G verleibten sich wenig später den Ketchup­hersteller Heinz ein.

Ob Übernahmen wirklich Werte schaffen, ist umstritten. Zwar lassen sich auf dem Reißbrett Kostenersparnisse und strategische Vorteile errechnen. In der Praxis aber gibt es viele Probleme. In schlechter Erinnerung ist vor allem die „Hochzeit im Himmel“ zwischen Daimler und Chrysler. Aktionäre hingegen sehen bei Übernahmen vor allem die Chancen auf schnelle Kursgewinne. Denn ein Käufer zahlt in der Regel einen deutlichen Aufschlag.

Bei öffentlichen Angeboten für börsennotierte Unternehmen aus Deutschland lag die angebotene Prämie bei rund 25 Prozent, hat die ­Beratungsgesellschaft Blättchen & Partner auf Basis der Daten für das erste Halbjahr 2012 errechnet.

Die Suche nach Übernahmekandidaten ist verlockend, hat allerdings ihre Tücken. Niemand weiß, welche Unternehmen genau auf der Liste der Firmenjäger stehen und wann diese zuschlagen. Es gibt aber Kriterien, mit denen sich der Kreis der Kandidaten einengen lässt.

So gibt es Branchen, in denen Firmenjäger generell aktiv sind, weil die Integration aufgekaufter Unternehmen relativ einfach ist. Das trifft auf die Branchen Pharma und Biotech zu: Durch eine Übernahme sichert sich der Käufer den Zugriff auf fertige Medikamente und Entwicklungsprojekte.

Da Pharmakonzerne trotz hoher Forschungsbudgets wenige Erfolge bei der Entwicklung neuer Wirkstoffe vorweisen können, setzen sie verstärkt auf die Erfolge innovativer Biotechfirmen. In vielen Fällen werden nur die Lizenzrechte an Wirkstoffen eingekauft — bei besonders attraktiven Biotechs kann es aber sinnvoll sein, die komplette Firma zu kaufen. Wegen seiner breiten Produktpipeline wird Morphosys als Kandidat für eine Übernahme gehandelt. Als potenzieller Käufer wird immer wieder der Schweizer Pharmakonzern Novartis genannt. Auch Evotec wäre in der Biotechbranche ein lohnenswertes Ziel.

Besonders spannend ist die Situation um Stada. Generikahersteller sind beliebte Übernahmeziele für Pharmakonzerne, die ihre Abhängigkeit von patentgeschützten Medikamenten reduzieren wollen. Da die Stada-Aktien vinkulierte Namensaktien sind, können die Papiere nur mit Zustimmung des Unternehmens übertragen werden. Das würde dem Vorstand einen zusätzlichen Hebel bei Preisverhandlungen mit einem Käufer geben.

Leichte Beute
Beliebte Übernahmeziele sind Unternehmen, die sich in lukrativen Nischen festgesetzt haben. Ein solcher Kandidat ist Wirecard, ein Spezialist für elektronische Zahlungsabwicklungslösungen. Das Unternehmen profitiert vom zunehmenden Handel über das Internet. Ein potenzieller Käufer wäre ein Kreditkartenkonzern wie American Express.

Symrise ist ein Spezialist für die Herstellung von künstlichen Duft- und Geschmacksstoffen. Das Geschäft gilt als Wachstumsmarkt, da Düfte und Geschmacksstoffe die Wahrnehmung des Menschen und damit Kaufentscheidungen beeinflussen. Sogar Autositze und neue Turnschuhe haben eine besondere Duftnote. Da Symrise einen großen Teil seines Geschäfts mit der Nahrungsmittelindustrie erzielt, ist das Geschäft weitgehend unabhängig von Konjunkturzyklen. Das macht Symrise zu einem Übernahmekandidaten, etwa für BASF.

Während die spektakulärsten Übernahmen ohne Vorwarnung verkündet werden, gibt es Deals, die sich über Monate hinweg anbahnen. Nämlich dann, wenn es bereits einen Großaktionär gibt.
So ist der Bezahlsender Sky Deutschland in der Hand des britischen Medienkonzerns News Corp., der seinen Anteil über Kapitalerhöhungen schrittweise auf 55 Prozent aufgestockt hat.

Mehrere starke Aktionäre hat etwa der Roboterhersteller Kuka. Das größte Paket, 24 Prozent, befindet sich beim Maschinenbauer Grenzebach. Finanzinvestoren wie Oppenheim Asset oder Wyser-Pratte wären sicherlich gesprächsbereit. Und beim Stahlhändler Klöckner & Co ist gerade ein neuer Großaktionär aufgetaucht.

Puma wird bereits seit Längerem vom französischen Luxusgüterkonzern PPR kontrolliert. In Finanz- und Branchenkreisen gilt eine Komplettübernahme als wahrscheinlich. Bislang hat PPR seinen Anteil auf mehr als 80 Prozent aufgestockt. Das Problem für Puma-Aktionäre: Im operativen Geschäft hat der Sportartikelhersteller massive Probleme. Der Kursaufschwung bei vielen deutschen Nebenwerten ist an der Aktie dadurch vorbeigelaufen.
Anleger sollten bei Übernahmespekulationen darauf achten, dass die entsprechenden Unternehmen auch ohne ein Übernahmeangebot Kurschancen bieten. €uro am Sonntag hat drei aussichtsreiche Aktien herausgesucht.

Investor-Info

Kabel Deutschland
Kurstreiber Vodafone

Kabel Deutschland will die Dividende von 1,50 auf 2,50 Euro je Aktie anheben. Das dürfte Teil der Abwehrstrategie gegen eine feindliche Übernahme sein. Aktionären kann das nur recht sein. Da die Gerüchte um den Kabelkonzern sehr konkret sind und sogar ein Bietergefecht ein realistisches Szenario ist, bleibt die Aktie kaufenswert.

Stada
Gesunder Trend

Der Generikahersteller profitiert vom dem Spar­zwang in den Gesundheitssystemen sowie davon, dass bei immer mehr Medikamenten der Patentschutz ausläuft. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund zehn ist die Aktie noch immer moderat bewertet. Im Fall einer Übernahme wird das Potenzial von Analysten auf rund 35 Euro geschätzt.

Symrise
Defensives Wachstum

Der Aromenhersteller überzeugt mit hoher Gewinnmarge und einem Umsatzanteil von fast 50 Prozent in Schwellenländern. Durch die enge Bindung an defensive Branchen wie die Nahrungsmittelindustrie ist das Geschäft relativ krisensicher. Mit zunehmender Größe fällt es Symrise leichter, Aufträge an Land zu ziehen. Weiter kaufenswert.

Zertifikat
Kandidaten im Korb

20 aussichtsreiche Übernahmekandidaten aus Deutschland bündelt ein Zertifikat der HypoVereinsbank. Das Papier bildet den Solactive-German-Merger-&-Acquisitions-Performance-Index ab, in dem derzeit unter anderem Adva Optical, Infineon, Morphosys und Kuka vertreten sind. Die Zusammensetzung des Index wird alle drei Monate überprüft. Seit Auflegung im September vergangenen Jahres hat das Zertifikat (ISIN: DE 000 HV7 TPD 2) mehr als zehn Prozent an Wert gewonnen. Der ­Finanzen Verlag, in dem unter anderem €uro am Sonntag erscheint, fungiert bei diesem Produkt als Indexberater.

Bildquellen: Pressmaster / Shutterstock.com, Terric Delayn / Shutterstock.com

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